Pressemitteilung

„Das Einspeisegesetz muss erhalten bleiben!“

11. March 2008


Interview zum Cluster Solarvalley Mitteldeutschland mit Dr. Hubert Aulich, Vorstand der Erfurter PV Crystalox Solar AG

Der Förderantrag für das Cluster Solarvalley Mitteldeutschland wurde gerade beim Spitzenclusterwettbewerb der Bundesregierung in die nächste Runde unter die besten 15 Cluster gewählt. In dem Vorhaben kooperieren unter Koordination der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland 25 Solarfirmen und 12 For-schungseinrichtungen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Clustersprecher Dr. Hubert Aulich, Vorstand PV Crystalox Solar AG, gibt Auskunft über die mitteldeutsche Solarwirtschaft.

Herr Dr. Aulich, die Photovoltaik-Industrie in der Region Mitteldeutschland boomt. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für diese positive Entwicklung?
Da gibt es eine Vielzahl von Gründen. Einer ist gewiss die Ansiedlung der vielen neuen Unternehmen, die in Mitteldeutschland gute Bedingungen, wie hoch moti-vierte Fachleute und die geeignete Infrastruktur für den Aufbau der hochtechnolo-gischen Industrie vorgefunden haben. Hinzu kommen gute Förderbedingungen, die dadurch positiv beeinflusst werden, dass die Landesregierungen in Mittel-deutschland sich mit dem Thema Solar identifizieren und insbesondere langfristig gute Rahmenbedingungen für Solarstrom schaffen. Die Industrie wiederum re-investiert ihre Gewinne in neue Produktionsanlagen und in die Forschung. Das sind entscheidende Gründe für die positive Entwicklung in Mitteldeutschland.

Ein mittelfristiges Ziel für die Branche ist die Erreichung der sogenannten Netzparität. Was ist mit dem Begriff gemeint und wie kann diese erreicht werden?
Gemeint ist damit, dass der private Solarstromproduzent seinen Strom zu gleichen Preisen herstellen und anbieten kann, wie Strom aus konventionellen Brennstoffen, das heißt für ungefähr 0,17 bis 0,20 Euro pro Kilowattstunde. Erreicht werden kann dies nur durch verbesserte Technologien und die Massenproduktion. So kön-nen Solarmodule kostengünstiger angeboten werden, wenn zu ihrer Herstellung weniger kostengünstigeres Silizium benötigt wird. Gleichzeitig muss die Leistung der Solarzellen erhöht werden. Die Erreichung der Netzparität binnen der kom-menden 5-7 Jahre ist das Ziel, dass sich das Cluster Solarvalley Mitteldeutschland gesetzt hat. Dies steht auch so in dem Antrag für den Spitzenclusterwettbewerb beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Wird dieses Ziel er-reicht, dann wird Solarstrom signifikante Marktanteile am Strommarkt gewinnen.

Welche Rolle kann die mitteldeutsche Solarbranche im weltweiten Wettbewerb zukünftig spielen?
Die mitteldeutsche und deutsche Solarindustrie verfügt über eine hervorragende Forschungs- und Entwicklungs-Landschaft (F&E). In Mitteldeutschland ist F&E in allen Stufen der Wertschöpfungskette auf  hohem Niveau. Gleichzeitig sind die Firmen  gut aufgestellt, was die Senkung der Herstellkosten angeht. In der Region wird bereits eine weitsichtige und langfristige Förderpolitik umgesetzt. Da insbe-sondere im asiatischen Raum erhebliche Investitionen in die Photovoltaik fließen kann diese Spitzenposition  jedoch nur gehalten werden, wenn auch weiterhin er-hebliche Finanzmittel in den F&E-Sektor fließen.

