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Geographiemagazin portraitiert Mitteldeutschland

29. Juni 2007


Das Juni-Heft der "Geographischen Rundschau" befasst sich mit der Region Mitteldeutschland. Die Wirtschaftsinitiative wird als maßgebliche Quelle für die Darstellung des Wirtschaftsstandortes zitiert und als „diskursiv mächtigster Akteur“ bezeichnet.

„Politisch und geographisch besetzt jeder gern die Mitte. Sie zieht Investitionen an und lässt dabei die Peripherie wirtschaftlich hinter sich“ titelt das Magazin in seiner Juniausgabe. Der Fokus liegt auf Mitteldeutschland und seiner geographischen wie wirtschaftlichen Verortung. Mit der Frage „Wo liegt bzw. wer oder was ist Mitteldeutschland?“ verbinde sich die eminent geographische Frage nach neuen regionalen Entwicklungsschwerpunkten in Deutschland. Mitteldeutschland sei dabei ein Brennspiegel für soziale und ökonomische Prozesse. Die Mitglieder der Wirtschaftsinitiative erhalten ein Exemplar des Heftes bei der Mitgliederversammlung kommende Woche. Bestellt werden kann die "Geographische Rundschau" beim Westermann Verlag.

Das Heft betrachtet Mitteldeutschland aus politischer, kultureller, soziodemographischer und wirtschaftlicher Sicht. Zwei Autoren vom Leipziger Leibniz-Institut für Länderkunde befassen sich mit dem mitteldeutschen Wirtschaftsraum. Sie zeigen die industrielle Geschichte auf und schätzen den heutigen Stellenwert der Industrie in Mitteldeutschland. Als größte und wegweisende Branchen werden die mitteldeutschen Cluster Ernährungswirtschaft und Chemie/Kunststoffe sowie Automotive genannt. Als Resümee wird dem Wirtschaftsraum kontinuierliches Wachstum bescheinigt, das jedoch im gesamtdeutschen Vergleich Aufholbedarf hat. Der Tenor: Die Wirtschaftsinitiativen müssen weiterhin den strukturellen Nachteilen der mitteldeutschen Industrie - kleine Betriebseinheiten, Aufsplitterung in viele regionale begrenzte Spezialisierungen, geringe Kapitaldecke für Neuinvestitionen und F&E etc. - entgegen wirken.

Die Sozialgeographen der Universität Halle, Klaus Friedrich und Andrea Schultz, analysieren zudem Abwanderungstendenzen kritisch und zeigt Perspektiven strategischer Wirtschaftsförderung jenseits von Leuchttürmen auf. Seit der Wende haben die drei Bundesländer 11,4% weniger Einwohner durch Abwanderung und Geburtendefizite. Erschwerend komme hinzu, dass vornehmlich höher gebildete Männer und Frauen im fertilen Alter abwandern. Begründet wird der Wegzug zu 66% mit attraktiveren Joboptionen außerhalb der Region. Regionalökonomisch wird dies als Braindrain bezeichnet und erhält mit der aktuellen Debatte um den Fachkräftemangel (siehe OECD-Studie) eine neue Dimension. Hier zeigen die Autoren, dass Brain-Gain, Brain-Regain oder Brain-Exchange viable Möglichkeiten sind, das vorhandene Humankapital fortzubilden, Rückwanderung attraktiv zu machen oder spezialisierte Fachkräfte anzulocken.

Neben der demographischen und industriellen Verortung behandelt das Heft zudem die Frage nach Kultur zwischen Identifikation und Substanzverlust. So nehme Kultur in den mitteldeutschen Ländern Sachsen und Thüringen eine zentrale Rolle im politischen Selbstverständnis ein, was unter anderem durch die Selbstbeschreibung als „Kulturland“ dokumentiert wird. In beiden Ländern finde sich dementsprechend die höchste Theater- und Orchesterdichte aller deutschen Flächenländer. Deutlich wird dies unter anderem an dem Anteil der Kulturausgaben des Gesamtetats der Bundesländer. Sachsen ist deutschlandweit mit über 3,8% absoluter Spitzenreiter. Die Mittel fließen unter anderem in Programme gegen den Substanzverlust und versprechen wirtschaftliche Einnahmen durch Kulturtourismus. Auch hier führen wirtschaftliche Gründe zu Kooperationen und Fusionen von Kulturgesellschaften, die die mitteldeutschen Länder engen zusammen rücken lassen.

Die Geographische Rundschau besteht seit 1949 und ist führend im Fach Geographie. Das Themenheft des Westermannverlages wendet sich an eine akademische Leserschaft und bereitet monatlich aktuelle Forschungsergebnisse, Themenhefte zu Regionen und empirisch belegte Hintergründe zu Fragen wie Globalisierung, nachhaltige Entwicklung, Geopolitik oder globale Umweltprobleme. Die Daten und Artikel entstammen der Feder renommierter Autoren aus Forschung und Lehre. Die Geographische Rundschau sieht sich somit als Brücke zwischen Fachwelt und einer breiten Fachöffentlichkeit. Das Heft erreicht monatlich ca. 12.000 Leser.

Weitere Informationen und Bestellung:
Website Geographische Rundschau
OECD-Studie zum Fachkräftemangel


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Dr. Joachim Geisler, MIBRAG
„Als wichtiger Motor der regionalen Wirtschaft unterstützt MIBRAG die Metropolregion von Beginn an.”