„People based economic development”
Bei der internationalen Cluster-Konferenz in Portland vergangene Woche war auch wieder die Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland vertreten. Wie sich zeigte, wird die Diskussion um die Bedeutung von „Talenten" und Stadtentwicklung inzwischen weltweit geführt. Ein Bericht.
Beschleunigt durch technologische Entwicklungen in der Logistik und der Informationstechnologie nimmt der internationale Warenaustausch weiterhin in rasantem Tempo zu. Entsprechend gewinnt die strategische Regionalentwicklung weltweit eine immer wichtigere Rolle. Nicht nur in den OECD-Ländern rücken die Einflussfaktoren der so genannten Wissensökonomie, und somit der hoch qualifizierten Fachkräfte, in den Fokus von Politik und Unternehmertum. Dieses machte die diesjährige Weltkonferenz der Experten-Vereinigung „The Competitiveness Institute“ im US-amerikanischen Portland vergangene Woche deutlich. Die Wirtschaftsinitiative ist bereits seit längerem in der Initiative engagiert und hat sich nicht nur dort präsentiert, sondern auch für die Durchführung der Konferenz im Jahr 2009 in Leipzig beworben.
Hochrangige Experten aus der ganzen Welt machten auf wichtige Trends aufmerksam, die die globale Wirtschaft in den kommenden Jahren und Jahrzehnten beeinflussen werden. Dazu zählt die steigende Rolle Chinas, wo es bereits heute 120 Städte mit mehr als 1 Million Einwohner gibt. In den nächsten zehn Jahren dürften bis zu 350 Millionen Menschen aus dem Hinterland in die boomenden Metropolen umziehen und ihre Arbeitskraft anbieten. Entsprechend wird allein die Ölnachfrage Chinas in etwa fünf Jahren der gesamten Jahresproduktion Saudi-Arabiens entsprechen.
Die islamischen Ölstaaten am Golf wiederum investieren derzeit Milliarden-Beträge in die Diversifizierung ihrer Wirtschaft. Allein Saudi-Arabien will 200 Milliarden Dollar in den nächsten zehn Jahren in sechs ausgewählte Wirtschaftszentren investieren. Neue Institute und hoch dotierte Forschungsstiftungen entstehen in Indien, Pakistan und in der arabischen Welt. Die so genannten wissensbasierten Industrien wie die Informationstechnologie stehen dabei oben auf den Wunschlisten der Politik, wie einige der vertretenen Staatssekretäre und Minister in der nordwest-amerikanischen Pazifik-Metropole Portland berichteten.
„People based economic development“ lautet weltweit der neue Diskurs der Regionalentwicklung. Wissen, Innovation, Kreativität und Design gelten als diejenigen Erfolgsfaktoren, um die sich vor allem hoch entwickelte Wirtschaftsregionen wie Mitteldeutschland Gedanken machen sollten. Statistiken aus den USA spiegeln ähnliche Trends wie in Europa wieder. Die meisten neuen Arbeitsplätze entstehen dort, wo besonders hoch qualifizierte, junge Menschen mit Hochschulabschluss hinziehen. Dazu zählen auch in den USA längst nicht mehr die „Großen“ wie New York oder Chicago. Vielmehr einige wenige Städte in der zweiten Reihe, wie auch Portland mit seinen rund 550.000 Einwohnern, ziehen heute aufgrund ihrer Lebensqualität die „High Potentials“ an. 60 Prozent der Hochschulabsolventen machen ihre Zukunft vom Ort und nicht vom Job abhängig.
Das Unternehmensumfeld, die Cluster und die regionale Strategie bleiben laut Harvard-Experten Christian Ketels die drei wichtigsten Pfeiler für die Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes. Die Gestaltung des Unternehmensumfelds und die strategische Positionierung moderner Städte muss nach einhelliger Meinung auch Aspekte wie Lebensqualität lebenslanges Lernen und Ideenförderung umfassen. Als wichtigste „Zielgruppe“ sind Studenten zu betrachten. Nur dreimal zieht der Mensch in seinem Leben um: zum Studium, zum Job-Beginn oder zum Kinderkriegen. Die Herausforderung der heutigen Regionalentwicklung lautet, die Studenten zu halten. Der weltweit gefragte Ort ist die moderne Stadt, die sich von anderen unterscheidet und ihr eigenständiges Profil hat. (K. Wurpts)
Weitere Informationen:
Website TCI
Website TCI Global Conference 2007 Portland

