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"Wir wollten einfach mitmachen"

30. Juni 2006


Die Gesamtsiegerin des diesjährigen IQ Innovationspreises Mitteldeutschland, Larissa Vasilets, will den Preis vor allem dazu nutzen, bei potenziellen Geschäftspartnern bekannter zu werden. Das sagte sie in einem Interview mit der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland. Außerdem kündigte Vasilets an, den Chip ihres Lab-on-Chip-Systems zur Serienreife bringen zu wollen.







Wirtschaftsinitiative(WiM): Frau Dr. Dr. Vasilets, wie fühlen Sie sich als Preisträgerin und was erwarten Sie sich von diesem Preis?

Dr. Dr. sc. Larissa Vasilets (LV): Für uns war es eine sehr gute Nachricht. Als junge Firma ist es sehr wichtig, bekannter zu werden. Nicht nur bei Fachleuten, sondern auch bei Institutionen, die für uns sehr wichtig sind, etwa bei Kreditinstituten und späteren Geschäftspartnern, und dieser Preis hilft uns dabei.

WiM: Worum handelt es sich bei Ihrer Erfindung genau und was ist so neu daran?

LV: Die Idee stammt aus meiner Tätigkeit in der Grundlagenforschung. Unser Ziel bei der Erfindung war es, so viele Proteinaktivitäten wie möglich und in so kleinen Reaktionsvolumen wie möglich auf einem kleinen Chipträger zu erfassen. Unsere Proteinchips stellen eine ganz neue Generation von Bio-Chips dar. Denn keine andere Firma auf der Welt kann in Echtzeit und labelfrei parallelisierte Messungen von Proteinaktivitäten durchführen. Die bisherigen Bio-Chips stammen aus Firmen in der USA und sind meist DNA-Chips. Es gibt auch einige wenige Proteinchips auf dem Markt, die aber nur die Menge eines Proteins bestimmen können. Wir hingegen können mit unserer Technologie zum ersten Mal auf einem einzigen Chip-Träger in sehr kleinen Probenvolumen mehrere Proteinaktivitäten messen.

WiM: In welchen Bereichen kann Ihre Erfindung in Zukunft eingesetzt werden?

LV: Unsere Erfindung ist eine Basistechnologie, die viele Anwendungen ermöglicht. Proteinaktivitäten spielen zum Beispiel bei der Pharmakaentwicklung eine große Rolle. Aber auch im Bereich der Forschung kann unsere Technologie neue Entwicklungen wesentlich beschleunigen. Hier wäre ein Einsatz im Bereich Life Sciences denkbar, etwa bei großen Proteomik-Projekte, bei denen man in einer breiten Skala mehrere Proteinaktivitäten von Zellgeweben messen kann. Normalerweise ist dabei das Probenvolumen zu gering, um sie per Hand zu messen. Mit unserem Lab-on-Chip-System jedoch kann man mit einer relativ geringen Probenmenge die Proteinaktivitäten auf dem Chip messen. Das dritte Einsatzgebiet ist die medizinische Diagnostik und Monitoring. Das ist die interessanteste Anwendung. Sie setzt aber einen hohen Zeitaufwand voraus, bis das Verfahren durch viele Tests und verschiedene Zertifikate anerkannt ist und vermarktet werden kann.

WiM: Was werden die nächsten Schritte sein, um Ihr Ziel zu erreichen?

LV: Als Innovationsträger wollen wir uns so schnell wie möglich auf dem Bio-Chip-Markt mit unserem Lab-on-Chip-System positionieren. Deshalb haben wir schon einige Kooperationen gestartet. Außerdem sind wir mit möglichen industriellen und auch wissenschaftlichen Partnern im Gespräch. Es ist bereits großes Interesse für unsere Technologie vorhanden. Doch zuerst müssen wir unseren Chip, der ja das Verbrauchsmaterial für die Technologie ist, zur Serienreife bringen, um ihn seriell stabil fertigen zu können. Das ist ein ziemlich komplexer Prozess, weil unsere Technologie eine Verknüpfung von Kenntnissen aus der molekularen Physik, Mikroelektronik und auch der Softwareentwicklung ist. Denn schließlich haben wir nicht nur die Proteine und den gesamten Chip entwickelt, sondern auch die komplette Messtechnik und die Software zur Datenanalyse und -visualisierung dazu.

WiM: Haben Sie sich bewusst für Leipzig als Standort Ihrer Firma entschieden? Welche Kriterien waren ausschlaggebend für Ihre Standortwahl?

LV: Für mein Projekt gibt es hier gute Bedingungen. Wir haben bei der Firmengründung Unterstützung als innovatives Hightech-Start-up im Rahmen des Projektes „FUTOUR 2000“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie bekommen. Das hat uns ermöglicht, nicht nur unsere komplexe Idee umzusetzen, sondern sie auch weiter zu entwickeln mit dem Ziel, das Lab-on-Chip System an den Markt zu bringen. Außerdem gibt es hier in der Region qualifizierte und vor allem motivierte Mitarbeiter und die Räumlichkeiten in der BIO CITY Leipzig sind auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten. Kurzum, der Zeitpunkt und der Ort waren gut und wir wollten einfach mitmachen.


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Steffen Beck, TÜV Nord
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