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„Geeinter Standort wird besser wahrgenommen“

19. September 2008


Länderübergreifende Kooperation und Clusterprozesse seien ein Anreiz für Unternehmer am Standort zu investieren. Herwig Fischer vom Wirtschaftsinitiative-Mitglied E.ON-Kraftwerke sieht die Unternehmen in der Pflicht, die Attraktivität des Standortes bekannter zu machen.

Herr Fischer, was sind aus Ihrer Sicht die aktuellen Herausforderungen für die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Mitteldeutschland?
Eine der wichtigsten Aufgaben ist natürlich zu investieren und damit Arbeitsplätze zu schaffen. Dazu gehört auch, Firmen  zu motivieren, sich hier anzusiedeln. Ein Anreiz für Investitionen in der Region ist, dass Politik, Forschung und Wirtschaft hier länderübergreifend eng zusammenarbeiten und damit es potenziellen Interessenten leichter als anderswo machen zu investieren. Ich habe Mitteldeutschland als eine lebenswerte Region kennengelernt. Wir sollten nicht aufhören Freunden und Bekannten von den herrlichen Landschaften, den Burgen und Schlössern, den vielfältigen kulturellen und sportlichen  Betätigungsfeldern zu berichten. Diese sogenannten „weichen Standortfaktoren“ sind nicht nur bei der Standortwahl eines Unternehmens entscheidend, sondern sind auch bei den Fachkräften ein wichtiges Entscheidungskriterium, gehe ich oder gehe ich nicht nach Mitteldeutschland.

Ich sehe aber auch, dass die Mitgliedsunternehmen der Wirtschaftsinitiative eine Multiplikatorfunktion einnehmen, wenn es darum geht die Attraktivität des Standortes bekannter zu machen. Aus der Wirtschaft heraus gestalten die Unternehmen den Standort aktiv mit. Clusterprozesse sind dafür ein geeignetes Instrument. Das zeigt sich in erfreulichen Ergebnissen der Zusammenarbeit am Beispiel „Solarvalley Mitteldeutschland“. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Centrum für Silizium-Photovoltaik (CSP) in Halle haben zahlreiche Unternehmen, Forschungseinrichtungen und die Wirtschaftsinitiative den Antrag für das länderübergreifende Cluster beim BMBF-Spitzenclusterwettbewerb eingereicht und schlussendlich den Zuschlag für die Förderung bekommen.  

Wir läuft die Entwicklung für Ihr Unternehmen in der Region, was sind Ihre nächsten Ziele?
Die Rahmenbedingungen in der Energiewirtschaft haben sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Bekannte Schlagworte sind da Atomausstieg, CO2-Diskussion, steigende Brennstoffpreise und  Erneuerbare Energien. Darauf muss ein Unternehmen wie E.ON reagieren. Und das haben wir auch getan; beispielsweise indem der CO2-Ausstoß verringert wurde - sowohl bei bestehenden als auch bei Neubaukraftwerken konnte E.ON die Effizienz der Anlagen erheblich steigern - und große Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien getätigt wurden.

Dies war vor einigen Jahren noch nicht denkbar. Ein Beispiel dafür ist das Joint Venture von E.ON mit Schüco, südlich von Magdeburg,  im Bereich Solar-Dünnschichttechnologie. Gleichwohl bekräftigen wir unseren energiepolitischen Standpunkt, dass ein ausgewogener Energiemix aus Kohle, Gas, Kernenergie und erneuerbaren Energien unumgänglich ist.

Foto: E.ON-Braunkohlekraftwerk in Schkopau

Die Frage der Fachkräftesicherung beantwortet E.ON indem sie sich stark in der Ausbildung engagiert , das reicht vom Facharbeiter bis zum Ingenieur. Darüber hinaus gibt es die Ausbildungsinitiative "Mit Energie dabei", wo wir benachteiligten Jugendlichen helfen, nach einem von E.ON finanzierten Praktikum, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Welche Chancen sehen Sie in den Aktivitäten der Wirtschaftsinitiative für die Region?

Ein großer Nutzen für die Unternehmen liegt ganz klar darin, dass Netzwerke zwischen den Unternehmen aufgebaut werden. Innerhalb der Wirtschaftsinitiative können wir gezielt Politik und Forschung in unsere Aktivitäten einbinden. Auch können wir gemeinsam mehr Aufmerksamkeit auf die Region lenken.  Wir werden als Region durch unsere länderübergreifenden Aktivitäten, von der Absolventenmesse über unseren IQ-Wettbewerb bis zur  Deutschen Clusterkonferenz in diesem Herbst von "außen" bewusster  wahrgenommen.

Wenn ich König von Mitteldeutschland wäre ….
…dann würde ich den Föderalismus im Bildungswesen abschaffen. Die drei Bundesländer Mitteldeutschlands bekämen ein einheitliches Bildungssystem, würden zum Vorreiter für ein bundesweit einheitliches Bildungssystem und somit zum "Leuchtturm" für die gesamte Bundesrepublik.

Was kann man im Herbst am besten in Mitteldeutschland unternehmen?
Herrliche Radwanderungen an Saale und Unstrut, beispielsweise von Weißenfels nach Camburg oder von Naumburg nach Nebra und dabei bei einem oder einigen der vielen Winzer ein Glas Wein genießen...

Herr Fischer, vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person:
Herwig Fischer ist der Leiter vom  Regionalzentrum Ost der E.ON Kraftwerke GmbH und Mitglied im Vorstand der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland. Er studierte an der Bergakademie Freiberg und war im Anschluss mehrere Jahre in der Lausitz in einem Bergbauunternehmen tätig. Vor zehn Jahren zog es ihn, einer  neuen beruflichen Herausforderung bei E.ON  folgend, nach Mitteldeutschland. Dort ist Fischer der kaufmännische Leiter für die Kraftwerke in Schkopau, Brandenburg und das Helmstedter Revier. An der Saale-Elster Aue in Schkopau fand der 49-jährige Zweirad-Enthusiast, "mal mit, mal ohne Motor", seine neue Heimat.

Weitere Informationen:
E.ON Kraftwerke
Sommerinterview mit Hans-Joachim Raubach, Bayer Bitterfeld
Sommerinterview mit: Jens Berger, PwC
Sommerinterview mit: Dr. Thomas Hofmann, IHK zu Leipzig
Sommerinterview mit: Prof. Dr. Klaus-Ewald Holst, VNG
Sommerinterview mit: Andreas Otter, Deloitte


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Andreas Hiltermann, InfraLeuna
„Mitteldeutschland finde ich klasse, weil dahinter ein bedeutendes Wirtschaftspotenzial steckt.”