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Wer hat´s erfunden?

09. Dezember 2011


Bisher galten die Schweizer als Erfinder der Milchschokolade im Jahr 1875. Doch bereits 30 Jahre zuvor warb die „Dresdner Schokoladenfabrik Jordan & Timaeus“ für ihr Produkt, das jetzt Wissenschaftler der TU Dresden rekonstruierten.

„Es war spannend, in die Geschichte der Schokolade einzutauchen, damalige Produktionstechniken und Qualitätsstandards nachzuvollziehen“, erklärt Dr. Birgit Böhme vom Institut für Lebensmittel- und Bioverfahrenstechnik der Technischen Universität (TU) Dresden.
Die Wissenschaftlerin, die mit ihrem Team den IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2011 im Cluster Ernährung mit der "Verflüssigung texturmodifizierter Füllungen in Schokolade" gewann, betreute zusammen mit ihrer Kollegin Yvonne Schneider eine Bachelor-Arbeit, die sich mit der Entstehung von Essschokolade beschäftigte.
Dabei wurde auch der Versuch unternommen, eine Milchschokolade, wie sie 1839 vermutlich erstmals angeboten wurde, zu rekonstruieren.

Ausgangspunkt des Projektes waren Recherchen des Dresdner Wissenschaftler-Vereins WIMAD, der seit 1998 die Geschichte der sächsischen Schokoladenindustrie erforscht. Bei den Recherchen stießen die Wissenschaftler auf alte Anzeigen vom 22. und 23. Mai 1839 im "Dresdner Anzeiger", in der die Schokoladen-Fabrikanten Jordan & Timaeus für ihre "Chocolate aus Eselsmilch präpariert, ohne Gewürz, sowohl zum Kochen in 5/5 Tafeln pr. Pfd., als auch zum Rohessen in 24 Täfelchen pr. Pfd" warben.
Im März diesen Jahres wandte sich der Verein an die Wissenschaftler der TU Dresden mit der Bitte, diese wahrscheinlich weltweit erste Milchschokolade zu rekonstruieren.

„Damals war Schokolade auch aufgrund des hohen Zuckerpreises kein Massenprodukt. Sie wurde in Apotheken verkauft und ihr Genuss blieb den oberen Schichten vorbehalten“, so Dr. Birgit Böhme. Dazu trug zudem die aufwändige Herstellung in Handarbeit bei. Daran angelehnt, stellte das Team der TU Dresden nach vielen Versuchen zur richtigen Auswahl der Rohstoffe und Rezeptur in mehreren Stunden ein sächsisches Pfund Schokolade, das sind 467 Gramm, her. Außer der Einteilung der Tafel in 24 Stücke hat das historische Vorbild mit heutiger Milchschokolade allerdings nicht sehr viel gemeinsam. „Sie ist herber und eher körnig statt zart schmelzend. Da Milch damals noch nicht in Form von Milchpulver, sondern in flüssiger Form zum Einsatz kam,
waren die Produkte kaum haltbar und zeigten aufgrund der damaligen Herstellungsweise rasch einen grauen Schleier an der Oberfläche, wie wir ihn auch von heutigen Schokoladen, die beispielsweise ungünstig gelagert wurden, als Fettreif kennen“, erläutert die Wissenschaftlerin.
Deshalb sieht sie angesichts der heutigen Ansprüche der Verbraucher auch keine Chance auf eine massenhafte Neuauflage und Vermarktung der 172 Jahre alten Milchschokolade. „Das war sicherlich eine einmalige Aktion“, so Dr. Birgit Böhme.

Nicht probieren, aber zumindest ansehen kann man sich das Ergebnis des Forschungsprojektes im Sächsischen Industriemuseum in Chemnitz.
Dort läuft noch bis zum 15. April 2012 die Sonderausstellung "Das süße Herz Deutschlands - Sachsens Schokoladenseite" zur Geschichte der sächsischen Schokoladenindustrie.

Weitere Informationen:
TU Dresden
Innovation: Verflüssigung texturmodifizierter Füllungen in Schokolade
Sonderausstellung „Das süße Herz Deutschlands - Sachsens Schokoladenseite“


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Jörg Fahrenbach, Kaufmännischer Vorstand der Haema AG
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