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Unternehmer begegnen Fachkräftemangel gezielt

31. August 2007


Unternehmen in Mitteldeutschland begegnen dem Fachkräftemangel aktiv durch Ausbildung, Weiterbildung und internationale Rekrutierung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung, die im Rahmen einer Diplomarbeit bei der Wirtschaftsinitiative entstanden ist.

"Demographischer Wandel - Herausforderung für Unternehmen in Mitteldeutschland" ist der Titel der Diplomarbeit, die Auswirkungen des demographischen Wandels auf Unternehmen untersucht hat. „Die abnehmende Zahl jüngerer Mitarbeiter sowie die zunehmende Überalterung der Gesellschaft zwingt Unternehmen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Die Studie hat untersucht, ob bereits Engpässe in der Personalrekrutierung bestehen, wie Unternehmen bei der Personalbeschaffung vorgehen und wie sie die Perspektiven für die Zukunft einschätzen“, fasst Wirtschaftsinitiative-Geschäftsführer Klaus Wurpts die Diplomarbeit zusammen.

Der erste Teil der Befragung befasst sich mit allgemeinen Fragen zum demographischen Wandel. 88% der Befragten nehmen demnach an, dass das Thema von mittelmäßiger (57%) oder großer (31%) Bedeutung für ihr Unternehmen sei. Auf die Frage, wie stark sich der demographische Wandel in 10 bis 15 Jahren auf die Wirtschaft auswirken werde, gaben 66% an, starke Auswirkungen auf die Region zu erwarten. Weitere 21% rechnen mit „mittelmäßigen“ Auswirkungen. 75% vermuten, dass die Bevölkerungsentwicklung sich besonders deutlich im Fachkräftemangel niederschlagen werde.

Die Frage, worin die Unternehmen in Bezug auf die demographische Entwicklung die größten Herausforderungen für Ihr Unternehmen sehen, lässt sich in acht Antwortkategorien abbilden. Die Deckung des Fachkräftebedarfs durch qualifizierte Arbeitskräfte wird mit 26 Nennungen am häufigsten aufgeführt. Zudem werden als Aufgaben genannt, dass eine kontinuierliche Personalpolitik/-entwicklung verfolgt werden solle, Unternehmen sich an neue Märkte anpassen müssten, Kompetenztransfer von erfahrenen zu neuen Mitarbeitern gewährleistet werden müsse, Erhalt bzw. Schaffung einer "gesunden" Altersstruktur sowie Azubi-Ausbildung, attraktive Gehaltsstrukturen und Auslagerung der Produktion eine Rolle spielen.

Des Weiteren wird die aktuelle Arbeitskräftesituation im Unternehmen abgefragt. Die Unternehmen geben an, dass die größten Schwierigkeiten darin beständen, Akademiker und Fachkräfte zu rekrutieren. Dementsprechend nehmen die Befragten an, dass sich am leichtesten Berufseinsteiger gewinnen ließen, Führungskräfte hingegen am schwersten.

Die mangelnde Qualifikation eines Bewerbers sei jedoch noch eher ein Grund für die Unterbesetzung in den Unternehmen als zu hohe Gehaltsforderungen. Für 34% der befragten Unternehmen mit Vakanzen stelle dieser Umstand teilweise eine Behinderung für den Betriebsablauf dar. Bei 17% komme es zu starken Behinderungen und bei 21% hätten die unbesetzten Stellen kaum Einschränkungen des Betriebsablaufes zur Folge. 70% der Befragten befanden, dass es genügend Arbeitskräfte gebe, es aber schwierig sei, die tatsächlich geeigneten zu finden. 86% der Befragten nehmen an, dass Unternehmen in den nächsten Jahren um begehrte Fachkräfte kämpfen müssten.

Die Teile drei und vier der Befragung beschäftigen sich mit Methoden zur Deckung des derzeitigen Arbeitskräftebedarfs. Am Häufigsten wird von den Unternehmen die Ausbildung eigener Fachkräfte genannt (53 Nennungen), dicht gefolgt von der Fort- oder Weiterbildung der Mitarbeiter (51 Nennungen) und der Übernahme von Auszubildenden (47 Nennungen). An vierter Stelle rangiert die Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit (35 Nennungen) sowie die Inserierung von Stellenangeboten in regionalen Medien (35 Nennungen). Weitere Möglichkeiten sehen die Unternehmen in der Kooperation mit Bildungseinrichtungen in der Region, größtenteils mit Hochschulen (47 Nennungen).

Auf die Frage nach Maßnahmen, die dem Fachkräftemangel zukünftig entgegen wirken können, zeigt sich, dass 92% der Unternehmen bereit seien, ausländische Arbeitskräfte einzustellen. Zudem geben die Befragten an, dass mehr Weiterbildung (44 Nennungen), mehr Ausbildung (37 Nennungen), die Beschäftigung älterer Mitarbeiter (27 Nennungen) und flexiblere Arbeitszeiten (21 Nennungen) wichtig seien. Die Suche nach Arbeitskräften im Ausland (14 Nennungen) und höhere Löhne (11 Nennungen) werden von den Unternehmen weniger häufig genannt. Es wird zudem deutlich, dass bei mehr als der Hälfte der Unternehmen die Nachfolge kurz- und mittelfristig gesichert ist. Langfristig können lediglich 39% der Unternehmen Positionen sicher besetzen oder planen.

Die Autorin der Diplomarbeit, Aline Frick, studiert Diplom-Geographie an der Universität Leipzig (Institut für Geographie) und hat bei der Wirtschaftsinitiative ihr Praxissemester absolviert. An der Untersuchung teilgenommen haben 71 Unternehmen. Davon sind 32 kleine (bis 50 Mitarbeiter), 19 mittlere (51 bis 250 Mitarbeiter) und 18 große Unternehmen (mehr als 250 Mitarbeiter). 28 der befragten Unternehmen kommen aus Sachsen-Anhalt, 25 aus Sachsen und 15 aus Thüringen. Drei Unternehmen machten keine Angaben zu Größe und Herkunft.

Weitere Informationen:
Kurzauswertung der Unternehmensbefragung (pdf)

Kontakt:
Aline Frick


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Dr. Albrecht Schröter, OBM Jena
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