Innovation

Proteine gegen Krebs

26. August 2011


IQ-Preisträger 2011 im Portrait: Für ihre Affilin®-Technologie zur Diagnostik und Therapie von Krebs erhielt die Scil Proteins GmbH den Gesamt- und den Clusterpreis Biotechnologie – Life Sciences. Der Erfolg ist auch das Ergebnis öffentlicher Förderung und der Standortwahl.

Für Frau Dr. Ulrike Fiedler und ihr Team brachten die vergangenen Wochen eine ganz neue Erfahrung. „Dass wir mit unserer Arbeit so präsent in den Medien und in der Öffentlichkeit sind, war in den vergangenen zwölf Jahren eher die Ausnahme“, verrät die Geschäftsführerin der Scil Proteins GmbH aus Halle/Saale. Dazu seien in der Grundlagenforschung die Themen oft einfach zu komplex und die Zeithorizonte zu lang.
Doch seit das Unternehmen am 21. Juni sowohl den Gesamtpreis, als auch den Clusterpreis Biotechnologie – Life Sciences beim diesjährigen IQ Innovationspreis Mitteldeutschland gewann, interessieren sich plötzlich viele Menschen für die Arbeit der Wissenschaftler. „Seit der Preisverleihung sind potenzielle Investoren und Partner aus verschiedenen Netzwerken an uns herangetreten. Und auch die Rekrutierung neuer Mitarbeiter ist aufgrund der größeren Bekanntheit jetzt ein Stück einfacher geworden“, berichtet Frau Dr. Fiedler.

Ein Grund dafür dürfte die Tatsache sein, dass die Innovation der Scil Proteins GmbH neue Chancen für die gezielte Diagnostik und die wirksame Therapie einer Krankheit eröffnet, die deutschlandweit die zweithäufigste Todesursache darstellt: Krebs. Jährlich erkranken rund 450.000 Menschen daran, etwa 220.000 davon sterben. Trotz aller Fortschritte ist die Wirksamkeit bisheriger Therapien begrenzt. Einen völlig neuen Ansatz verfolgen Forscher der Scil Proteins GmbH mit der patentierten Affilin®-Technologie, bei der in Bakterienzellen durch biopharmazeutische Verfahren gezielt Proteine hergestellt werden. Bestimmte Bereiche dieser Proteine sind so verändert, dass sie spezifische Bindungen mit Molekülen an der Oberfläche von Krebszellen, den Tumormarkern, eingehen. Damit können Tumorzellen viel genauer als bisher lokalisiert werden. Darüber hinaus sind die Affilin®-Moleküle in der Lage, "Huckepack" andere Moleküle zu transportieren. Diese Effektormoleküle enthalten Wirkstoffe, welche die Krebszellen gezielt abtöten. Sie können durch ihre geringe Größe tief in den Tumor eindringen. Gesunde Zellen in der Umgebung werden davon nicht betroffen. Das erhöht die Wirksamkeit und verringert die Nebenwirkungen. Die erfolgversprechenden Affilin®-Moleküle wurden bereits erfolgreich in Tierversuchen getestet, die klinische Erprobung ist bereits in Vorbereitung. „Wenn alles erfolgreich läuft, könnten in acht bis zehn Jahren die ersten Medikamente auf Basis unserer Affilin®-Moleküle auf dem Markt sein“, erklärt Dr. Ulrike Fiedler.

Erfolgreich ist Ihr Unternehmen bereits heute auch in anderen Bereichen. Neben der Erforschung neuartiger Medikamente auf Basis der eigenen Affilin®-Technologie entwickelt und produziert die Scil Proteins auch biopharmazeutische Wirkstoffe im Auftrag anderer Biotechnologie- und Pharmaunternehmen. „So stellen wir im Routinebetrieb seit Mitte 2010 für den Pharma-Konzern Rosch ein weltweit vertriebenes Medikament gegen Herzinfarkt her“, so Dr. Ulrike Fiedler. Und auch die Entwicklung des eigenen Wachstums kann sich sehen lassen. Im Jahr 1999 von Prof. Rainer Rudolph und Dr. Ulrike Fiedler sowie einem privaten Geldgeber gegründet, startete das Biotechnologieunternehmen mit fünf Mitarbeitern der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Heute beschäftigt die Firma mit Sitz am Technologie- und Gründerzentrum weinberg campus 117 Mitarbeiter. Die damalige Entscheidung für den Standort war dabei kein Zufall. „Sie fiel aufgrund der einzigartigen Expertise in der Proteinforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der hervorragenden Infrastruktur am weinberg campus. Hier fanden wir nicht nur bezugsfertige Labore, sondern auch ein innovationsförderndes Umfeld an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft vor“, erinnert sich die Geschäftsführerin der Scil Proteins GmbH.

Foto (v.l.): Dr. Christian Schleicher, Bayer Bitterfeld GmbH, Dr. Rüdiger Fritsch, Dr. Eva Bosse-Doenecke, Dr. Jörg Nerkamp, Dr. Ulrike Fiedler (alle Scil Proteins GmbH) und Thimo V. Schmitt-Lord, Bayer Foundations

Einen wichtigen Anteil am heutigen Erfolg des Unternehmens hat auch das Land Sachsen-Anhalt mit seiner Investitionsbank, die seit Jahren die Forschungsprojekte der Scil Proteins GmbH mit Fördermitteln unterstützt. So wird auch die Entwicklung der Affilin®-Technologie durch die Investitionsbank mit 700.000 Euro gefördert. Weitere 24 Millionen Euro Kapital für die Wirkstoffforschung stellte im Februar dieses Jahres der Gesellschafter BioNet Holding GmbH zur Verfügung. „Der Gewinn des IQ-Innovationspreises ist deshalb auch eine wichtige Anerkennung für unsere Förderer und Geldgeber, der ihnen bestätigt, dass sie mit uns auf einem guten Weg sind“, freut sich Dr. Ulrike Fiedler.

Weitere Informationen:
IQ Innovationspreis Mitteldeutschland
IQ-Finalistenportrait
Scil Proteins GmbH

IQ-Gewinner-Portrait:
Q-Cells "Ein Q.ANTUM Sonne"
FiberCheck "Neuer Schwung aus Chemnitz"
Styron "Kautschuk für 'grüne' Reifen"
TU Dresden "Schokolade aus einem Guss"
IFA Rotorion Gruppe "Neue Ideen für das Auto"
IronShark "Ansporn für neue Ideen"
Scil Proteins "IQ Innovationspreis 2011 für neue Krebs-Therapie"

Downloads:
IQ-Gewinner 2011
IQ-Publikation zu den Finalisten 2011
IQ- Fotogalerie 2011


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Dr.-Ing. Arne Kolbmüller, ICL
„Metropolregion Mitteldeutschland, eine Marke, eine Chance, deren latentes Potential die Wirtschaftsinitiative in Verbindung von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik entwickelt und befördert.”