Innovation

Analytik Jena gewinnt IQ Innovationspreis

12. June 2009


Vor über 300 Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien wurden am Mittwoch, den 10. Juni, in der Moritzburg in Halle (Saale) die 12 Preisträger des IQ 2009 bekannt gegeben.

Der Gesamtsieg mit 15.000 Euro Preisgeld sowie eine einjährige Mitgliedschaft in der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland gingen an die Analytik Jena AG für die Entwicklung eines Schnelltestsystems zur Identifikation von Krankheitserregern in Zecken. Die Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland zeichnete insgesamt zehn Unternehmen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit dem begehrten IQ Innovationspreis aus und vergab dabei Preisgelder im Gesamtwert von 60.000 Euro.
 
Die Hauptpreissponsoren des IQ Innovationspreis Mitteldeutschland sind die Industrie- und Handelskammern (IHK) Halle-Dessau, Leipzig und Ostthüringen zu Gera. „Die Industrie- und Handelskammern sehen im IQ Innovationspreis ein wichtiges Aushängeschild für die Innovationskraft des mitteldeutschen Wirtschaftsraums. Die Analytik Jena AG lebt Innovation und Marktnähe. Deshalb ist sie in vielen Bereichen der Analysemesstechnik Marktführer. Mit dem ausgezeichneten ´Schnelltestsystem zur Identifikation human pathogener Erreger in Zecken´ beweist das Unternehmen sowohl Innovationskraft als auch gutes Marktgespür“, erklärten die Geschäftsführer der Kammern zum fünften IQ Innovationspreis Mitteldeutschland.
 
Die Jury entschied sich beim IQ-Gesamtsieger eindeutig für die Innovation aus dem Hause der Analytik Jena AG. Mit dem neuen Verfahren der Thüringer wird künftig eine schnelle, exakte Analyse einer Zecke auf gefährliche Krankheitserreger möglich, das Ergebnis liegt bereits nach eineinhalb Stunden vor. Ein weiterer entscheidender Vorteil: Durch die Kombination mehrerer technologischer Neuerungen lässt sich der Test mit minimiertem Geräteaufwand auch in kleinen Laboren und Arztpraxen durchführen. „Die Innovation der Analytik Jena AG vereinfacht eine komplizierte Untersuchung und wird zukünftig dafür sorgen, dass viele Menschen rechtzeitig eine optimale Behandlung erfahren“, sagt Klaus Wurpts, Geschäftsführer der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland.
 
Neben dem mit 15.000 Euro dotierten Hauptgewinn wurden in sechs Clustern weitere Preise von je 7.500 Euro in bar sowie eine einjährige Mitgliedschaft in der Wirtschaftsinitiative verliehen. Folgende Unternehmen erhielten diese Auszeichnung:
 
Cluster Energie/Umwelt
MAZeT GmbH, Jena
Innovation: Geregelte LED-Farblichtsteuerung

Kaum ist die europaweite Ablösung der Glühbirne durch Energiesparlampen beschlossen, da steht deren Nachfolgetechnologie bereits in den Startlöchern. LEDs sind noch sparsamer, langlebiger und flexibler einsetzbar. So lässt sich mit Hilfe von LED-Lichtquellen in den Farben Rot, Grün und Blau Licht in jedem beliebigen Farbton innerhalb des RGB-Farbraums erzeugen. Durch Toleranzen bei der Herstellung, Temperaturschwankungen beim Betrieb und Alterungseffekte über die Lebensdauer der LEDs verändert sich die Farbe des durch Mischung von Rot, Grün und Blau erzeugten LED-Lichts. Bislang gelang es nicht, diese „Umwelt- und Alterungseffekte“ durch Sensoren vollständig zu unterbinden. Mit dem von der MAZeT GmbH aus Jena entwickelten True-Color-Sensor lässt sich nun das Farblicht einer beliebig großen Anzahl von RGB-LEDs in bislang nicht erreichter Genauigkeit regeln. Möglich wird dies durch die Normspektralwertfunktion des Sensors, mit der das Farbsehen des menschlichen Auges exakt nachgebildet wird. Im Ergebnis findet die Nachregelung mit einer Genauigkeit statt, die Farbveränderungen unsichtbar werden lässt. Gleichzeitig unterliegt der Sensor nicht den Einflüssen durch Temperatur oder Alterung. Deshalb soll er überall zum Einsatz kommen, wo es auf die Genauigkeit und Stabilität des Farblichts ankommt. Bei der Kalibrierung des Kabinenlichts in Flugzeugen, in der Hintergrundbeleuchtung von LCD-Displays oder beim Farbmanagement in Digitalkameras. Mit dem Sensor lässt sich auch effizientes und gesundes Licht herstellen. Dazu misst er die spektrale Zusammensetzung des natürlichen Lichts und setzt mit Hilfe der LEDs nur die fehlenden spektralen Anteile zu, die für die gewünschte Lichtstimmung erforderlich sind.
 
