Metropolregion Mitteldeutschland-NAVENTIK GmbH: Auf dem richtigen Pfad

IQ-Preisträger 2017 im Portrait

NAVENTIK GmbH: Auf dem richtigen Pfad

08.09.2017
Peter Kalinowski

Mit ihrer PATHFINDER-Software zur hochgenauen Positionsbestimmung von Fahrzeugen mittels Satellitennavigation beschleunigt die Chemnitzer NAVENTIK GmbH den Weg hin zum komplett autonomen Fahren. Dafür wurde das Unternehmen mit dem Gesamtpreis sowie dem Clusterpreis Automotive ausgezeichnet.

Für viele Menschen klingt es noch nach ferner Science Fiction, doch für Peter Kalinowski ist die Vision komplett autonom fahrender Autos nur noch wenige Jahre entfernt: „Schon um das Jahr 2030 könnte der „tipping point“ erreicht sein, an dem die Technologie massenhaft in den Alltag Einzug hält“, ist sich der Mitgründer der NAVENTIK GmbH aus Chemnitz sicher. Rund 25 Prozent der Neuwagen könnten dann zum vollautomatisierten Fahren in der Lage sein und vor allem in globalen Mega-Citys für eine partielle Entspannung der überlasteten Straßen sorgen.

⁞⁞⁞ Foto: Peter Kalinowski (© Tom Schulze) ⁞⁞⁞

Doch auch wenn immer mehr Fahrassistenzsysteme in modernen Autos zu finden sind: Aktuell entsprechen sie erst Level 2 von 5 der internationalen SAE-Norm für autonomes Fahren. Der neue Audi A8, der 2018 auf den Markt kommt, soll als erstes Serienautomobil der Welt das hochautomatisierte Fahren nach Level 3 ermöglichen. Dabei kann das Auto selbstständig Blinken, Anfahren, Beschleunigen, Lenken und Bremsen – ohne dauernde Überwachung durch den Fahrer. Auch Tesla, einer der Pioniere der Technologie, erweitert die entsprechenden Features seiner Fahrzeuge kontinuierlich per Softwareupdate.

Seit fast sieben Jahren forscht Peter Kalinowski zusammen mit seinen Kollegen am Lehrstuhl für Nachrichtentechnik der TU Chemnitz an der Nutzung von Satellitennavigation für die Navigation von Fahrzeugen. Er weiß deshalb genau, wo die Grenzen bisheriger Lösungen liegen: „Sie sind für das Routing eines menschlichen Fahrers gut geeignet. Aber das autonome Handling sicherheitskritischer Situationen in komplexen Umgebungen können sie aktuell noch nicht zu 100 Prozent garantieren. Und 90 Prozent Sicherheit sind eben nicht hinnehmbar“, betont Peter Kalinowski, der bei NAVENTIK für den Bereich „Business Development & Finance“ verantwortlich ist. Besonders in urbanen Gebieten beeinflussen viele Fehlerquellen, wie die Abschattung durch Gebäude, die Genauigkeit aktueller Satelliten-Receiver und verhinderten dadurch eine exakte Eigenlokalisation der Autos. 

Siegerstempel IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2017Dieses Problem lösen soll PATHFINDER, eine softwarebasierte Technologie zur Satellitennavigation, die als einzige massenmarkttaugliche Lösung die zukünftigen Anforderungen zur hochgenauen Positionsbestimmung von Fahrzeugen beim autonomen Fahren erfüllt. Für die Innovation wurde NAVENTIK mit dem Gesamtpreis und dem Clusterpreis Automotive beim diesjährigen IQ Innovationspreis Mitteldeutschland ausgezeichnet. PATHFINDER ermöglicht es, große Teile der Satellitendaten in einer Software zu verarbeiten. Zusammen mit weiteren Daten zur Umfeldüberwachung des Autos wie Radar- und Kamerabilder werden diese in einem System integriert und ihre Qualität durch wahrscheinlichkeitsberechnende Filteralgorithmen bewertet. Durch diese Integritätsdaten können Lokalisierungsfehler in Echtzeit eliminiert werden. So ist auch bei einer gestörten Signalverbindung zum Satelliten die genaue Positionsbestimmung des Fahrzeugs möglich. Durch die vollumfängliche Umsetzung der PATHFINDER Technologie in Software entfällt außerdem die bisherige, umfangreiche Receiver-Hardware, was enorme Kostensenkungen in der Massenproduktion von Fahrzeugen ermöglicht.

