Cluster Chemie/Kunststoffe diskutierte Forschungsgutscheine
So genannte Forschungsgutscheine für Unternehmen hat das Cluster Chemie/Kunststoffe nun mit europäischen Kooperationspartnern aus Holland und England diskutiert. Dort wurden gute Erfahrungen gemacht, von denen mitteldeutsche Unternehmen profitieren können.
Im Vorfeld der jüngsten Clusterboardsitzung im Fraunhofer PAZ Pilotanlagenzentrum für Polymersynthese und -verarbeitung besprachen die Wirtschaftsvertreter aus dem holländischen Limburg sowie dem Nordosten Englands neue Wege für die Entwicklung von Chemieclustern. Im Rahmen des Projektes ChemSME ziehen alle Beteiligten großen Nutzen aus der europäischen Zusammenarbeit, denn mit dem Value Park der Dow Olefinverbund GmbH ist die gastgebende Chemieregion beispielhaft aufgestellt. Vorbildlich ist auch die dortige Zusammenarbeit mit dem Landkreis Mersefurt/Querfurt beim Aufbau des Fraunhofer Pilotanlagenzentrums für Polymersynthese und Verarbeitung.
Auf Seiten Sachsen-Anhalts erhofft man sich Anregungen vom holländischen Voucher-System, das gezielt für die Entwicklung der Förderkulisse in Sachsen-Anhalt genutzt werden könnte. Bei dem Voucher-System erhalten KMU einen „Forschungsgutschein“, mit dem sie Leistungen von Forschungsinstituten wahrnehmen können. Eine auf EU-Basis neuartige Qualität in der Zusammenarbeit von Regionen wird dadurch erzielt, dass von holländischer Seite Forschungsgutscheine so vergeben werden, so dass Unternehmen Leistungen des Pilotanlagenzentrums in Merseburg nutzen können.
„Hier zeigen sich konkrete Ergebnisse des Treffens, in dem die internationale Einbindung von KMU und Forschungsinstituten vertieft werden“, so isw-Geschäftsführer Dr. Gunthard Bratzke. Er bekräftigte, dass mit dem unkomplizierten Gutscheinsystem der Innovationsprozess in kleineren Unternehmen sinnvoll unterstützt werden kann. Damit werde die Auslastung der vorhandenen Forschungsinfrastruktur gefördert und die Erstellung eines Branchenführers zur Unterstützung interregionaler Kooperationen von KMU ermöglicht. Zu den zukünftigen Aufgaben zählt daher die Gründung eines „europäischen Polymerverbundes“.
„Die Stärkung industrienaher Forschung und Entwicklung ist eine wesentliche Voraussetzung für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit einer Region“, unterstreicht auch Landrat Dr. Tilo Heuer (SPD) die Kooperation. „Der Landkreis verfügt hierbei mit seinen Potenzialen im Bereich der Chemie und Kunststoffe über exzellente Bedingungen. Diese Potenziale gilt es verstärkt in internationale Projekte einzubringen“. So sieht sich der Landkreis nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen im Projekt ChemSME gut gerüstet für den Beginn der neuen EU-Förderperiode ab 2007.“
Aufbauend auf den positiven Projekterfahrungen wird der europäischen Netzwerkarbeit weiterhin viel Bedeutung beigemessen. Polymerentwicklung und -verarbeitung sind dabei zentrale Themen, die auf der nächsten Sitzung des Europäischen Netzwerkes von Chemieregionen im November in Taragona vorgetragen werden. Träger dieser Idee sind neben Unternehmen auch Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen wie das Centre for Process Innovation (CPI) aus England sowie das Dutch Polymer Institut (DPI). Eine entsprechende Erklärung aller am Projekt beteiligten Partner bezeugt die gemeinsame Basis zukünftiger Zusammenarbeit.
Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die geplante Branchenkonferenz Chemie/Kunststoffe. „Die Vorbereitungen befinden sich auf gutem Wege“, so Clustersprecher Dr. Christoph Mühlhaus, Geschäftsführer Dow Olefinverbund GmbH. Besonders erfreulich sei die Unterstützung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Die Konferenz soll im ersten Halbjahr 2007 stattfinden. Insgesamt 35 Vertreter der kunststoffverarbeitenden Wirtschaft, Universitäten, Forschungsinstituten und Industriedesigner der Länder bekundeten formell ihre Absichten zur weiteren Ausgestaltung des länderübergreifenden Clusterprozesses Chemie/Kunststoffe. Insgesamt 23 Letters of Intent wurden von Unternehmen, Chemiestandorten, Universitäten und Hochschulen als auch von innovativen Netzwerken und Kompetenzzentren eingereicht.
Die nächste Clusterboardsitzung findet am 17.11.2006 in Blankenhain (Thüringen) auf Einladung von Polymermat-Geschäftsführerin Frau Ringleb und der Grafe Gruppe-Geschäftsführer Herrn Grafe statt.