Cluster Chemie/Kunststoffe
Qpoint Composite GmbH, Dresden
Innovation: Kohlefaserheizstrukturen für Faserverbunde

Je weniger Masse ein Gegenstand besitzt, umso weniger Energie ist nötig, ihn in Bewegung zu setzen. Deshalb gewinnen Leichtbaukonzepte in der Luftfahrt, im Fahrzeug- und Maschinenbau an Bedeutung. Vor allem Faserverbundstoffe könnten den Energiebedarf für unsere Mobilität reduzieren. Dem stehen aber technologische Probleme gegenüber. Denn die Fertigung erfordert eine Erwärmung der formgebenden Werkzeuge und so zeit- und energieintensive Arbeitsschritte für jedes einzelne Bauteil. Um diese Probleme zu lösen, machte die Dresdner QPOINT Composite GmbH mit ihren neuartigen Kohlenstofffaser-Heizstrukturen den Zweck zum Mittel. Dieses textile Heizgewebe wird während der Fertigung in die Faserbundstoffe integriert und erzeugt anschließend durch das Anlegen einer Spannung Wärme. Damit können zum einen Formwerkzeuge aus Faserbundstoff zur Herstellung von Faserverbundstoffen entwickelt werden. Die aktiv beheizbaren Formen sind leichter als bisherige Metallformen und der Energieverbrauch gegenüber der Erwärmung in Industrieöfen sinkt drastisch. Durch die Anordnung der Heizstruktur ist die Flächenheizleistung individuell einstellbar. Die textile Form ermöglicht außerdem
die Herstellung beliebiger geometrischer Formen. Darüber hinaus werden Wärmespannungen vermieden, da Form und Formteil aus dem gleichen Material bestehen. Durch die direkte Erwärmung des dicht unter der Oberfläche liegenden Heizgewebes ergeben sich kurze Aufheiz- und Abkühlzeiten. Zum anderen erlaubt die Integration der Heizstrukturen in Faserverbundstoffe auch ganz neue Funktionen, etwa in Form beheizbarer Flugzeugflügel als Schutz vor Vereisung. Damit wird weniger tatsächlich mehr.
 
Cluster Biotechnologie – Life Sciences
BioPlanta GmbH, Leipzig
Innovation: Industrielle Produktion von Phytowirkstoffen in Biofabriken

Naturprodukte liegen bei der Herstellung von Arzneien und Kosmetika
im Trend. Entsprechend wächst weltweit die Nachfrage nach Pflanzen und deren Wirkstoffen. Der Anbau auf Feldern, in Gewächshäusern oder die Wildsammlung sind arbeitsintensiv und können den Bedarf perspektivisch nicht mehr decken. Die Alternative dazu ist die Produktion in Bioreaktoren in vitro (lat. im Glas). Diese sind aber bisher primär nicht auf die Produktion ganzer
Pflanzen und Pflanzenorgane ausgelegt. Der geringe Automatisierungsrad
und die wenig flexiblen Größen stehen außerdem einem Einsatz im industriellen Maßstab entgegen. Genau dafür hat die Leipziger BioPlanta GmbH ein weltweit einzigartiges und industriell einsetzbares Kultursystem mit neuartigen
Pflanzenbioreaktoren entwickelt. Die modular in Hochregallagern aufgebaute Anlage ist für die Produktion unterschiedlicher Mengen an Pflanzenbiomasse geeignet: vom Kleinanwender bis zur großen Biofabrik. Jeder Bioreaktor verfügt über eine eigene, ausschließlich durch Schwerkraft und nicht wie bisher durch Druckluft geregelte Nährmedienversorgung, die erstmalig zentral gesteuert und einzeln geregelt werden kann. Der Nährmedienfüllstand wird mittels Sensoren erfasst und dem Pflanzenwachstum angepasst. Für die richtige Beleuchtung sorgen LED-Lampen, die eine geringere Wärmeabstrahlung aufweisen, als die bisher verwendeten Leuchtmittel. So kann auf zusätzliche Kühlkreisläufe verzichtet werden. Durch integrierte Sensor- und Steuerungstechniken wird der gesamte Produktionsprozess zentral überwacht, was jederzeit eine hohe Produktqualität, etwa bei der Wirkstoffkonzentration, gewährleistet. Ein wichtiger Schritt für die industrielle Pflanzenproduktion. So bleiben die gefährlichen Erreger zukünftig auf der Strecke.
 
