Solarbranche verspricht zehntausende Arbeitsplätze
Das Spitzencluster „Solarvalley Mitteldeutschland“ war das Thema der Mitteldeutschen Begegnungen, zu der am Donnerstag gut 50 hochrangige Gäste ins Schlosshotel Schkopau kamen. Sprecher Hubert Aulich zeigte auf, wie das Cluster 50.000 Arbeitsplätze schaffen will.
„Bis zum Jahr 2020 sollen 20 Prozent der in Deutschland gebrauchten Energie aus der Solarindustrie kommen“, eröffnete Clustersprecher Hubert Aulich, Vorstand PV Crystalox Solar PLC in Erfurt und Bitterfeld, seinen Vortrag. Die Innovationsstrategie des Clusters sei darauf ausgerichtet, Solarstrom zu wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten und flächendeckend einsetzbar zu machen. Mitteldeutschland sei bereits heute deutschlandweit das wirtschaftliche Zentrum dieser Entwicklung, denn 65 Prozent aller Photovoltaik-Unternehmen hätten hier ihren Sitz. Ihr Anteil an weltweit produzierten Solarzellen betrage 18 Prozent, ergänzte Aulich. Bisher seien es 8.500 Beschäftigte in der Branche. Wie diese Zahl mit Hilfe der Clusterstrategie bis zum Jahr 2020 auf 50.000 anwachsen soll, skizzierte der Clustersprecher eindrucksvoll.
Solarstrom soll nach Auffassung der Branche zur unverzichtbaren Komponente im globalen Energiemarkt werden. „Bis zum Jahr 2100 werden 70 Prozent des jährlichen Strombedarfs aus Solarenergie gedeckt“, zitiert Aulich eine Studie. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde die BMBF-prämierte Innovationsstrategie, bestehend aus drei Teilen, erarbeitet.
1. Abgestimmte Forschung und Entwicklung über alle Wertschöpfungsstufen
2. Integrales Bildungskonzept Photovoltaik (PV)
3. Entwicklung des länderverbindenden Netzwerkes
Das länderübergreifende Netzwerk soll zukünftig mit Regionalbüros in Dresden, Erfurt und Halle (Saale) die nächste Professionalisierungsstufe erreichen. Diese sollen als Anlaufpunkt für Investoren und als Kommunikationsplattform für das Cluster dienen. Zudem soll dort kontinuierlich der Innovationsprozess beobachtet, ausgewertet und optimiert werden. Die Abstimmung der Unternehmen mit Forschungsinstituten und Universitäten soll helfen, Prozesse zu optimieren und so Kosten zu reduzieren und die Leistungsfähigkeit der Produkte zu erhöhen. Unterstützend plant das Cluster ein Kompetenzzentrum für berufliche Aus- und Weiterbildung einzurichten. Mit Stiftungsprofessuren sollen neue Bachelor- und Masterstudiengänge eingerichtet werden, um vor Ort Fachleute auszubilden. Ergänzend sollen Fachkräfte von außerhalb angeworben werden.
„Mit dieser Innovationsstrategie“, so Aulich, „wird Mitteldeutschland zu einer international herausragenden Technologieregion mit 30 Prozent Wachstum pro Jahr.“
Wie Kooperation in einem Cluster einen Beitrag zur Wertschöpfung für die beteiligten Unternehmen leistet, zeigte Aulich am Beispiel der PV Crystalox Solar am Standort Bitterfeld. Das neue Werk sei gezielt vis-a-vis dem Evonik-Werk gebaut und mit einer Pipeline angebunden worden. Auf diesem Wege könne der Rohstoff von Evonik auf kürzestem Wege an PV Crystalox geliefert werden. Arbeitsprozesse könnten auf diesem Wege gemeinsam optimiert und so ein Wettbewerbsvorteil für beide Unternehmen generiert werden.
Foto: Dr. Hubert Aulich während seines Vortrags
Die gut 50 Unternehmensvertreter beteiligten sich rege und kritisch an der anschließenden Diskussion. Die Margen der Solarfirmen würden nach der diesjährigen Novelle des „Erneuerbare Energien Gesetz“ (EEG) zwar schrumpfen, aber die guten Umsätze würden weiterhin in F&E investiert werden, antwortete Aulich auf die Frage, ob die Branche Förderung benötige. Die Bedeutung des Clusterprozesses für die Branche zeigte die Frage, wann die Solarbranche ihren eigenen Strombedarf decken könne. Man kenne zwar die Möglichkeiten für Materialeinsparung, antwortete der Clustersprecher, jedoch wisse man noch nicht vollständig, wie man diese umsetzen könne. Hier könne die Kooperation mit Forschungsinstituten und Universitäten große Fortschritte bringen.
Zu Beginn der Veranstaltung informierte Wirtschaftsinitiative-Geschäftsführer Klaus Wurpts über die Aktivitäten der Standortinitiative, darunter die Initiierung und Koordinierung von Clusterprozessen. Wichtig sei vor allem, dass die Unternehmen den Clusterprozess selbst wollen und aktiv werden, wie es in Mitteldeutschland vielfach der Fall sei, berichtete Wurpts aus seiner Erfahrung. Im internationalen Wettbewerb seien diese gut ausgeprägten Clusterstrukturen für Unternehmer und Investoren ein attraktives Alleinstellungsmerkmal. In Deutschland gebe es wenige vergleichbare Institutionen wie die Wirtschaftsinitiative, die Tendenz sei allerdings steigend.
Foto: Klaus Wurpts stellt die Wirtschaftsinitiative vor
Die Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland zähle zu den ersten und heute führenden Vereinigungen zur Förderung der Clusterentwicklung in Deutschland. Die anstehenden größten Projekte seien die Ausrichtung der Deutschen Clusterkonferenz 2008 und der Weltclusterkonferenz 2009 am Standort Mitteldeutschland. (
www.clusterkonferenz.de)
Zur Veranstaltung geladen waren die Mitglieder und Partner der Wirtschaftsinitiative, aus deren Reihen zahlreiche hochrangige Unternehmensvertreter zum Vortrag kamen und beim anschließenden Get Together im Schlosshof noch bis in den späten Abend Gespräche führten.
Foto: Spätsommerliches Get Together im Innenhof des Schloßhotels Schkopau
Weitere Informationen:
Vortrag Dr. Hubert Aulich, Solarvalley (pdf)
Vortrag Klaus Wurpts, Wirtschaftsinitiative (pdf)
Solarvalley Mitteldeutschland
PV Crystalox PLC
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