Cluster

Quo Vadis Mikroelektronik?

20. Mai 2011


Die Zukunft der mitteldeutschen Mikroelektronik-Branche hängt in hohem Maße davon ab, wie Unternehmen und Politik mit den sich abzeichnenden Herausforderungen für die Branche umgehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der HHL im Auftrag der Sachsen Bank.

Wird die Mikroelektronik-Branche in Mitteldeutschland langfristig wettbewerbsfähig sein können? Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, damit der Erfolg von „Silicon Saxony“ fortgeschrieben werden kann? Oder wird die Übermacht asiatischer Produzenten die Mikroelektronikbranche in Mitteldeutschland mittelfristig ganz verschwinden lassen? Mit diesen Fragen setzt sich das aktuelle „Sachsen Bank Branchenszenario Mittelstand“ auseinander. Gleichzeitig gibt die Studie des Lehrstuhls für Strategisches Management und Organisation der Handelshochschule Leipzig (HHL) Handlungsempfehlungen für die Akteure in Wirtschaft und Politik.

„Die Studie bestätigt sowohl die vielfältigen Potenziale der Mikroelektronikbranche in der Region als auch den großen Einfluss der politischen Rahmenbedingungen, wenn es darum geht, diese Chancen zu nutzen", erklärt dazu Wirtschaftsinitiative-Geschäftsführer Jörn-Heinrich Tobaben. Die Erfahrungen aus anderen mitteldeutschen Schlüsselbranchen wie der Photovoltaik und der Chemie und Kunststoffindustrie zeigten, welche positiven Effekte eine gezielte Innovationsförderung und die Unterstützung von Clusterprozessen hervorrufen können, so Jörn-Heinrich Tobaben weiter. „Die Studie gibt mit ihren Handlungsempfehlungen wichtige Impulse dafür, dass jetzt die richtigen Weichen für die erfolgreiche Entwicklung der Mikroelektronik in Mitteldeutschland gestellt werden können", so der Geschäftsführer der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland.

Die Studie entstand im Rahmen einer auf drei Jahre angelegten Zusammenarbeit zwischen der HHL und der Sachsen Bank zur wissenschaftlichen Untersuchung von Mittelstandsthemen, aus der zukünftig  Szenariostudien für weitere Schlüsselbranchen in Mitteldeutschland folgen werden. „Die Sachsen Bank sieht sich als Partner der mittelständischen Unternehmen in Mitteldeutschland. Deshalb unterstützt sie gezielt diese Art der praxisnahen Forschung. So können wir unsere eigene Expertise stärken und den Unternehmen zudem mögliche Entwicklungen aufzeigen", erläutert Prof. Harald R. Pfab, Vorstandsvorsitzender der Sachsen Bank, die Kooperation mit der HHL.

Auf Basis umfangreicher Literaturanalysen, einer Expertenbefragung und mehrerer Workshops hat das Team um Professor Dr. Torsten Wulf die vier Szenarien „Diversifizierung“, „Konversion“, „Zusammenbruch“ und „Auslaufmodell“ entwickelt. Diese zeigen, dass die Mikroelektronik in Mitteldeutschland sehr positive Entwicklungsperspektiven besitzt, sich aber auch schwierigen Herausforderungen gegenüber sieht. So beschreibt das Szenario „Diversifizierung“ die Mikroelektronik als Ausgangspunkt für eine positive Differenzierung der Unternehmenslandschaft in Mitteldeutschland in neue Technologiefelder. Gleichzeitig wächst der Sektor unternehmensnaher Dienstleistungen stark. Voraussetzung für diese positive Entwicklung ist insbesondere eine innovative staatliche Förder-, Forschungs- und Bildungspolitik. Genauso möglich ist jedoch auch das Szenario „Zusammenbruch“, das die schnelle Abwanderung der Mikroelektronik und damit den Niedergang des „Silicon Saxony“ beschreibt. Dies könnte dann eintreten, wenn Mitteldeutschland gegenüber Mikroelektronik- Clustern in Asien sowohl bezüglich der Kostenstrukturen wie auch der Forschung und Entwicklung weiter an Boden verliert.

Foto: Professor Dr. Torsten Wulf, Handelshochschule Leipzig (HHL)

„Unsere Szenarien zeigen, dass es Wirtschaft und Politik in Mitteldeutschland im Wesentlichen selbst in der Hand haben, die Zukunft der Branche positiv zu gestalten", so das Fazit von Prof. Dr. Torsten Wulf, Inhaber des Lehrstuhls für Strategisches Management und Organisation der Handelshochschule Leipzig (HHL). Aus den Szenarien ergäben sich mehrere, konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen und Politik, so Prof. Dr. Wulf weiter. „Unternehmen der Mikroelektronik-Branche empfehlen wir, sich auf die Erschließung neuer Anwendungsfelder, zum Beispiel im Bereich der Nanotechnologie, der organischen Materialien, der Sensorik oder der Medizin- und Beleuchtungstechnik zu fokussieren. Durch die Stärkung von Kompetenzen, insbesondere in Bereichen wie Anwendungsentwicklung und Marketing, können so neue Geschäfte entwickelt werden. Darüber hinaus zeigen unsere Szenarien, welchen Einfluss die Rahmenbedingungen, insbesondere die Forschungs-, Bildungs- und Investitionsförderpolitik, haben können. Hier ist die Politik in Mitteldeutschland gefordert, innovative Konzepte für Bildung und Forschung zu entwickeln, die gar nicht unbedingt teuer sein müssen.“

Weitere Informationen:
Studie "Sachsen Bank Branchenszenarien Mitteldeutschland: Zukunftsszenarien für die Mikroelektronik in Mitteldeutschland"
Pressemitteilung "Branchenstudie von Sachsen Bank und HHL - Die Zukunft der mitteldeutschen Mikroelektronik: Positive Diversifizierung oder kompensationsloser Niedergang?"
Cluster Mikroelektronik (Silicon Saxony)
Cluster Informationstechnologie


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Dr. Chr. Schleicher, Bayer Bitterfeld
„Mitteldeutschland finde ich klasse durch den interessanten Mix von Wirtschaft, Wissenschaft und Kulturgeschichte.”