Standort

„Wir müssen die Bescheidenheit ablegen“

04. Juni 2010


Beim „Medientreffpunkt“ in Leipzig diskutierten nationale Experten auf Einladung der Wirtschaftsinitiative die Chancen des Standorts Mitteldeutschland in der „New Economy 2.0“. mp3-Erfinder Karlheinz Brandenburg von der TU Ilmenau sieht „starke Potenziale“.

Prof. Dr. Karlheinz Brandenburg, TU Ilmenau

Bei dem gut besuchten Workshop, den die Wirtschaftsinitiative erstmals im Rahmen des nationalen Expertenkongresses durchführte, herrschte schnell Einigkeit unter den Experten: Mitteldeutschland hat gute Chancen, auch auf dem Markt der neuen Medien und Technologien von Google und Apple mitzumischen.

„Es gibt hier genügend Leute, die was anfangen wollen“, sagte Christoph von Dellingshausen vom Bundesverband Digitale Wirtschaft. Es gäbe bereits eine gute Gründungsförderung in der Region; bei den privaten Kapitalgebern sei jedoch noch ein Mentalitätswandel hin zu mehr Mut „wie bei den Amis“ erforderlich, so von Dellingshausen.

Der deutsche Internetpionier Manfred Stegger (allesklar.de, meinestadt.de) sieht unter Verweis auf das kalifornische Silicon Valley die Universitäten als wichtigste Keimzellen für den neuen Markt - und Mitteldeutschland hier mit den zahlreichen Standorten sehr gut aufgestellt. Die Leipziger Handelshochschule, aus der Unternehmen wie Spreadshirt und Unister hervorgegangen sind, bezeichnete er Deutschland als „führende Internet-Gründerschmiede“. Dem pflichtete der Ilmenauer Fraunhofer-Chef Brandenburg bei und forderte Mitteldeutschland auf: „Wir müssen die Bescheidenheit ablegen“, und „Wir haben starke Potenziale.“

Unter der Moderation des Ostdeutschland-Wirtschaftskorrespondenten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Thiemo Heeg, sahen de Experten die wichtigste Herausforderung bei der Vermarktung der auch in Mitteldeutschland zahlreichen vorhandenen Ideen. Gründer bräuchten nicht nur einen langen Atem für die Umsetzung ihrer Ideen, sondern „BWL, Marketing und Präsentation“, sagte Unternehmer Stegger. Das Zusammenbringen von Wirtschaftswissenschaftlern mit „Techies“ sei hierfür ein guter Ansatz.

Das Podium v.l.: Prof. Dr. Brandenburg, Thiemo Heeg, Klaus Wurpts, Christoph N. von Dellingshausen, Dr. Manfred Stegger

Verbandsvertreter von Dellingshausen nahm zum Ende der angeregten Diskussion Bezug zur Wirtschaftsinitiative, deren Engagement er als vorbildlich bezeichnete. „Für die neuen Technologien und Märkte sind derartige business communities besonders wichtig“, sagte er. Und Stegger fügte hinzu, nicht jedes Bundesland brauche ein eigenes Technologie-Cluster, vielmehr müssten die Schwerpunkte in den tatsächlichen Regionen „zusammengehalten“ werden. Von Dellingshausen: „Vielleicht hat Mitteldeutschland bald ein Cluster 2.0.“

Weitere Informationen:
Medientreffpunkt Mitteldeutschland
Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Ilmenau
Frankfurter Allgemeinen Zeitung



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Andreas Stemmler, TÜV SÜD
„Die Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland ist wichtig, weil Zukunft nur gemeinsam funktioniert.”