Welche Rolle wird der mitteldeutsche Clusterprozess für die Zukunft der Photo-voltaik spielen?
Der große Vorteil bei der Zusammenarbeit im Clusterprozess ist, dass die ganze Wertschöpfungskette an einen Tisch kommt und nach Wegen für gemeinsame Kostensenkungen sucht. Durch die offene Kommunikation der Cluster-Mitglieder über langfristige Ziele haben wir Vorteile anderen Regionen gegenüber. Beispiels-weise kann mit allen Beteiligten abgestimmt werden, welche minimale Stärke von Siliziumscheiben für die Produktionsabläufe in der Verarbeitung realistisch ist. Durch die Abstimmung in Detailfragen ermöglichen wir eine raschere Wettbe-werbsfähigkeit von Solarstrom und die internationale Führungsposition.

Was muss aus Ihrer Sicht passieren, um das Wachstum und die technologische Entwicklung der Branche am Standort für die Zukunft zu sichern?
Die wichtigste Randbedingung ist, dass das „Einspeisegesetz“ erhalten bleiben muss, bis die Netzparität erreicht ist. Nur so lohnt sich für Privaterzeuger die Inves-tition für eine Solarstromanlage auf dem Dach oder im Freiland. Nur mit steigender Zahl von Kunden ist das angestrebte Wachstum in der  Solarbranche erst möglich. Derzeit wird die Einspeisevergütung für Solarstrom jedes Jahr um 5% vermindert, damit bei den Herstellern der Druck für Kostensenkungen unvermindert hoch bleibt. Diese Regelung sollte auch weiterhin von der Politik unterstützt werden.

Einspeisegesetz:
Ziel des Gesetzes für den Vorrang Erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz - EEG) ist es, im Interesse des Klima- und Umweltschutzes eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung zu ermöglichen und den Beitrag Erneuerbarer Energien an der Stromversorgung deutlich zu erhöhen, um entsprechend den Zie-len der Europäischen Union und der Bundesrepublik Deutschland den Anteil Erneu-erbarer Energien am gesamten Energieverbrauch bis zum Jahr 2010 mindestens zu verdoppeln. Netzbetreiber sind verpflichtet, Anlagen zur Erzeugung von Strom  an ihr Netz anzuschließen, den gesamten angebotenen Strom aus diesen Anlagen vorrangig abzunehmen und den eingespeisten Strom abhängig von der Art der Erzeugung (Wind, Bio, Solar) zu vergüten.

Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland:
In der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland engagieren sich strukturbestim-mende Unternehmen sowie Kammern und Städte aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit dem gemeinsamen Ziel einer nachhaltigen Entwicklung und Vermarktung der traditionsreichen Wirtschaftsregion Mitteldeutschland.

Cluster Solarvalley Mitteldeutschland:
Als eine der weltweit führenden Regionen in der Photovoltaikbranche, hat sich das Spitzencluster „Solarvalley Mitteldeutschland“ zum Ziel gesetzt, die Industriepart-ner und Forschungseinrichtungen der Photovoltaik entlang der gesam-ten Wertschöpfungskette zu vereinen. Durch eine enge Zusammenarbeit und Themenkoordination der Partner kann die internationale Spitzenposition weiter ausgebaut werden. Mit den geplanten Investitionen der Industriepartner kann in-nerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre die Netzparität erreicht und die Photo-voltaik zur bedeutendsten Energietechnologie dieses Jahrhunderts ausgebaut wer-den.

PV Crystalox Solar:
Die Erfurter PV Crystalox Solar ist weltweit die Nummer zwei bei der Belieferung von Siliziumschreiben.

Weitere Informationen:
www.solarvalley.org

Kontakt:
Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland
Ele Jansen, Kommunikation
Tel. 0341 - 600 16 20
Fax 0341 - 600 16 13
jansen@mitteldeutschland.com

Sandy Crémer
Sekretariat Vorstand
PV Silicon Forschungs und Produktions AG
Tel.: 0361-60085-101
Fax: 0361-60085-109
sandy.cremer@pvsilicon.com 




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