Metropolregion Mitteldeutschland-„Infrastrukturentwicklung ist kein Sprint“

Verkehr und Mobilität

„Infrastrukturentwicklung ist kein Sprint“

03.05.2018
Prof. Dirk Rompf

Für die mitteldeutsche Verkehrsinfrastruktur der Zukunft gilt es, intensiver über Landesgrenzen hinweg zu kooperieren und Schiene, Straße und Luft stärker miteinander zu verbinden. Bei der Planung von Infrastrukturmaßnahmen wollen sich die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland (EMMD) und die Infrastrukturgesellschaft DB Netz AG als Tochter der Deutschen Bahn AG zudem zukünftig enger miteinander abstimmen. Darauf verständigten sich Mitglieder der EMMD und die DB Netz AG am 24. April 2018 auf einer Veranstaltung der Metropolregion.

Unter dem Titel "Schienenverkehr in Mitteldeutschland – Perspektiven für die Metropolregion" trafen sich Vertreter der mitteldeutschen Politik, Wirtschaft, Hochschulen, Kammern und Verbände mit Repräsentanten der DB Netz AG. In einem Vortrag erörterte Prof. Dr. Dirk Rompf, Vorstand Netzplanung und Großprojekte der DB Netz AG, wie sich die Verkehrsinfrastruktur in Mitteldeutschland perspektivisch entwickeln wird, und stellte Ansätze zur mittel- und langfristigen Planung der Deutschen Bahn vor. Rompf betonte, dass die Metropolregion Mitteldeutschland in den letzten 20 Jahren eine signifikant verbesserte Verkehrsanbindung erfahren habe und verwies in diesem Zusammenhang auf die stark verkürzten Reisezeiten auf vielen Strecken und das ausgebaute S-Bahnsystem Mitteldeutschland, das jährlich  22 Millionen Reisende transportiere. Auch die Fernverkehrsanbindung Mitteldeutschlands habe sich kontinuierlich verbessert, so Rompf. Darüber hinaus habe man hier den Wandel in der Logistikbranche durch gezielte Investitionen z.B. in KV-Anlagen oder die Unterstützung neuer Logistikkonzepte, wie die Automobildrehscheibe Falkenberg, mitgestaltet.

 ⁞⁞⁞ Foto: Prof. Dr. Dirk Rompf, Vorstand Netzplanung und Großprojekte der DB Netz AG​​​ ⁞⁞⁞

„Eine weitere Steigerung der Attraktivität Mitteldeutschlands kann aber nur gelingen, wenn Infrastruktur-, Verkehrs- und Stadtentwicklung Hand in Hand gehen. Dafür muss bei allen neuen Projekten über Landesgrenzen hinweg agiert werden. Länder, Kommunen und Infrastrukturträger gehören an einen Tisch“, unterstrich Rompf. Für den mitteldeutschen Raum plane die Deutsche Bahn, weitere Impulse für die Verkehrsverlagerung auf die Schiene zu schaffen. „Doch nicht alles ist zeitgleich möglich“, so Rompf, „Infrastrukturentwicklungen sind kein Sprint, sie haben oft Vorlaufzeiten von 15 bis 20 Jahren. Wir müssen also einen langen Atem bewahren.“

Kaminabend „Schienenverkehr in Mitteldeutschland - Perspektiven für die Metropolregion“ am 24. April 2018 in der Mädlervilla in LeipzigOliver Fern, Vorstand der LBBW Sachsen Bank und EMMD-Vorstandsmitglied begrüßte den Vorschlag der Deutschen Bahn, die weitere Verkehrsplanung mit der Metropolregion abzustimmen: „Der Metropolregion Mitteldeutschland wurde heute das Angebot ausgesprochen, zukünftige Verkehrsprojekte gemeinsam mit der Deutschen Bahn zu entwickeln. Diese Bereitschaft zur Zusammenarbeit begrüßen wir sehr. Indem wir Vorhaben der Deutschen Bahn begleitend unterstützen, werden wir auch als Metropolregion mit unseren Kompetenzen stärker wahrgenommen werden.“

