Neue Energien statt alter Denkmuster
Der Ausbau Erneuerbarer Energien ist eine mitteldeutsche Erfolgsgeschichte. Doch er bringt eine Reihe wirtschaftlicher, technologischer und gesellschaftlicher Herausforderungen mit sich. Mit möglichen Lösungen beschäftigten sich diese Woche zwei Veranstaltungen in Leipzig.
Zu den größten Aufgaben bei der Etablierung einer weitgehend auf regenerativen Quellen basierenden Energieversorgung gehört der notwendige Aus- und Umbau der Stromnetze. So ist im Netzgebiet der envia Mitteldeutsche Energie AG die installierte Leistung der erneuerbaren Energien mit 4.700 MW bereits heute deutlich höher als die Maximallast in Höhe von rund 3.800 MW. „Bis 2025 rechnen wir mit einer weiteren Verdreifachung der installierten Leistung der erneuerbaren Energien, ohne dass es zu signifikanten Veränderungen des Verbrauchs vor Ort kommt“, so Carl-Ernst Giesting, Vorstandsvorsitzender enviaM. Der dazu erforderliche Netzausbau verlangt große Anstrengungen. In den kommenden zehn Jahren will das Unternehmen rund 1,5 Mrd. EUR in die Erweiterung oder den Neubau der Netze investieren. Neben den finanziellen Herausforderungen wird dabei auch die gesellschaftliche Akzeptanz eine entscheidende Rolle für den Erfolg der Vorhaben spielen. Diesem Aspekt des Themas widmete sich deshalb der 5. enviaM-Energiekonvent, der unter dem Motto "Netzausbau – bundesweit notwendig – lokal verhindert?!" am Dienstag im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ in Leipzig stattfand. Rund 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft und den Medien waren dazu der Einladung von enviaM gefolgt.
Zu Beginn der Veranstaltung referierte Prof. Dr. Gallas, Honorarprofessor an der Hochschule Lausitz (FH) und ehemaliger Geschäftsführer der envia Verteilnetz GmbH in seinem Fachvortrag zum Thema "Die Notwendigkeit des Netzausbaus und seine Folgen für das enviaM-Netzgebiet". Dr. Heiner Geißler, Bundesminister a.D., berichtete in einem Impulsvortrag von seinen Erfahrungen als Schlichter von Stuttgart 21 und übertrug diese auf die Herausforderungen beim Netzausbaus. Anschließend diskutierten Carl-Ernst Giesting, Prof. Dr.-Ing. Harald Schwarz, Professor für Energieverteilung und Hochspannungstechnik an der BTU-Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, der Soziologe und Protestforscher Prof. em. Dr. rer. pol. Dieter Rucht, Petra Enders, Mitglied des Thüringer Landtages, Fraktion DIE LINKE und Bürgermeisterin der Stadt Großbreitenbach sowie Dr. Heiner Geißler die verschiedenen Facetten des Netzausbaus.
Im Mittelpunkt standen dabei eine notwendige, frühzeitige Bürgerbeteiligung, die Erwartungen an die Politik sowie die Bedeutung und Entwicklung der erneuerbaren Energien, die einen massiven Netzausbau erst notwendig machen. Dr. Heiner Geißler hob hervor, dass neben einer frühzeitigen Einbeziehung der Bürger insbesondere Offenheit und Transparenz wichtige Erfolgsfaktoren einer Bürgerbeteiligung sind. Prof. Harald Schwarz wies auf die hohen technischen Herausforderungen sowie die immensen Kosten des Netzausbaus hin, die bisher in der politischen Diskussion nicht angesprochen werden.
Einig waren sich die Podiumsteilnehmer darin, dass mit der im Jahr 2011 eingeleiteten Energiewende der Netzausbau unumgänglich ist und nur durch ein Zusammenwirken aller Beteiligten gelingen kann. enviaM stellt sich dem und beschreitet auch beim Thema Bürgerbeteiligung neue Wege. So sollen die Bürger bei entsprechenden Planungen künftig frühzeitiger und transparenter einbezogen werden. Denn, so Carl-Ernst Giesting: „Es geht um unsere Zukunft. Wir bauen eine neue Energieversorgung für Deutschland. Weg mit alten Denkmustern. Niemand von uns ist Teil des Problems. Wir sind alle Teil der Lösung!“.
Eine wachsende Bedeutung erfahren in Kombination mit Erneuerbaren Energien auch innovative Technologien zur Energiespeicherung, da sie zur Lösung von Problemen der fehlenden Grundlastfähigkeit und von Überkapazitäten beitragen könnten. Deshalb widmete sich auf dem 4. Sächsischen Brennstoffzellentag, der am Donnerstag in Leipzig stattfand, erstmals eine eigene Vortragsreihe dem Thema Energiespeicher in Form von Hybridsystemen für mobile und stationäre Applikationen. Die von der Brennstoffzellen Initiative Sachsen e.V. veranstaltete Tagung präsentiert jährlich aktuelle Entwicklungen aus Industrie und Forschung rund um das Thema Brennstoffzellen.
Die Veranstaltung dient Ingenieuren, Wissenschaftlern, Designern und Führungskräften als Plattform für einen intensiven Informationsaustausch zu den Anforderungen des Energiemarkts, den Forschungsinteressen, den Ergebnissen aktueller Projekte und den Leistungsangeboten von Unternehmen der Branche. Damit leistet die Tagung einen entscheidenden Beitrag zur gesamtdeutschen Vernetzung der Brennstoffzellen-Systementwicklung sowie der Energiespeichertechnik.
Weitere Informationen:
envia Mitteldeutsche Energie AG
Fachvortrag v. Prof. Dr. Gallas „Die Notwendigkeit des Netzausbaus und seine Folgen für das enviaM-Netzgebiet“ (PDF)
Nachricht: „Dafür ist unser Netz noch nicht ausgelegt“
Brennstoffzellen Initiative Sachsen e. V.

