Herausforderung Aufbau Ost
Ein Positionspapier mit sechs „Handlungsfeldern“ für die weitere wirtschaftliche Entwicklung hat die Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland am Dienstagabend in Berlin vor rund 100 hochrangigen Gästen dem Beauftragten der Bundesregierung für die Neuen Länder, Bundesinnenminister Thomas de Maizière, vorgestellt.
Der Vereinsvorsitzende Georg Frank dankte dem Minister für sein „offenes Ohr“ und zeigte sich nach einer Beratung im Kreise hochrangiger Industrievertreter „zuversichtlich, den Aufbau Ost gemeinsam weiter erfolgreich gestalten zu können.“ Auf die bisherige Entwicklung in den Neuen Ländern „sollten wir zunächst einmal stolz sein“, sagte Frank mit Blick auf den 20. Jahrestag der Deutschen Einheit. Die Region Mitteldeutschland habe eine hohe Lebensqualität und Wettbewerbsfähigkeit erzielt. „Insbesondere mit Blick auf unsere Freunde und Nachbarn in Osteuropa haben wir heute schon sehr viel erreicht“, sagte Frank.
Der von über 60 großen Unternehmen, Industrie- und Handelskammern sowie Städten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen getragene Verein, der bereits über sieben Million Euro für Marketingzwecke aufgebracht hat, sieht die Region laut Frank in einer „Zeit des Umbruchs“, in der es die Weichen richtig zu stellen gelte.
Angesichts der bis 2019 auslaufenden Förderprogramme fordert die Wirtschaftsinitiative, alle verbleibenden Mittel unter Aufsicht de Maizières künftig auf Maßnahmen für Wachstum und Beschäftigung zu konzentrieren. „Wir brauchen handlungsfähige Partner in Politik und Verwaltung“, mahnte Frank zudem eine „langfristige Sicherung der gesamten öffentlichen Haushalte“ an.
Als „größte Sorge“ der regionalen Wirtschaft bezeichnete Frank die Sicherung des Fachkräftebedarfs. „Wir kommen an einer schnellen Öffnung der Arbeitsmärkte sowie einer besseren Integration ausländischer Fachkräfte nicht vorbei“, sagte Frank. Zudem gelte es, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, die Schul- und Studi-enbedingungen in der Region abzustimmen und zu verbessern und schließlich die zahlreichen Anwerbe-Kampagnen der Städte, Hochschulen und Ländern zu bündeln.
Weitere Weichen gilt es laut Wirtschaftsinitiative für die Energie- und die Rohstoffver-sorgung zu stellen. „Hier ist Konkurrenzfähigkeit im internationalen Maßstab gefragt, um künftig überhaupt noch Industriestandort bleiben zu können.“ Im Energiebereich setzt die Wirtschaftsinitiative deshalb auch auf die künftige Nutzung der Braunkohle. Diese soll ebenso dazu beitragen – neben einer effektiveren Nutzung der Biomasse – auch die künftige Rohstoffversorgung Mitteldeutschland zu sichern.
Der „zügige Ausbau der Infrastruktur“ ist die fünfte Forderung der Wirtschaftsinitiative. In Berlin wurde auf die A72 Leipzig-Chemnitz verwiesen. Zudem solle die Zugstrecke zwischen Dresden und Erfurt zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert werden, um die Region Chemnitz-Gera-Jena an die ICE-Strecke Berlin-München anzubinden. Schließlich biete eine bessere Anbindung Osteuropas „in Sachen Infrastruktur und Logistik noch einiges Potential“.
Die „Stärkung der betrieblichen Innovationskraft“ und die damit zusammenhänge Förderpolitik ist für Frank längst kein ostdeutsches Thema mehr. Bundesweit, so das sechste „Handlungsfeld“ laut Wirtschaftsinitiative, sollte die Forschungsförderung des-halb auf kleine und mittlere Unternehmen „in wirtschaftlichen Ballungsräumen mit benachteiligter soziale Situation“ konzentriert werden.
In der Wirtschaftinitiative für Mitteldeutschland engagieren sich strukturbestimmende Unternehmen sowie Kammern und Städte aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit dem gemeinsamen Ziel einer nachhaltigen Entwicklung und Vermarktung der tradi-tionsreichen Wirtschaftsregion Mitteldeutschland.
Weitere Informationen:
Rede Prof. Dr. Georg Frank
Handlungsfelder für die Wirtschaftsregion Mitteldeutschland
www.mitteldeutschland.com
Kontakt:
Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland GmbH
Klaus Wurpts, Geschäftsführer
Tel.: 03 41 / 6 00 16-18