Kaminabend „Schienenverkehr in Mitteldeutschland - Perspektiven für die Metropolregion“ am 24. April 2018 in der Mädlervilla in LeipzigAusgehend von einem weiteren Bevölkerungsanstieg in den deutschen Metropolen ergeben sich für Mitteldeutschland Herausforderungen wie die Reduktion der Schadstoffbelastung, eine effizientere Nutzung knapper Flächen, die Vermeidung von Staus trotz wachsender Pendlerströme, neue Impulse für die regionale Wirtschaft durch attraktive Logistikkonzepte, aber auch die Verknüpfung der Metropolregion mit anderen Metropolen. Eine wichtige Rolle spiele auch die demografische Entwicklung in Mitteldeutschland, so Rompf. Hier stehen wachsende Kernstädte Landkreisen und Städten mit schrumpfender Bevölkerung gegenüber. Für wachsende Städte wie Leipzig, Erfurt, Weimar oder Jena hieße dies, bessere Angebote für den zunehmenden Mobilitätsbedarf und das steigende Verkehrsaufkommen zu schaffen. Für schrumpfende Regionen gelte es, Angebote zur Erhaltung und Steigerung der Attraktivität des Umlandes und der ländlichen Regionen zu schaffen.

Kaminabend „Schienenverkehr in Mitteldeutschland - Perspektiven für die Metropolregion“ am 24. April 2018 in der Mädlervilla in LeipzigDie Deutsche Bahn plant für 2019 eine Angebotsverbesserung im Fernverkehr für Erfurt, Weimar, Jena und Gera. Bis 2020 sollen Ausbaumaßnahmen im Güterverkehr die Standortbedingungen der Metropolregion Mitteldeutschland stärken. Mittelfristig angestrebt wird eine bessere Verknüpfung der Region mit Hamburg, sowie mit München und dem Bayerischen Chemiedreieck, dem Ruhrgebiet, den Seehäfen Rotterdam und Antwerpen, aber auch den Märkten in Osteuropa. Zudem erfolgt ein weiterer Ausbau der Flächennetzlinien in Mitteldeutschland. In der Planung befindet sich die Strecke Erfurt–Weimar–Jena–Gera. Ab 2020 ist die Fertigstellung weiterer Abschnitte der Sachsen-Franken-Magistrale geplant, die Dresden und Leipzig mit Hof verbindet.

Prof. Rompf verwies darauf, dass viele deutsche Metropolregionen vor ähnlichen Fragestellungen stünden und unterstrich, dass stets eine „gemeinsame Lösung“ zur Bewältigung der verkehrlichen Herausforderungen in wachsender Metropolregionen notwendig sei. Dabei komme es auf ein gut durchdachtes Verkehrskonzept und eine effektive Kommunikation und Bürgerbeteiligung ebenso an, wie auf die  Einbindung aller Aufgabenträger und Bürger sowie eine Einbettung in andere Infrastrukturmaßnahmen vor Ort. Zudem sei eine länderübergreifende Zusammenarbeit unabdingbar. In der sich anschließenden Diskussion wurden Fragen zur Bedeutung der Verkehrsplanung für den Strukturwandel in Mitteldeutschland und die Finanzierung von Projekten erörtert.

⁞⁞⁞ Impressionen vom Kaminabend „Schienenverkehr in Mitteldeutschland - Perspektiven für die Metropolregion“ am 24. April 2018 in der Mädlervilla in Leipzig (© Die Bildermanufaktur/Steffen Runke) ⁞⁞⁞ 

Zitate

Michael M. Theis
Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft

"Leipzig befindet sich in einer Phase des Aufschwungs. Dieses Wachstum gilt es zu gestalten – und das geht am besten mit Partnern. Unsere Leipziger Gruppe mit den Unternehmen Leipziger Stadtwerke, Leipziger Verkehrsbetriebe und Leipziger Wasserwerke freut sich auf die gemeinsame Arbeit in der Metropolregion Mitteldeutschland."

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