Frank: "Politische Initiative muss ausgebaut werden"
Erfolgreicher Auftakt für die ersten „Mitteldeutschen Begegnungen“ der Wirtschaftsinitiative: Rund 100 hochrangige Gäste kamen am Mittwoch in die Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin. Minister Haseloff fordert gesamtdeutsche Länderneugliederung.
Großer Bahnhof im Berliner Regierungsviertel: Auf Einladung der Wirtschaftsinitiative kamen rund 100 hochrangige Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung zum „1. Mitteldeutschen Abend“ in die Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund. Der sachsen-anhaltinische Wirtschaftsminister Haseloff griff in seiner Rede das Thema Länderfusion in Mitteldeutschland auf.
Die Pläne dafür sollten in den Schreibtischen der Politik bereit liegen. Eine Länderneugliederung müsse jedoch im gesamt-bundesdeutschen Zusammenhang diskutiert werden. Das Land Sachsen-Anhalt könne mit Blick auf die Wachstumszahlen mit Thüringen und Sachsen mithalten; es weise auch eine komplementäre Clusterstruktur auf, müsse aber zunächst den Landeshaushalt in den Griff bekommen.
Gastgeber Georg Frank, erster Vorsitzender der Wirtschaftsinitiative, forderte in seinen „fünf Thesen zur Zukunft Mitteldeutschlands“ eine „Wiederbelebung“ und einen „Ausbau“ der politischen „Initiative Mitteldeutschland der drei Ministerpräsidenten. Insbesondere die länderübergreifende Clusterbildung könne nicht allein von der Wirtschaft geleistet werden, sondern brauche stärkere politische Unterstützung.
Weitere Forderungen des ehemaligen Chefs von Bayer Bitterfeld waren ein auf gemeinsame Schwerpunkte abgestimmtes Hochschulkonzept der drei Bundesländer, die Konzentration der Strukturentwicklung auf Cluster und Großstädte sowie die Stärkung von Toleranz und Offenheit in der Region. Letztere Faktoren, das bestätigten auch die anderen Redner, seien ein wichtiger Standortfaktor, gerade in Mitteldeutschland.
Den Reigen der Präsentationen aus Mitteldeutschland eröffnete der Jenaer Historiker und Mitteldeutschland-Forscher Jürgen John. Dieser zeigte, dass es in den zurückliegenden zwei Jahrhunderten ganz verschiedenen Regionen gab, die als „Mitteldeutschland“ bezeichnet wurden. Eine eindeutige Zuordnung gäbe es erst heute mit den drei Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die in Deutschland traditionelle Gliederung in Kleinstaaten habe schon in den 1920er Jahren zu starken Einheitsbestrebungen zugunsten eines „schlagkräftigen“ Mitteldeutschlands geführt. John mahnte jedoch, dass derartige Prozesse unter Einbindung der verschiedenen Identitäten der Menschen erfolgen müssten.
Bei den Unternehmenspräsentationen machte Stefan Martin von BMW den Auftakt. Martin vertrat den Leipziger Werkleiter Peter Claussen und stellte Ziele, Organisation und Projekte des Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD) vor. „Entscheidend für die Zukunft dieses Automobilclusters“, so der von BMW für die Clusterarbeit abgestellte Manager, „wird die Erhöhung der Modellkompetenz sowie die Innovationsfähigkeit der über 1.800 zumeist kleinen Zulieferer in der Region sein.“ Das ACOD bündele dafür sämtliche Zuliefererinitiativen der einzelnen Bundesländer, die Automobilhersteller sowie Vertreter der Wissenschaft. Bisher konnten eine Ausbildungsplattform, ein Zulieferer-Katalog sowie zahlreiche lokale Aktivitäten um die Hersteller-Werke organisiert werden, berichtete Martin. „Wir sind auf einem guten Weg.“
Gleiches konnte auch der DHL Hub Leipzig-Geschäftsführer Michael Reinboth berichten. Der Aufbau des Europadrehkreuzes gehe in die Endphase. In den großen, am Flughafen Leipzig/Halle errichteten Hallen würde nun die Technik installiert, um künftig mehrere tausend Tonnen Fracht am Tag umzuschlagen. „Die Ware muss nach maximal einer Stunde unser Gelände verlassen haben“, gab Reinboth das Ziel vor.
Die DHL habe sich sehr bewusst für den Standort Mitteldeutschland entschieden, wie Reinboth ausführlich erläuterte, denn der wirtschaftliche Schwerpunkt werde sich zunehmend nach Mittel- und Osteuropa verschieben. Logistik-Professor Michael Schenk vom Fraunhofer Institut für Fabrikbetrieb und -Automatisierung in Magdeburg präsentierte passend dazu ein Konzept, wie Mitteldeutschland mittels neu entwickelter Transportbehälter zu einem „innovativen" Logistikstandort werden könne.
Das in Deutschland am schnellsten gewachsene Unternehmen im vergangenen Jahr, die sprd.net AG, stellte schließlich Geschäftsführer Michael Petersen vor. Das Leipziger Startup hatte vor zwei Jahren den IQ Innovationspreis Mitteldeutschland der Wirtschaftsinitiative gewonnen und konnte seinen Umsatz beständig auf bis heute über 16 Millionen Euro steigern. Die sprd.net AG vertreibt online-Shop-Portale für Werbeprodukte, die in jede beliebige Homepage integrierte werden können. Petersen pries die Vorzüge des Standortes Leipzig für die Entwicklung seines Unternehmens (Preisniveau, Förderung, Lebensqualität), wies aber auch auf den zunehmenden Bedarf an hoch qualifizierten Fachkräften hin.
Zum Schluss des ersten „Mitteldeutschen Abends“ rief der ehemalige Geschäftsführer des Verbandes für die Chemische Industrie (VCI) Nordost, Rolf Siegert, zu einer Spendenaktion zugunsten des „Dachs der Möwe“ auf. "Die Möwe“ ist der Name der einst renommierten Künstlerkneipe in den heutigen Räumen der Landesvertretung Sachsen-Anhalts in Berlin Mitte. Mit Spenden soll Geld für die Überdachung des Innenhofs gesammelt werden, um größere Veranstaltungen durchführen zu können.
Downloads:
Programm des 1. Mitteldeutschen Abends (.pdf)
Präsentation Prof. Dr. Georg Frank, WiM-Vorstandsvorsitzender (.pdf)
Präsentation Prof. Dr. Michael Schenk, Institutsleiter Fraunhofer IFF Magdeburg (.pdf)
Präsentation Michael Reinboth, Geschäftsführer DHL Hub Leipzig (.pdf)
Präsentation Stefan Martin, Automotive Clustermanager, BMW AG Werk Leipzig (.pdf)
Präsentation Michael Petersen, Sprd.net AG (.pdf)
Literaturliste Prof. Dr. Jürgen John zum Thema Mitteldeutschland (.pdf)
Weitere Informationen:
Zur Fotogalerie
Artikel bei der Mitteldeutschen Zeitung
Bericht der WiM zum Dach der Möwe und Sponsorenkonto
Link zur Landesveretung von Sachsen-Anhalt

