Standort

Der geographische Faktor

16. Mai 2008


Unternehmer aus den fünf norddeutschen Ländern wollen nach dem Vorbild der Wirtschaftsinitiative die „Hanseregion“ stärken. Bart Groot, Gründer der mitteldeutschen Standortinitiative, präsentierte nun beim „Zweiten Norddeutschen Wirtschaftstag“ in Hannover.

Rund 300 hochrangige Unternehmer waren am Donnerstag auf Einladung des CDU-nahen Wirtschaftsrats auf die Hannover Messe gekommen, um das Thema „Hanseregion: Zusammenarbeit stärken – Wettbewerbsfähigkeit fördern“ zu diskutieren.

 

Mit-Initiator war der ehemalige mitteldeutsche Biotechnologie-Clustersprecher Ralf Thiericke, der nun das Technologiezentrum Itzehoe leitet. „Wie haben auch hier im Norden viel Nachholbedarf, was die länderübergreifende Zusammenarbeit angeht“, führte der ehemalige Jenaer ein. Die Schere zwischen Nord und Süd in Deutschland dürfe vor allem in der Technologieentwicklung nicht weiter auseinander gehen.

Foto: Ralf Thiericke, Technologiezentrum Itzehoe

Bart Groot, aus Holland angereist, erläuterte ähnliche Motive, die ihn und zahlreiche weitere große Unternehmen zur Gründung der heutigen Wirtschaftsinitiative veranlasst hatten. Diese bestanden vor allem in der Überwindung der administrativen Grenzen und der kleinteiligen Verbands-Strukturen, hin zur „tatsächlichen mitteldeutschen Wirtschaftsregion auf Ebene der drei Bundesländer“. Die Wirtschaftsinitiative sei nicht als „Meckerveranstaltung“ gegen die Politik geplant. Vielmehr sollte sie ein Zusammenschluss der strukturbildenden Unternehmen sein, die die lokalen Widerstände überwindet und etwas Eigenes gestaltet.
 
Zur Stärkung der Region sei der länderübergreifende Clusterprozess initiiert worden. „Vor zehn Jahren war das noch ein unbekannter Begriff“, so Groot. Beim „Stärken stärken“ gehe es auch nicht darum, Neues aufzubauen, und schon gar nicht nur um die reine Auflistung vorhandener Unternehmen und Forschungseinrichtungen. „Clustering ist ein dynamischer Prozess, der die vorhandenen Kräfte bündelt und somit auch die Region profiliert“, erläuterte der ehemalige Chef der Dow Olefinverbund GmbH in Schkopau bei Halle. Unternehmer sollten solche Prozesse aus eigenem Interesse unterstützen, da sie auf ein gesundes Unternehmensfeld angewiesen seien.
 
Christian Ketels, Clusterexperte von der Harvard Business School und langjähriger Berater der Wirtschaftsinitiative, unterstütze Groot in einem Vortrag. Themen wie Ausbildung, Forschung und Entwicklung oder Infrastruktur könnten nicht mehr vom Staat allein gelöst werden, da ihm das entsprechende Wissen um die Anforderungen der Unternehmen fehle. Zudem zeigten wissenschaftliche Studien, dass es einen „geographischen Faktor“ gebe: Je erfolgreicher das Unternehmensumfeld, desto besser auch die „performance“ der Firmen, erläuterte Ketels.

Foto: v.l. Dr. Christian Ketels gemeinsam Mit Prof. Michael Porter und Bart Groot bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde an Prof. Porter durch die Handelshochschule Leipzig (HHL)
 
„Cluster“ machten keinesfalls die gesamte Wirtschaft einer Region aus, führte der Wissenschaftler weiter aus. Sie zeichneten vielmehr die regionalen Konzentrationen und Spezialisierungen aus internationaler Perspektive aus. Jede Region sollte ein eigenes „Clusterportfolio“ entwickeln, dass sich natürlich im Laufe der Zeit ändern könne. „Entscheiden für die Clusterentwicklung sind aber letztlich nicht nur statistische Angaben, sondern vor allem die Bereitschaft der Unternehmen, zu handeln.“ – Der Neu-Hamburger Thiericke war erfreut und wies in Richtung Unternehmer: „Die Initiative zur Stärkung unserer Region muss von der Wirtschaft kommen.“

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Mario Busch, S&P Ingenieure + Architekten
„Für Mitteldeutschland, für unsere Region, engagieren wir uns mit "Herzblut". Wir wollen aktiv dazu beitragen, dass diese Wirtschaftsregion durch Innovationskraft, Wachstum und Lebensqualität eine starke Zukunft hat.”