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Anziehungspunkt für internationale Investoren

10. Dezember 2010


Ausländische Unternehmen investieren verstärkt am Wirtschaftsstandort Mitteldeutschland. Dabei suchen sie zunehmend das technologische Know-how der Region, so Michael Pfeiffer, Geschäftsführer Germany Trade & Invest, im Interview mit der Wirtschaftsinitiative.

2010 war die Zeit der großen Rückblicke und Festakte. 20 Jahre danach wurde der Ereignisse des Jahres 1990 gedacht, welche die jüngste deutsche und europäische Geschichte entscheidend prägten: Die Währungsunion, die Gründung der neuen Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und die Konstituierung der ersten frei gewählten Landtage sowie die deutsche Wiedervereinigung. Zum Ende des Jubiläumsjahres 2010 befragen wir Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft zu Ihrem Fazit aus 20 Jahren Aufbau Ost und welche Potenziale und Herausforderungen sie im Hinblick auf die weitere Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Mitteldeutschland sehen. Nach den Interviews in den vergangenen Wochen mit Joachim Ragnitz, stellvertretender Geschäftsführer der Dresdener Niederlassung des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, und Peer Pasternack, Direktor des Instituts für Hochschulforschung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, sprechen wir nun mit Michael Pfeiffer, Geschäftsführer Germany Trade & Invest.

Als oberster Wirtschaftsförderer und Standortvermarkter Deutschlands ist es ihre Aufgabe, ausländische Unternehmen ins Land zu holen. Was können Sie Investoren über Mitteldeutschland sagen? 
Dass die Neuen Bundesländer sich 20 Jahre nach der Wiedervereinigung zu einem wirtschaftlichen und innovativen Standort für Investitionen entwickelt haben. Heute beheimatet die Region eine Vielzahl ausländischer Unternehmen verschiedenster Branchen und ist Anziehungspunkt für internationale Investoren, die von der dynamischen Entwicklung profitieren wollen.

Woran machen Sie das fest?
Die Investitionsaktivitäten ausländischer Unternehmen in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen und damit zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beigetragen. Allein zwischen 2000 und 2008 hat sich der Wert der ausländischen Direktinvestitionsbestände laut offizieller Bundesbankstatistik in diesen Ländern von 6,7 Mrd. Euro auf 12,2 Mrd. Euro fast verdoppelt. Auch die Zahl der jährlichen Investitionsprojekte spiegelt die positive Entwicklung wider. So stieg die Anzahl der neuen ausländischen Investitionsprojekte von 20 im Jahr 2003 auf 49 im Jahr 2008. Dank dieser dynamischen Entwicklung haben sich inzwischen 2.350 ausländische Unternehmen angesiedelt, die mehr als 100.000 Menschen Arbeit bieten.

Woher kommen diese Investoren?
Das mit Abstand wichtigste Herkunftsland ausländischer Investitionen in Mitteldeutschland im genannten Zeitraum waren die USA. Rund 29 Prozent der erfassten neuen Investitionsprojekte stammten von dort. Danach folgen die Schweiz mit zehn Prozent sowie Belgien und Großbritannien, die jeweils rund sechs Prozent der Investitionsprojekte in der Region auf sich vereinigen. Mit rund 2,6 Prozent der Investitionsprojekte ist Russland der wichtigste Investor aus den so genannten BRIC–Staaten, also den aufstrebenden Schwellenländern, die verstärkt auch als Auslandsinvestoren auftreten.
  
Welche Branchen ziehen dabei besonders ausländische Investitionen an?
Die Schwerpunkte der ausländischen Investitionsprojekte liegen vorwiegend in jenen wachstumsstarken und technologieintensiven Branchen, in denen sich der Standort Mitteldeutschland in den zurückliegenden Jahren eine internationale Spitzentstellung erarbeitet hat. Dazu zählen die Chemiebranche und die Biotechnologie, die Nanotechnologie, der Autoteile- und Maschinenbau, die Halbleiterindustrie sowie die Informations- und Kommunikationstechnologien. In vielen dieser forschungsintensiven Branchen haben sich international führende Industriecluster herausgebildet – geographisch konzentriert arbeiten hier Unternehmen und Forschungseinrichtungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette intensiv zusammen, um Synergien zu nutzen und innovative Produkte schneller zur Marktreife zu führen. Besonders prominent ist die weltweite Vorreiterrolle der Region im Bereich Erneuerbare Energien. Hier hat sich gerade die Solarbranche zu einem Anziehungspunkt für internationale Unternehmen entwickelt.

Was sagen die steigenden ausländischen Direktinvestitionen über den Wirtschaftsstandort Mitteldeutschland aus?
Sie sind das Ergebnis einer einzigartigen Kombination von Standortfaktoren. Die hervorragend ausgebaute Logistik-, Transport- und Kommunikationsinfrastruktur, die gute Verfügbarkeit von Fachkräften sowie eine innovationsstarke Forschungs- und Entwicklungslandschaft sorgen für international wettbewerbsfähige Investitionsbedingungen. Die geographische Lage der Region im Zentrum Europas bietet Unternehmen darüber hinaus direkten Zugang sowohl zu den dynamischen Märkten Osteuropas als auch zu den großen westeuropäischen Volkswirtschaften. 
Gerade in jüngerer Zeit ist unter internationalen Investoren eine deutlich gestiegene Wertschätzung für die technologischen Potenziale der Region zu erkennen. So ergaben aktuelle Untersuchungen zu ausländischen Investitionen in Ostdeutschland, dass die neuen Bundesländer verstärkt Investoren anziehen, die auf die Diversifikation oder technologische Weiterentwicklung ihrer Produkte abzielen, statt primär Kostenvorteile zu suchen. Für den Investitionsstandort Mitteldeutschland ergeben sich daraus in Zukunft erhebliche Potenziale für die Ansiedlung weiterer ausländischer Unternehmen, die der Region zunehmend  hochwertige und wissensintensive Arbeitsplätze bringen werden.

Experten mit der Wirtschaftsinitiative im Gespräch:
Prof. Dr. Peer Pasternack: „Die Hochschulen müssen umdenken"
Dr. Joachim Ragnitz: „Es gibt viele Gründe, optimistisch zu sein"


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Andreas Stemmler, TÜV SÜD
„Die Metropolregion Mitteldeutschland ist wichtig, weil Zukunft nur gemeinsam funktioniert.”