Innovation

„There's more innovation in clusterized economies“

28. November 2008


Der fünfte IQ Innovationspreis wurde am vergangenen Montag feierlich in Leipzig eröffnet. Der internationale Clusterexperte Emiliano Duch betonte dort die hohe Relevanz von guter Vernetzung und ermunterte die Unternehmer zu mehr Mut für visionäre Innovationen.

Der Experte Duch berichtete, wie Innovationen in anderen Clusterregionen erfolgreich entwickelt werden. "There is more innovation in clusterized economies", bestätigte Duch den positiven Effekt von Wirtschaftsclustern auf die Innovationslandschaft einer Region. Die Stockholm School of Economics habe mit Studien belegt, dass Wirtschaftsregionen mit clustergebundenen Unternehmen einen höheren Innovationsgrad aufweisen als andere Standorte. Dafür reiche allein die Existenz des Clusters allerdings nicht aus. Viel mehr käme es darauf an, wie visionär die Unternehmen innerhalb der Kooperation agierten, erläuterte der Präsident der international tätigen Clusterberatung „Competitiveness Group“. Fotos ansehen

Anhand einiger Beispiele aus Europa und den USA zeigte Duch, wie weit solche visionären Kooperationen gehen und welche neuen Märkte dabei erschlossen werden können.

So habe ein Kälte- und Klimatechnik-Cluster gemeinsam mit der schwedischen Regierung eine neue Dienstleistung entwickelt. Bei dem Service handele es sich darum, das Gebäudeklima eines Kunden kontinuierlich per Fernwartung zu erfassen und gleichzeitig die Energieeffizienz sowie die Luftqualität automatisch zu optimieren. Dieses gemeinschaftliche Unternehmen werde nun privatisiert und biete seine Lösungen weltweit an. Zu den Kunden gehörten bereits große namhafte Konzerne, sagte Duch.

Foto: Gastredner Emiliano Duch, Competitiveness

Als weiteres Beispiel nannte der Berater die erfolgreiche Veränderung der Vertriebswege und des Marketings im Lebensmittelbereich. So habe ein amerikanischer Brotproduzent umgedacht und anstatt Supermärkte mit einem Standardbrot zu beliefern auf den Vertrieb über kleine Läden mit einem breiten, gesunden Angebot gesetzt. Diese Verfahrensinnovation habe den Gewinnvorsprung zu ehemaligen Konkurrenten signifikant erhöht.

„Ein innovatives Europa benötigt eine Kombination aus gebündelten Ressourcen, neuen Strukturen an den Finanzmärkten, neu erschließbaren Märkten und Mobilität von Menschen, Geld und Organisationen“, sagte Duch. Zusammen ergäben diese Faktoren einen Paradigmenwechsel, der über das enge Korsett der bisherigen Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung hinaus gehe. Ab dann käme es auf die Unternehmer an, neue, ungewöhnliche Wege zu gehen und andere dabei "wegweisend" mitzunehmen.

"Be more visionary, be the green sheep, encourage others to join in", fasste Moderatorin Hanka Fischer den Vortrag des Clusterexperten für die Gäste zusammen.

Duch ist Mitbegründer der weltweit aktiven Clusterorganisation „The Competitiveness Institute“ (TCI) und der geistige Vater aktueller Strategien für Standortentwicklung. Nach seiner Auffassung muss Innovation als Prozess verstanden werden, der nicht mehr allein innerhalb eines Unternehmens, sondern auch durch Allianzen von Wirtschaft und Wissenschaft erfolgt. Duch ermunterte die Unternehmer Mut zu visionären Innovationen zu haben, gerade wenn diese den vorherrschenden Strömungen entgegen ständen. Der gebürtige Spanier war eigens für den IQ-Auftakt nach Leipzig gekommen.

