Cluster

Kreative zwischen Wirtschaft und Kunst

17. Februar 2012


Kurzer Hype oder nachhaltiger Ansatz: Welche Möglichkeiten bietet das Konzept der Kreativwirtschaft den Leipziger Kreativen? Darüber diskutierte Wirtschaftsinitiative-Geschäftsführer Jörn-Heinrich Tobaben am Montag bei der Auftaktveranstaltung zur Diskussionsreihe „FOKUS“.

Autoren und Webdesigner, Theatermacher und Werbeagentur: Die Kreativbranche vereint viele Facetten unterschiedlichster Berufe. Während für die einen die Vermarktung ihrer kreativen Leistung selbstverständlicher Alltag ist, fühlen sich andere einem öffentlich geförderten Kunstbegriff jenseits von Marktmechanismen verpflichtet. Welchen Aussagewert hat angesichts dieser Heterogenität der Begriff Kreativwirtschaft? Was würde die Übernahme etablierter Clusterprozesse für die Kreativen bringen?
Darüber diskutierten am Montag zum Auftakt der Diskussionsreihe FOKUS im Leipziger LOFFT der Landtagsabgeordnete Robert Clemen, Eva Kiltz vom Verband unabhängiger Musikunternehmen e.V., die Autorin Katja Kullmann, Britt Schlehahn vom Kunstverein Leipzig e.V., Johannes Tomm, Projektleiter beim GründerZentrum Kulturwirtschaft Aachen e.V. sowie Wirtschaftsinitiative-Geschäftsführer Jörn-Heinrich Tobaben.
Die Veranstaltung wurde vom Verein Kreatives Leipzig e.V. in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes organisiert.

„Die Leipziger Kreativbranche verfügt durchaus über eine kritische Masse an Akteuren und die räumliche Nähe für einen erfolgreichen Clusterprozess. Dagegen sind Wertschöpfungsketten und die Bereitschaft zur Kooperation zwischen den Unternehmen und Selbstständigen bislang noch nicht in ausreichendem Maße vorhanden.“, machte Jörn-Heinrich Tobaben während der Diskussion deutlich. Angesichts der großen Vielfalt an Teilbranchen und der unterschiedlichen Vermarktungsansätze wären klassische Organisationsformen für den Clusterprozess der Kreativwirtschaft kaum geeignet. „Hier sind neue Modelle wie flexible Netzwerke und temporäre Plattformen gefragt, um eine solche Entwicklung voranzutreiben.“, so Tobaben weiter.

Foto: Jörn-Heinrich Tobaben, Wirtschaftsinitiative

Ähnlich sieht es auch Frank Trepte vom Verein Kreatives Leipzig e. V.:
„Aus unserer Sicht geht es weniger um eine Clusterbildung wie in traditionellen Wirtschaftsbranchen. Unser Ziel ist es vielmehr, durch aktive Netzwerkarbeit der Leipziger Kreativszene ein stärkeres Gesicht zu geben.“ Dies beträfe beispielsweise die bessere Positionierung der Branchenakteure als kompetente Dienstleister für die regionale und überregionale Wirtschaft. Die Diskussion habe klar gezeigt, dass es bei vielen Kreativen Vorbehalte gegenüber dem Begriff der Kreativwirtschaft gebe. Nicht für alle Bereiche der Branche sei eine komplette Marktorientierung möglich und wünschenswert. „Hier müssen wir aufpassen, mit dem Konzept der Kreativwirtschaft keine falschen Erwartungshaltungen zu wecken.“, betont Frank Trepte.

Foto: Frank Trepte, Kreatives Leipzig e.V.

Hintergrund: Dem 2010 gegründeten Verein Kreatives Leipzig e.V. gehören über 70 Unternehmen und Einzelakteure an, die entweder selbst kreativ tätig sind oder die Kreativszene unterstützen möchten. Im November 2011 wurde der Verein von der Initiative Kultur- & Kreativwirtschaft der Bundesregierung als „Bewegungsmelder“ der Kultur- und Kreativwirtschaft ausgezeichnet. Unterstützt wird die Veranstaltung durch das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes, welches zwischen den kreativ Tätigen und wirtschaftspolitischen Entscheidungsträgern vermittelt sowie UnternehmerInnen der Branche Informationen und Beratungen rund um das Thema Kreativwirtschaft anbietet.

Weitere Informationen:
Kreatives Leipzig e.V.
Studie zur Leipziger Medien- und Kreativwirtschaft 2010
Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes


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Dr. Karsten Heuchert, Verbundnetz Gas AG
„Als regional verwurzeltes Unternehmen setzt sich VNG für einen starken Wirtschaftsstandort Mitteldeutschland ein. Daher begrüßen wir das Engagement der Metropolregion.”