Metropolregion Mitteldeutschland-inca-fiber GmbH: Der perfekte Zeitpunkt

IQ-Preisträger 2017 im Portrait

inca-fiber GmbH: Der perfekte Zeitpunkt

23.08.2017
Toni Böttger und Dr. Falko Böttger-Hiller

Das innovative Metallisierungs-Verfahren der inca-fiber GmbH aus Chemnitz eröffnet komplett neue Einsatzgebiete für Kohlenstofffasern. Die Auszeichnung mit dem Clusterpreis Chemie/Kunststoffe bedeutete für das junge Startup einen großen Schritt nach vorn.

Ursprünglich wollten Dr. Falko Böttger-Hiller und Toni Böttger gar nicht am IQ Innovationspreis Mitteldeutschland teilnehmen. Jedenfalls jetzt noch nicht. „Wir dachten, die Teilnahme käme in diesem Jahr noch zu früh für uns. Heute wissen wir: es war der perfekte Zeitpunkt, um unserer Innovation und unserem Startup den richtigen Schub zu geben“, gesteht Dr. Falko Böttger-Hiller schmunzelnd.

Ihr Unternehmen ist die inca-fiber GmbH, eine Ausgründung aus der TU Chemnitz. Der Name steht für „Innovative Carbon Fiber“ und verweist auf das Kernprodukt des jungen Unternehmens: Kohlenstofffasern. „Diese dienen als Ausgangsprodukt für Kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe (CFK), die für Leichtbaulösungen in vielen Bereichen benötigt werden. Doch herkömmliche Kohlenstofffasern verfügen nur über eine geringe thermische und elektrische Leitfähigkeit sowie eine ungenügende Fügefähigkeit und Haftvermittlung für den Einsatz in hybriden Werkstoffen“, erklärt der inca-fiber-Geschäftsführer.

⁞⁞⁞ Foto: v.l. Toni Böttger, Technischer Leiter und Dr. Falko Böttger-Hiller, Geschäftsführer der inca-fiber GmbH (© Tom Schulze) ⁞⁞⁞

Um das zu ändern, forschte er bereits seit 2012 gemeinsam mit seinen Kollegen im Rahmen einer Nachwuchsforschergruppe der TU Chemnitz an einem innovativen Verfahren zur metallischen Beschichtung von Kohlenstofffasern. „Bisherige Lösungen setzten auf giftige und schlecht zu verarbeitende Metalle wie Nickel, waren wenig automatisiert und erbrachten nicht die von Kunden geforderte Qualität der Beschichtung“, so Dr. Falko Böttger-Hiller. Mit der von inca-fiber entwickelten Innovation ist es dagegen erstmals möglich, die aus tausenden, wenige Mikrometer dünnen Einzelfilamenten, bestehenden Kunststofffaserbündel in hoher Qualität mit Kupfer zu beschichten. Dazu werden die Fasern in einem galvanischen Prozess durch eine Kupferelektrolyt-Lösung geführt. Durch das Anlegen eines Stromes wandern positiv geladene Kupferionen zur Faseroberfläche und bilden einen gleichmäßigen Metallfilm. Sowohl die leistungsstarke Elektrolytlösung, als auch die automatisierte Beschichtungsanlage wurden dabei von den Chemnitzer Wissenschaftlern selbst entwickelt.

Siegerstempel IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2017„Dank der Innovation stoßen wir grade die Tür zu einer Vielzahl neuer Einsatzgebiete von Kohlenstofffasern auf. Dazu gehören unter anderem integrierte Blitzschutzlösungen in der Luft- und Raumfahrt sowie für Windkraftanlagen, die Überwachung von CFK-Bauteilen mittels integrierter Sensoren, die Realisierung neuartiger Hybridwerkstoffe sowie weitere Sicherheits- und auch Beleuchtungskonzepte“, führt Dr. Falko Böttger-Hiller aus. Dazu kämen verstärkt auch Anfragen aus der Automobilbranche, etwa zum Einsatz metallisierter Kunststoffe für hochwertige Oberflächen im Karbon-Look. „Aktuell befinden wir uns in einer Art Findungsphase, in der es darum geht, die erfolgversprechendsten Anwendungen zu identifizieren, mit Produkten zu hinterlegen und dann auf industriellen Maßstab zu skalieren“, erklärt Dr. Falko Böttger-Hiller.

Bereits in den vergangenen Monaten konnten die Chemnitzer Wissenschaftler ihre Innovation vom Labormaßstab auf eine semi-industrielle Pilotanlage übertragen, die eine Jahresproduktion von rund 700 Kilogramm metallisierter Kohlenstofffasern ermöglicht. Auf dieser wurden bereits Entwicklungsaufträge für verschiedene Kunden wie Airbus und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) realisiert. „Im nächsten Schritt wollen wir die Anlage bis 2020 auf eine Jahresproduktion von 10-15 Tonnen hochfahren, je nach den Anforderungen des Marktes“, so Dr. Falko Böttger-Hiller. Für die Finanzierung sucht das Startup auch nach Investoren. „Am liebsten wäre uns natürlich ein strategischer Partner, der eines unserer Produkte einsetzen will und uns beim Aufbau der Produktion im entsprechenden Maßstab unterstützt“ betont der inca-fiber-Geschäftsführer.

IQ Preisträger 2017 Incafiber GmbHIn dieser Phase hilft der Gewinn des Clusterpreises Chemie/Kunststoffe beim IQ Innovationspreis Mitteldeutschland den jungen Unternehmern gleich mehrfach: „Zum einen haben wir seit der Preisverleihung sehr viel Aufmerksamkeit bekommen. So entstanden viele Kontakte zu potenziellen Kunden und Partnern, die mit neuen Ideen zum Einsatz unserer Innovation auf uns zukamen. Anfang September treffen wir uns mit einem mittelständischen Automobilzulieferer, der durch die Auszeichnung auf uns aufmerksam wurde.“ Darüber hinaus schätzt Dr. Falko Böttger-Hiller die mit dem Clusterpreis verbundene Mitgliedschaft in der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland. „Beispielweise gab uns Ralf Irmert, der Geschäftsführer des Co-Preisstifters Trinseo Deutschlands, wertvolle Tipps zur Patentierung unserer Innovation. Für uns als junges Startup aus dem universitären Umfeld ist dieses Wissen gestandener Unternehmer einfach unbezahlbar.“

⁞⁞⁞ Foto v.l.: Christian Rosin (Zukunftsstiftung Südraum Leipzig), Dr. Falko Böttger-Hiller und Toni Böttger (beide inca-fiber GmbH), Dr. Ralf Irmert (Trinseo Deutschland GmbH) ( © Guido Werner/GWP) ⁞⁞⁞

Zitate

Ralf Irmert
Trinseo Deutschland GmbH

"Die engen Kontakte zu anderen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und politischen Entscheidern helfen die Verankerung unseres Unternehmens in der Region weiter zu stärken. Zusätzlich ist die Darstellung als innovativer und attraktiver Arbeitgeber in Mitteldeutschland sehr wichtig, um den Fachkräftebedarf langfristig zu sichern."

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