In einem zweiten Vortrag stellte zudem der IQ-Hauptpreisträger aus dem Vorjahr zum Wettbewerbsauftakt die Weiterentwicklung seiner im Juni 2008 prämierten Innovation vor. Das Biotechnologie-Unternehmen SIRS-Lab GmbH aus Jena präsentierte die molekulare Sepsis-Diagnostik „VYOO“ und deren Nachfolgeinnovation. Damit können die Überlebenschancen von Patienten mit Sepsis, einer Art Blutvergiftung, erheblich erhöht werden. SIRS-Lab-Geschäftsführer Stephan Rußwurm lobte: "Der Erfolg beim IQ hat den Bekanntheitsgrad unseres Unternehmens enorm gesteigert und war ein Schub für die Motivation unserer Mitarbeiter."

Foto: Dr. Stephan Rußwurm, SIRS-Lab GmbH

Mit dem IQ Innovationspreis will die Wirtschaftsinitiative Innovation und Wettbewerbsfähigkeit am Standort Mitteldeutschland fördern. Gerade hier seien die Bedingungen für forschende Organisationen hervorragend, sagte Wirtschaftsinitiative-Geschäftsführer Klaus Wurpts. Die Region verfüge über vorbildlich vernetzte Cluster und modernste Forschungsinstitute.

Seit fünf Jahren lobt die Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland den IQ Innovationspreis aus. Auch in diesem Jahr werden wieder die besten Innovationen mit Preisen im Wert von 60.000 Euro prämiert. Viel wichtiger als das Preisgeld ist dem Veranstalter allerdings, dass die Gewinner Zugang zu einem starken Netzwerk erhalten.

Studenten, Wissenschaftler, Gründer und Unternehmer sind gleichermaßen angesprochen, sich am „IQ“ zu beteiligen. Dabei ist es ganz gleich, ob die Innovation schon marktreif oder erst skizziert vorliegt. „Nach Angaben des BMBF verfügen in Deutschland etwa 65 Prozent aller KMU über ein hohes Innovationspotenzial, das aber noch nicht ausreichend ausgeschöpft wird“, sagte Wurpts. Da könne ein Preisgeld helfen, aber noch hilfreicher sei es, den IQ-Gewinnern ein wegweisendes Netzwerk zu bieten. Daher erhalten alle IQ-Gewinner zusätzlich eine einjährige Mitgliedschaft in der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland.

Die Bewerbung für den IQ Innovationspreis ist bis zum 15. März 2009 hier möglich. Insgesamt werden sieben Preise im Wert von insgesamt 60.000 € ausgeschrieben. Die Städte Leipzig, Halle, Jena, Dessau-Roßlau, Gera und die Region Ostthüringen loben unter der Dachmarke „IQ“ gesondert dotierte Innovationswettbewerbe aus. Die Preisverleihung findet am 10. Juni 2009 in Sachsen-Anhalt statt. 

Über den Veranstalter:
In der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland engagieren sich strukturbestimmende Unternehmen sowie Kammern und Städte aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit dem gemeinsamen Ziel einer nachhaltigen Entwicklung und Vermarktung der Wirtschaftsregion Mitteldeutschland.

Preisstifter:
Den IQ-Gesamtpreis stiften gemeinsam die Industrie- und Handelskammern Halle-Dessau, Leipzig und Ostthüringen zu Gera. Die sechs Clusterpreise werden gesponsert durch die Unternehmen Dow Olefinverbund GmbH (Chemie/Kunststoffe), GISA GmbH (Informationstechnologie), KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Biotechnologie – Life Sciences), MARSH GmbH (Automotive), Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (Energie/Umwelt) und der ÖHMI Analytik GmbH (Ernährungswirtschaft). Die fachliche Begleitung des Wettbewerbs übernehmen Vertreter der Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PricewaterhouseCoopers.

Weitere Informationen:
IQ Innovationspreis Mitteldeutschland
The Competitiveness Institute
The Competitiveness Group
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Dr. Percy Dahm, perdata
„Wir engagieren uns in der Metropolregion Mitteldeutschland, weil wir damit auch in Zukunft diesen hervorragenden Wirtschaftsstandort mitgestalten werden.”