Standort

Mitteldeutschland setzt auf Energiemix

21. November 2008


Beim ersten Mitteldeutschen Energietag haben vergangenen Dienstag knapp 150 Entscheider aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft über die Zukunft der „Energieregion“ beraten. MIBRAG-Geschäftsführer Joachim Geisler hofft auf vernetzte Gesamtkonzepte.

Zu der Veranstaltung hatte das Regionalforum Mitteldeutschland eingeladen. Laut Hauptredner Reiner Haseloff, Wirtschaftsminister Sachsen-Anhalts, habe die Region eine Vorreiterrolle bei erneuerbaren Energien und eine lange Tradition bei fossilen Energieträgern. Insgesamt plädierte Haseloff für „einen gesunden Mix aller Energieträger von Kohle bis Solar“. Nur so könnten realistische Preise für den Endabnehmer gewährleistet werden. Für die Wirtschaft bedeute dies, ihre Netzwerke zu erweitern und zu kooperieren. Christoph Mühlhaus, Generalbevollmächtigter der Dow Olefinverbund GmbH in Schkopau und Clustersprecher Chemie/Kunststoffe, betont daher die Bedeutung der chemischen Industrie für die Maßnahmen des Klimaschutzes und forderte Planungssicherheit für die energieintensive Industrie mit der geplanten EU-Emissionshandelsrichtlinie.

Diese Ansicht bestärkte MIBRAG-Geschäftsführer Joachim Geisler. „Mit vereinten Kompetenzen müssen wir langfristige Visionen und Ideen für die Energieversorgung der Zukunft entwickeln. Für die anstehenden Herausforderungen benötigen wir neue, intelligente und vernetzte Gesamtkonzepte“, sagte Geisler. Ohne die heimische Braunkohle sei eine bezahlbare Stromversorgung nicht erreichbar. Für die kommenden 40 Jahre bestehe für die Förderung von Braunkohle in Mitteldeutschland weitgehend Planungssicherheit. In der Region seien 2007 insgesamt 18,6 Millionen Tonnen Rohkohle gefördert worden. Für die Zukunftsfähigkeit der Braunkohlenergie seien neue Lösungen wichtig, um die Umweltbelastung durch  CO2 weiter zu reduzieren. Diese würden derzeit auf EU-Ebene vorbereitet.

Mühlhaus äußerte sich auf der Konferenz kritisch zu den bisherigen Vorschlägen der Kommission für die europäische Emissionshandelsrichtlinie. Nach ihm fördere diese die Herstellung von Produkten für Maßnahmen des Klimaschutzes im Mittleren Osten. Das Verbleiben der Herstellung in Mitteldeutschland sei jedoch eine Möglichkeit, sich innovativ bei der Entwicklung der jetzt erforderlichen neuen technischen und technologischen Lösungen mit einzubringen. „ Photovoltaik, Wasserstofftechnik und Windenergieanlagen sind ohne die Produkte der chemischen Industrie nicht denkbar und Schlüsselfaktoren für die wirtschaftliche Entwicklung Mitteldeutschlands“, betonte Mühlhaus.

Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, betonte die wirtschaftlich positiven Effekte von Wind- und Solarenergie. Diese überwögen die häufig kritisierten hohen Energiegewinnungskosten. „Gerade in Ostdeutschland sind tausende Jobs im Bereich der Umwelttechnologien entstanden“, sagte der Staatssekretär. Diese Ansicht unterstrich der Sprecher des Clusters „Solarvalley“, Hubert Aulich. Mitteldeutschland sei bereits heute deutschlandweit das wirtschaftliche Zentrum der Solarwirtschaft. So würden 16 Prozent aller weltweit produzierten Solarzellen und 80 Prozent der deutschen Solarzellen in Mitteldeutschland hergestellt. 65 Prozent aller Photovoltaik-Unternehmen hätten hier ihren Sitz, ergänzte Aulich.

Foto: Hubert Aulich, PV Crystalox Solar PLC

Der Veranstalter, das Regionalforum Mitteldeutschland, hat es sich zur Aufgabe gemacht, wichtige Themen der länderübergreifenden Industrieregion zu thematisieren und durch Kooperation zu fördern. Der Zusammenschluss der drei Regionalforen Halle, Anhalt - Bitterfeld - Wittenberg und Leipzig - Westsachsen wird derzeit koordiniert von Thomas Leimbach. Das Forum ist eines der Gremien, aus dem Ende der 1990er Jahre die Wirtschaftsinitiative, damals Regionenmarketing, entstanden ist.

Weitere Informationen:
Mitteldeutscher Energietag
Solarvalley Mitteldeutschland
Nachricht: „Energiemarkt ist Wirtschaftsmotor mit Zukunft“
Nachricht: Spitzencluster kommen nach Mitteldeutschland
Nachricht: Solarvalley erweitert „Energieregion“


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Lars Schulte, BOSCH
„Wir engagieren uns hier, weil wir einer starken Region ein starkes Profil geben wollen.”