Metropolregion Mitteldeutschland-Himmelsscheibe von Nebra

Himmelsscheibe von Nebra mit Grabbeigaben © Juraj Lipták, Stadt Halle (S.)

  • Hintergrund

    Man muss – nachdem die Geschichte ein gutes Ende nahm – den Raubgräbern fast dankbar sein, die im Juli 1999 ein Artefakt ans Licht zerrten. Denn sie entdeckten eine Sensation: Rund 3.600 Jahre ruhte die Himmelsscheibe von Nebra auf dem Mittelberg unter der Grasnarbe. Als übersichtliches Schema dokumentiert die Scheibe als älteste konkrete Himmelsdarstellung der Menschheitsgeschichte den Lauf von Sonne und Mond: Erkennbar auf der grün angelaufenen Metallfläche sind Sichel- und Vollmond, Plejaden, Sonnenbarke und Horizontbogen. Die Bronzeplatte mit Goldapplikationen zeigt die Beschäftigung vergangener Kulturen mit den Himmelsbewegungen und revidiert die Vorstellung von den primitiven Früheuropäern, die lange im Schatten sumerischer und ägyptischer Hochkulturen standen. Das bronzezeitliche Relikt muss einer Gesellschaft entsprungen sein, die arbeitsteilig agierte. Zusammen mit ihren Beifunden deutet sie kulturelle und ökonomische Beziehungen bis in den Mittelmeerraum an.

  • Vordergrund

    Wie die goldene Barke auf der Himmelscheibe thront die Arche Nebra in sanft gewellter Landschaft über dem Unstruttal. In der archaisch anmutenden, modernen Konstruktion finden Sie ein Besucherzentrum mit digitalem Planetarium vor, das Sie neben dem Fundkrimi über den Beginn der Astronomie informiert, von der Stunde Null, in der die Menschen mit der Vermessung des Himmels begannen. Von der Arche transportiert Sie ein Shuttle zum exakten Fundort auf die Kuppe des Mittelbergs, wo die Menschen am markanten Panorama einst ihren Sonnenkalender einnordeten. Die Originalscheibe können Sie im Museum für Vorgeschichte Halle (Saale) besichtigen, wo sie ein eigener Ausstellungsbereich in den Kontext frühbronzezeitlicher Kulturen und Technologien einordnet.

  • Auf dem Weg

    Auf dem Mittelberg: Für den Aufstieg im offenen Treppenhaus des schiefen Aussichtturms sollten Sie schwindelfrei sein. Über die Baumkronen hinweg entlohnt der Blick bis zum Brocken allerdings weiche Knie. Dem Weg zurück zum Busparkplatz säumen sommers fruchttragende Walderdbeeren und Brombeersträucher. Ein Abstecher ins 20 Kilometer entfernte Goseck führt Sie zu einem Sonnenobservatorium. Im rekonstruierten 7.000 Jahre alten Ort der Steinzeitastronomie können sie den Sonnenkult nachvollziehen. Probieren Sie auch aus, wie der Gang zwischen den zwei Pfahlreihen jeden Laut schluckt.

  • Allgemeinbildung

    • 1999: Nach illegaler Bergung geht die Himmelsscheibe durch mehrere Hände
    • 2002: Die Schweizer Polizei stellt sie unter Mithilfe des Archäologielandesamts Sachsen-Anhalt sicher, die Täter kommen vor Gericht
    • 2007: Das Besucherzentrum eröffnet
    • 2013: Aufnahme ins Register des Weltdokumentenerbes
    • 2002: Das 1991 von Luftbildarchäologen entdeckte Gosecker Sonnenobservatorium wird vollständig ausgegraben. Ob es mit der Himmelsscheibe im direkten Zusammenhang steht, ist ungeklärt.

 

Zitate

Kai Emanuel
Landkreis Nordsachsen

"Aus den Projekten und Maßnahmen der Europäischen Metropolregion als länderübergreifender Aktionsplattform ergeben sich vielfältige Schnittpunkte zu den Aktivitäten bei uns im Landkreis Nordsachsen. Die daraus resultierenden Synergien lassen sich gemeinsam besser nutzen."

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