„Forschung und Entwicklung sind auf hohem Niveau“
Weitere Förderungen der gut aufgestellten mitteldeutschen Solar- branche hält Clustersprecher Hubert Aulich für unerlässlich, um die Spitzenposition zu halten. Darum geht es auch bei dem von der Wirtschaftsinitiative unterstützten Förderantrag beim Spitzenclusterwettbewerb.
Herr Dr. Aulich, die Photovoltaik-Industrie in der Region Mitteldeutschland boomt. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für diese positive Entwicklung?
Da gibt es eine Vielzahl von Gründen. Einer ist gewiss die Ansiedlung der vielen neuen Unternehmen, die in Mitteldeutschland gute Bedingungen, wie hoch motivierte Fachleute und die geeignete Infrastruktur für den Aufbau der hochtechnologischen Industrie vorgefunden haben. Hinzu kommen gute Förderbedingungen, die dadurch positiv beeinflusst werden, dass die Landesregierungen in Mitteldeutschland sich mit dem Thema Solar identifizieren und insbesondere langfristig gute Rahmenbedingungen für Solarstrom schaffen. Die Industrie wiederum re-investiert ihre Gewinne in neue Produktionsanlagen und in die Forschung. Das sind entscheidende Gründe für die positive Entwicklung in Mitteldeutschland.
Ein mittelfristiges Ziel für die Branche ist die Erreichung der „Netzparität“. Was ist mit dem Begriff gemeint und wie kann diese erreicht werden?
Gemeint ist damit, dass der private Solarstromproduzent seinen Strom zu gleichen Preisen herstellen und anbieten kann, wie Strom aus konventionellen Brennstoffen, das heißt für ungefähr 0,17 bis 0,20 Euro pro Kilowattstunde. Erreicht werden kann dies nur durch verbesserte Technologien und die Massenproduktion. So können Solarmodule kostengünstiger angeboten werden, wenn zu ihrer Herstellung weniger kostengünstigeres Silizium benötigt wird. Gleichzeitig muss die Leistung der Solarzellen erhöht werden. Die Erreichung der Netzparität binnen der kommenden 5-7 Jahre ist das Ziel, dass sich das Cluster Solarvalley Mitteldeutschland gesetzt hat. Dies steht auch so in dem Antrag für den Spitzenclusterwettbewerb beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Wird dieses Ziel erreicht, dann wird Solarstrom signifikante Marktanteile am Strommarkt gewinnen.
Welche Rolle kann die mitteldeutsche Solarbranche im weltweiten Wettbewerb zukünftig spielen?
Die mitteldeutsche und deutsche Solarindustrie verfügt über eine hervorragende Forschungs- und Entwicklungs-Landschaft (F&E). In Mitteldeutschland ist F&E in allen Stufen der Wertschöpfungskette auf hohem Niveau. Gleichzeitig sind die Firmen gut aufgestellt, was die Senkung der Herstellkosten angeht. In der Region wird bereits eine weitsichtige und langfristige Förderpolitik umgesetzt. Da insbesondere im asiatischen Raum erhebliche Investitionen in die Photovoltaik fließen kann diese Spitzenposition jedoch nur gehalten werden, wenn auch weiterhin erhebliche Finanzmittel in den F&E-Sektor fließen.
Welche Rolle wird der mitteldeutsche Clusterprozess für die Zukunft der Photovoltaik spielen?
Der große Vorteil bei der Zusammenarbeit im Clusterprozess ist, dass die ganze Wertschöpfungskette an einen Tisch kommt und nach Wegen für gemeinsame Kostensenkungen sucht. Durch die offene Kommunikation der Cluster-Mitglieder über langfristige Ziele haben wir Standortvorteile anderen Regionen gegenüber. Beispielsweise kann mit allen Beteiligten abgestimmt werden, welche minimale Stärke von Siliziumscheiben für die Produktionsabläufe in der Verarbeitung realistisch ist. Durch die Abstimmung in Detailfragen ermöglichen wir eine raschere Wettbewerbsfähigkeit von Solarstrom und die internationale Führungsposition.
Was muss aus Ihrer Sicht passieren, um das Wachstum und die technologische Entwicklung der Branche am Standort für die Zukunft zu sichern?
Die wichtigste Randbedingung ist, dass das „Einspeisegesetz“ erhalten bleiben muss, bis die Netzparität erreicht ist. Nur so lohnt sich für Privaterzeuger die Investition für eine Solarstromanlage auf dem Dach oder im Freiland. Nur mit steigender Zahl von Kunden ist das angestrebte Wachstum in der Solarbranche erst möglich. Derzeit wird die Einspeisevergütung für Solarstrom jedes Jahr um 5% vermindert, damit bei den Herstellern der Druck für Kostensenkungen unvermindert hoch bleibt. Diese Regelung sollte auch weiterhin von der Politik unterstützt werden.
Dr. Hubert Aulich ist Sprecher des Clusters Solarvalley Mitteldeutschland und Vorstand der PV Crystalox Solar AG.
Weitere Informationen:
Solarvalley Mitteldeutschland
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