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Investitionen für die Region

20. December 2005



Im Dezember 2005 wurde der erste Strom aus dem Biomassekraftwerk der Stadtwerke Leipzig ins Netz eingespeist. Ab 2006 erzeugt die Anlage Strom für den Jahresbedarf von 60.000 Einfamilienhäusern.


Seit dem ersten Spatenstich im August 2004 laufen die Bauarbeiten am Biomassekraftwerk der Stadtwerke Leipzig im thüringischen Bischofferode/Holungen nach Plan. Der Bau nimmt einen wichtigen Platz in der Wachstumsstrategie des Unternehmens ein. Mit 50 Mio. Euro ist es die zweitgrößte Einzelinvestition seit Bestehen der Stadtwerke. Erstmals wird hier eine Anlage ausschließlich mit natürlichem Waldrestholz als Brennstoff betrieben, so dass die Stromproduktion völlig CO2-neutral erfolgt. Hoch optimierte Prozessparameter bewirken einen elektrischen Bruttowirkungsgrad von 37 Prozent – ein Rekord für diese Leistungsklasse und Anlagenart in Deutschland, weiß Kraftwerksleiter Heinrich Schaarschuch, der das Projekt von Anfang an begleitet hat.

Rund um die Uhr 20 Megawatt Grundlastbetrieb

Durch die moderne Technik wird die Anlage im Grundlastbetrieb rund um die Uhr eine elektrische Leistung von 20 Megawatt erzeugen. Da wirtschaftliche Brennstoffversorgung nur in entsprechend waldreichen Regionen realisierbar ist, „ging“ das Kraftwerk zum Brennstoff. Die Stadtwerke Leipzig schlossen dafür Lieferverträge mit dem Thüringer Forst und privaten Waldbesitzern.

Neue Chance für Kalikumpel

Mit solchen zukunftsorientierten Investitionen außerhalb ihres Heimatmarktes leisten die Stadtwerke Leipzig einen maßgeblichen Beitrag, nachhaltiges Wirtschaftswachstum in der Region zu sichern und Arbeitsplätze zu schaffen. So wurden 22 Fachkräfte aus über 600 Bewerbungen ausgewählt und eingestellt, viele von ihnen waren lange arbeitslos. Bischofferode machte 1992 Schlagzeilen, als die Kalikumpel gegen die Stilllegung des Kaliwerks protestierten. Da, wo früher das Lösehaus des Werks stand, arbeitet jetzt auch Ulrich Köcher, der bis 1992 im Kaliwerk beschäftigt war. Der 47-Jährige ist jetzt für die Stadtwerke als Elektriker im Einsatz. Den Bau der Anlage konnte er quasi von seinem Wohnzimmerfenster aus beobachten. „Wahnsinn, dass ich nun selbst hier arbeiten darf.“

Allroundtalent als Schichtleiter

Auch Schichtleiter Ralf Arendts ist froh, wieder einen festen Arbeitsplatz zu haben. Der 50-Jährige ist aus Gera nach Bischofferode gezogen. Zu DDR-Zeiten war er Abteilungsleiter im Dienstleistungskombinat. Nach der Wende versuchte er, sich mit dem Vertrieb von Computern und als Kraftfahrer durchzuschlagen. In der Zeit seiner Arbeitslosigkeit belegte er auch diverse Umschulungen. „Hat mir in meinem Alter alles nichts genutzt.“ Jetzt kommt ihm sein Allroundtalent zugute, denn Holzverfeuerung und Holzlogistik sind für alle Mitarbeiter Neuland. Deshalb tauschen die Kollegen regelmäßig die Arbeitsplätze, damit alle sich gleich viel Wissen aneignen. „Das ist eine echte Chance für uns alle“, spricht Ralf Arendts für die gesamte Belegschaft.

Fakten Biomassekraftwerk:

  • Kondensationskraftwerk ohne Wärmeauskopplung, Betrieb in Grundlast
  • Jahresarbeit: 160.000 MWh
  • Feuerung: zirkulierende Wirbelschicht
  • Kesselleistung Frischdampf: 59,3 t/h, 130 bar(a), 535 °C
  • elektrischer Wirkungsgrad: 37 Prozent brutto
  • auf elektrischen Wirkungsgrad optimierter Wasser-Dampf-Kreislauf mit Zwischenüberhitzung und mehrstufiger regenerativer Vorwärmung
  • mehrstufige Rauchgasvorwärmung der Verbrennungsluft
  • Dampfturbine: elektrische Leistung 20 MW, mehrstufige Entnahme-Kondensationsturbine mit Luftkondensator
  • Brennstoff: unbelastetes Holz (Waldrestholz), Brennstoffbedarf: ca. 16,5 t/h max. 20 t/h, entsprechen etwa 130.000 t/a
  • bebaute Fläche: rund 30.000 m2, davon ca. 12.000 m2 Holzlagerplatz
  • vor Ort gelagertes Holz: ca. 40.000 t, entspricht etwa dem Brennstoffbedarf für zwei Monate


Aus: energieplus - Das Magazin der Stadtwerke Leipzig, Ausg. 4/2005, www.swl.de


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Dr. Albrecht Schröter, OBM Jena
„Die Wirtschaftsinitiative ist ideal, um unsere Region zu profilieren und europaweit bekannt zu machen.”