Standort

„Wirtschaftsinitiative wertet Standort auf“

15. August 2008


Mitteldeutschland verfügt über Innovationsstärke und profitiert von länderübergreifender Zusammenarbeit. Herausforderungen für den Standort liegen in der Mittelstandsstärkung und Internationalisierung. Das sagt PwC-Partner Jens Berger im Sommerinterview.

Jens Berger, PwC

Herr Berger, was sind aus Ihrer Sicht die aktuellen Herausforderungen für die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Mitteldeutschland?
Mitteldeutschland hat genau das, was einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort auszeichnet: hoch motivierte und qualifizierte Arbeitskräfte, verbesserte Verdienst- und Karrieremöglichkeiten und vor allem eine stetig steigende Lebensqualität. Genau dies müssen wir weiterhin verstärkt nach außen kommunizieren und in den Köpfen der Menschen platzieren. Nur wer den hohen Stellenwert einer wirkungsvollen Standortwerbung erkannt hat, kann langfristig junge Menschen sowie qualifizierte Fachkräfte binden und in der Folge neue Unternehmen gewinnen.

Mitteldeutschland zeichnet sich jedoch auch durch Ideenreichtum und Innovationsstärke aus, womit wir uns deutlich von anderen Regionen abgrenzen. Die dafür notwendigen Rahmenbedingungen sind gut, aber nicht optimal. In diesem Zusammenhang ist es notwendig, die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, und öffentlicher Hand deutlich zu intensivieren, und zwar länderübergreifend. Nur so können Ressourcen gebündelt und Innovationen auch direkt in unserer Region umgesetzt werden.

Die Gewinnung von Synergien ist somit ein entscheidender Faktor, um Mitteldeutschland im nationalen wie internationalen Wettbewerb optimal zu positionieren. Die aktive Förderung von Innovationen durch den Aufbau von Clustern hat sich hier als richtig erwiesen. Der Chemie- und Biotechnologie-Standort Sachsen-Anhalt, das Kunststoff-Cluster in Thüringen, das Mikroelektronik-Netzwerk Silicon Saxony, der Automobilstandort Chemnitz/Zwickau sowie Solarvalley sind nur einige Beispiele, die den Erfolg dieser Strategie widerspiegeln.

Ich sehe in der weiteren Konzentration auf sektorale Stärken enorme Potenziale. Jedoch dürfen wir dabei die Förderung von Existenzgründungen nicht außer Acht lassen. Oftmals entstehen gerade im mittelständischen Sektor vielversprechende Innovationen, welche ohne aktive Unterstützung meist nicht realisierbar wären. Im Fokus unserer Aktivitäten sollte außerdem die weitere Ansiedlung von ausländischen Unternehmen stehen, da Mitteldeutschland mehr Internationalität benötigt. Denn global handeln heißt auch, global voneinander zu lernen.

Wie läuft die Entwicklung für Ihr Unternehmen in der Region, was sind Ihre nächsten Ziele?
Die positive Entwicklung in Branchen wie Energie, Logistik, erneuerbare Energien, Werkzeugmaschinenbau/Automobilzulieferer und vor allem unsere Wertschätzung gegenüber den mittelständischen Unternehmern sind nur zwei Gründe, warum wir in Mitteldeutschland seit 1990 mit über 300 hier ansässigen, hochqualifizierten Mitarbeitern an vier Standorten und als einzige unter den Big Four in den drei Landeshauptstädten vertreten sind. Mit unserer Präsenz erbringen wir ortsnah mit regionalem Bezug qualifizierte Beratungs- und Prüfungsleistungen für den Mittelstand, die öffentliche Hand, national und global tätige Konzerne.

Die Themen hierbei sind vielfältig: Wachstumsstrategien, Interne Revision, Prozessoptimierung, Übernahmeprojekte, Nachfolgeregelungen, aktuelle Branchenentwicklungen. Im Übrigen organisiert unser Haus auch in diesem Herbst deutschlandweit das PwC-Mittelstandsforum, bei dem wir die mitteldeutschen Unternehmer fragen: "Steuern Sie richtig?" (unter anderem am 23. September 2008 in Leipzig, Hotel Westin).

Welche Chancen sehen Sie in den Aktivitäten der Wirtschaftsinitiative für die Region?
Um die wirtschaftliche Entwicklung in Mitteldeutschland weiter voranzutreiben, braucht unsere Region eine starke Plattform, die die Potenziale aus öffentlicher Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft länderübergreifend bündelt. Genau diese Ziele verfolgt die Wirtschaftsinitiative und deshalb ist sie auch so wichtig für Mitteldeutschland. Zudem gibt sie der Region einen Namen und wertet somit unseren Standort auf.

Bitte vervollständigen Sie: Wenn ich König von Deutschland wäre,…
… dann wären Leute wie Paul Kirchhof, Johanna Hey und Helmut Schmidt meine Ratgeber.

Was kann man im Sommer am besten in Mitteldeutschland unternehmen?
Ein Glas Wein auf einem der vielen Weingüter in den drei Ländern genießen und eine der zahlreichen Burgen besichtigen. Auch ein Besuch im Laden der "Buchkinder" in der Karl-Liebknecht-Str. 36 in Leipzig ist in jedem Fall lohnenswert.

Herr Berger, vielen Dank für das Gespräch.

Jens Berger verantwortet als Partner den Geschäftsbereich Steuern von PricewaterhouseCoopers AG in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Er hat als Steuerberater/Wirtschaftsprüfer mehr als 15 Jahre Erfahrung in der steuerlichen Beratung von in- und ausländischen Gesellschaften aller Rechtsformen. Er verfügt darüber hinaus über weitreichende Erfahrungen in den Bereichen Unternehmensübernahmen und Unternehmensnachfolge.

Weitere Informationen:
Sommerinterview mit: Andreas Otter, Deloitte
Sommerinterview mit: Dr. Thomas Hofmann, IHK zu Leipzig
Sommerinterview mit: Prof. Dr. Klaus-Ewald Holst, VNG
Sommerinterview mit: Dr. Hans-Joachim Raubach, Bayer Bitterfeld
PricewaterhouseCoopers


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Dr. Joachim Geisler, MIBRAG
„Als wichtiger Motor der regionalen Wirtschaft unterstützt MIBRAG die Wirtschaftsinitiative von Beginn an.”