Cluster Ernährungswirtschaft
Viba sweets GmbH, Floh-Seligenthal
Innovation: Nougolade – bissfeste Nougat-Schokoladen-Kombination

Nougat und Schokolade gehören zu den süßen Dingen des Lebens. Mit Nougolade kann man sie zusammen genießen. Während bisher Nougat meist als Füllung in Schokolade oder Nougat mit Schokolade in abwechselnden Schichten angeboten wird, ist die von der Thüringer Viba sweets GmbH entwickelte Nougolade die Verschmelzung von hochwertiger Schokolade und edelstem Nougat in einer Masse. Das Verzehrerlebnis ändert sich. Die Nougolade hat die höhere Festigkeit und kräftigere Kakaonote der Schokolade, behält jedoch viel vom zarten Schmelz des Nougats. Bisher wurden drei Geschmackskombinationen entwickelt. Bei der Variante „Amoroso“ wird zart schmelzender Mandel-Nougat mit edler Vollmilchschokolade gemischt, bei „Grazioso“ wird klassischer Nuss-Nougat mit Vollmilchschokolade kombiniert und bei „Marcato“ verschmilzt Zartbitterschokolade mit Nuss-Nougat. Das optisch Besondere ist ein feiner Nadelstreifen inmitten der Praline, der sich auch geschmacklich in allen drei Sorten unterscheidet. Die Nougolade wird mit einer neuen Technologie gefertigt, bei der es möglich ist, in einem fließenden Prozess die verschiedenen Nougolademassen aufeinander zu gießen. So werden dunkle und helle Massen mit höchster Präzision und unterschiedlicher Dicke so aufeinander gegossen, dass ein dreischichtiger Nougoladeteppich entsteht, der abschließend in Pralinenportionen geschnitten wird. Die Namen für die unterschiedlichen Geschmacksausprägungen sind der Musikwelt entlehnt. Es wurden Tempibezeichnungen gewählt, die eine hohe Übereinstimmung mit dem Geschmacksbild haben und die gestalterisch durch passende Musikinstrumente auf der Verpackung ihre Entsprechung finden.
 
Cluster Automotive
Namos GmbH, Dresden
Innovation: Katalysatorenherstellung mit biologischen Templates

Als die Bundesregierung 1984 beschloss, den Einbau von Katalysatoren in Neufahrzeugen ab 1989 zur Auflage zu machen, wurde noch viel über den Sinn der neuen Technik diskutiert. Heute ist die Umwandlung von Schadstoffen wie Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe und Stickoxide in Kohlendioxid, Wasser und Stickstoff mit Hilfe der im Katalysator enthaltenen Edelmetallbeschichtung längst selbstverständlich. Doch ein Großteil dieser Platinmetalle kann nicht für die Abgasreinigung genutzt werden, denn die Nanopartikel wachsen aufgrund der hohen Betriebstemperaturen zu größeren Kristallen zusammen und werden so katalytisch unwirksam. Auch die Position der Partikel auf dem Wabenkörper des Katalysators hat großen Einfluss auf deren Wirkung, ist aber derzeitig
kaum beeinflussbar. Hier setzt das innovative Biotemplating-Verfahren der Namos GmbH aus Dresden an, das dazu die moderne Molekularbiologie
nutzt. Dabei werden die Edelmetallpartikel bei der Beschichtung an komplexe Biomoleküle gebunden, die über steuerbare Eigenschaften der Selbstorganisation verfügen. Mit deren Hilfe können die Position der katalytischen Nanopartikel auf der Beschichtung sowie ihre Oberflächenstruktur gezielt beeinflusst werden. Und das ohne größere Änderung der Herstellungsprozesse. Die Vorteile sind dagegen ganz erheblich. Rund 50 Prozent der bisher notwendigen Menge an Edelmetall, rund 1,5 Gramm pro Katalysator, können dadurch eingespart werden. Das klingt erstmal nicht viel, aber bei 80 Millionen jährlich weltweit hergestellten Katalysatoren bedeutet das eine Einsparung von rund 115 Tonnen Edelmetall im Wert von rund drei Milliarden Euro. Kleine Ursache, große Wirkung. 
 