Am Mittwoch stellte Peter Kalinowski die Innovation den Teilnehmern des ACOD-Kongresses in der Gläsernen Manufaktur in Dresden vor. „Dass wir uns auf diesem wichtigen Branchen-Event vor einem hochrangigen Fachpublikum präsentieren konnten, ist von unschätzbaren Nutzen für uns“, so der Chemnitzer Wissenschaftler. Die Einladung war eine direkte Folge der Teilnahme am IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2017. Denn Dr. Jens Katzek, Geschäftsführer des Automotive Cluster Ostdeutschland, gehörte zu den Mitgliedern der Fachjury Automotive und wurde dort auf die Innovation aus Chemnitz aufmerksam.

Der IQ 2017 war nicht der erste Wettbewerb, an dem das junge Startup teilnahm. Bereits im März dieses Jahres wurde NAVENTIK mit dem Hauptpreis beim "Gründerwettbewerb – Digitale Innovationen“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ausgezeichnet. „Doch der IQ Innovationspreis Mitteldeutschland ist in mehrfacher Hinsicht etwas besonderes. Zum einen sorgt die enge Orientierung an die verschiedenen Cluster für eine hohe Qualität der Diskussionen und wertvolles Feedback in den Jurysitzungen. Gleichzeitig wurde unsere Innovation durch die Auszeichnung im Cluster Automotive auch medial mit dem richtigen Trigger für unsere Zielgruppen versehen. Seit der Preisverleihung und den Berichten, auch in überregionalen Medien wie „Die Welt“, wurden viele Player der Branche auf uns aufmerksam. Das Telefon steht seitdem nicht still“, freut sich Peter Kalinowski. Auch die mit der Auszeichnung verbundene Mitgliedschaft in der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland ist für den kaufmännischen Leiter von NAVENTIK ein echter Mehrwert: „Wir sind kein klassisches Startup mit einem tollen Livestyle-Produkt, sondern haben eine äußerst komplexe B2B-Lösung entwickelt. Deshalb ist der Zugang zu einem exklusiven Netzwerk etablierter Industrieunternehmen für uns wichtiger als die Präsenz auf hippen Gründer-Events.“

⁞⁞⁞ Foto v.l.: Peter Höhne (IHK Ostthüringen zu Gera), Martin Jüttner, Sven Bauer, Robin Streiter und Juliane Heß (alle NAVENTIK GmbH), Prof. Dr. Brockmeier (IHK Halle-Dessau), Dr. Gert Ziener (IHK zu Leipzig) ( © Guido Werner/GWP) ⁞⁞⁞

Seit dem 1. Quartal 2017 steht ein funktionsfähiger Prototyp der Software zur Verfügung. Seitdem finden verschiedene Forschungsprojekte mit Pilotkunden statt, um PATHFINDER in deren Entwicklungsumgebungen zu integrieren. Weitere Pilotvorhaben für das kommende Jahr wurden bereits vertraglich fixiert. „Aktuell suchen wir noch weitere „use cases“ für unsere Software, die wir gemeinsam mit Partnern umsetzen wollen. Dazu laufen bereits Gespräche“, so der Peter Kalinowski. Bereits von Mai bis August nahm das Chemnitzer Startup am Accelerator-Programm der Deutschen Bahn teil. In dessen Rahmen wurden neue Anwendungsfelder der Pathfinder-Software auf ihre technische Realisierbarkeit untersucht. „Konkret ging es um den Einsatz in Fahrassistenzsystemen von Schienenfahrzeugen und die Positionsbestimmung von Drohnen, die zukünftig die landesweite Infrastruktur der Bahn überwachen sollen“, erläutert Peter Kalinowski. „Auch wenn diese Themen einen eher langfristigen Zeithorizont haben, sind die Ergebnisse und die geknüpften Kontakte sehr vielversprechend.“

Für das im Januar 2017 aus der TU Chemnitz heraus gegründete Unternehmen steht noch im 3. Quartal dieses Jahres ein weiterer Meilenstein an: Der Abschluss einer ersten Finanzierungsrunde. „Dieser Schritt ist nach dem Auslaufen der EXIST-Anschubfinanzierung eine wichtige Voraussetzung für unsere ambitionierten Wachstumspläne.“ So soll die Zahl von aktuell acht Mitarbeitern bis Ende 2018 auf rund 20 steigen. Peter Kalinowski und das NAVENTIK-Team befinden sich also auf dem richtigen Pfad.

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Götz Ulrich
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