Cluster Informationstechnologie
DieMount GmbH, Wernigerode
Innovation: Optospider simplex

Die Nutzung multimedialer Angebote ist heute für die meisten Menschen selbstverständlich. Doch viele ältere Wohnhäuser und Bürogebäude sind aufgrund fehlender Kabelschächte dafür nicht gerüstet. Die nachträgliche Verlegung von Kuper- oder Glasfaserleitungen ist aufwendig und teuer, während WLAN-Netze die wachsenden Datenmengen nicht zuverlässig übertragen. Eine Alternative sind Polymer-Optische Fasern (POF). Die Kunststoff-Lichtwellenleiter übertragen Daten mit einer Geschwindigkeit von 100 Mbit/s. Dabei wandelt ein Medienkonverter das elektrische Signal des Netzwerkanschlusses in ein optisches Signal um. Bislang konnte eine Kabelader die Daten aber nur in eine Richtung übertragen. Das machte zweiadrige Kabel für die Übertragung in beide Richtungen (Duplexkabel) notwendig. Ein Problem, das die DieMount GmbH aus Wernigerode mit ihrem Medienkonverter „Optospider DMMC 650nm simplex“ gelöst hat. Er ist in der Lage, optische Signale im Duplexbetrieb auf nur einer Ader eines POF-Kabels zu übertragen und sie trotz der gleichen Wellenlänge zu trennen. Die so mögliche Verwendung von Simplex-Kabeln bietet viele Vorteile. Sie kosten im Vergleich zu Duplex-Kabeln weniger als 50 Prozent, sind nur halb so dick, in jede Richtung biegbar und müssen nicht ummantelt werden. Deshalb können sie günstiger, flexibler und unauffälliger verlegt werden. Damit werden POF-Kabel wirtschaftlich wettbewerbsfähig. Der Medienkonverter überzeugt noch durch ein weiteres Detail. Er bezieht seinen Strom über eine USB-Verbindung vom Endgerät. Ist es ausgeschaltet, verbraucht auch er keinen Strom. So steht einer bunten und kostengünstigen Multimedia-Zukunft nichts mehr im Weg.
 
Unter der Dachmarke IQ Innovationspreis Mitteldeutschland wurden in Halle, Jena, Dessau-Roßlau, Leipzig und Ostthüringen lokale IQ Wettbewerbe ausgelobt. Die Preisträger der Regionen bzw. Städte sind:
 
IQ Innovationspreis Dessau-Roßlau
Dessauer Gaszellen GmbH
Innovation: Kamin und Heizstrahler in einem Gerät vereint – Wärmefunktion in formvollendetem Design
 
IQ Innovationspreis Ostthüringen
Analytik Jena AG
Innovation: Schnelltestsystem zur Identifikation human pathogener Erreger in Zecken

IQ Innovationspreis Leipzig
LISTaR GmbH
Innovation: Kompaktes portables Halbleiterradar
 
IQ Innovationspreis Jena
MAZeT GmbH
Innovation: Geregelte LED-Farblichtsteuerung
 
IQ Innovationspreis Halle (Saale)
NH DyeAGNOSTICS
Innovation: Refraction-2D: neuartiges Verfahren für die Protein-Analyse 

Weitere Informationen:
IQ Innovationspreis Mitteldeutschland
IQ Gewinner 2009
Fotogalerie zur Preisverleihung
Nachricht: Die IQ-Finalisten stehen fest
Nachricht: Erste IQ-Phase ist abgeschlossen
Nachricht: Mitteldeutsche Branche ist innovationsstark


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Dr. Frank Büchner, Siemens
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