Metropolregion Mitteldeutschland-Strukturwandel in Mitteldeutschland muss Menschen verbindliche Zukunftsperspektiven bieten

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Strukturwandel in Mitteldeutschland muss Menschen verbindliche Zukunftsperspektiven bieten

15.12.2017
Oberbürgermeister Burghard Jung

Die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland hielt am 14. Dezember 2017 ihre Jahreskonferenz ab. Im Fokus stand der Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier und die damit verbundene Perspektive für die soziale, kulturelle und räumliche Entwicklung der Region. Rund 200 Gäste aus der mitteldeutschen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur folgten der Einladung ins sachsen-anhaltische Braunsbedra und diskutierten zukunftsorientierte Ideen zu den Themen Innovation, Industriekultur und Landschaft.

„Der Braunkohletagebau hat die mitteldeutsche Region geprägt wie kaum eine andere in Deutschland. Er hat Arbeit gebracht für Tausende Familien. Er hat aber auch eine geschundene Landschaft hinterlassen, die wir seit Jahren unter großen Anstrengungen in Seen- und Naherholungsgebiete verwandeln. Wir haben also bereits eine gehörige Portion Erfahrung mit der Transformation ehemaliger Industrielandschaften – von der können wir profitieren“, erklärte Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland e.V. in seinem Grußwort. „Die Zukunft des Braunkohletagebaus ist endlich; wir wollen und müssen die anstehenden Veränderungen aber besser gestalten als dies in den 1990er Jahren vielerorts traurige Realität war. Unsere Aufgabe auch als Metropolregion Mitteldeutschland ist es, zusammen mit Bund und den mitteldeutschen Ländern einen sanften Industriewandel zu gestalten, damit die Region auch in 30 Jahren den Menschen eine Heimat bieten kann“, so Jung weiter.

⁞⁞⁞ Foto: Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland e.V. ⁞⁞⁞

Prof. - Dr. Andreas Berkner Regionalen Planungsverband Leipzig-WestsachenIn seinem Impulsvortrag legte Prof. Andreas Berkner, Leiter der Verbandsverwaltung beim Regionalen Planungsverband Leipzig-Westsachsen, die Entwicklung des Mitteldeutschen Braunkohlereviers von 1989 bis heute dar. Er betonte, dass sich im Revier seit den 1990er Jahren ein massiver Strukturbruch vollzogen habe, der einerseits mit Verlusten an Beschäftigung und Wertschöpfung verbunden war und andererseits zu einer nahezu kompletten Erneuerung des hiesigen Kraftwerksparks führte. Berkner ging ebenso auf die bereits erreichten Erfolge in der Region ein: „Im Zuge eines der weltweit größten Rekultivierungsprojekte entstanden attraktive ‚Landschaften nach der Kohle‘, die sich längst zu neuen touristischen Destinationen entwickelt haben. Auch die Industriekultur mit Flaggschiffen wie FERROPOLIS, Pfännerhall, Bergbau-Technik-Park, Kohlebahn oder Herrmannschacht bildet neue Anziehungspunkte.“ Mit Blick auf ein mögliches Auslaufen der Braunkohleförderung sagte Berkner: „Damit steht die Frage, wie dieser Prozess so zu gestalten ist, dass Aspekte der Wirtschaftlichkeit, der Versorgungssicherheit und des Klimaschutzes bei sozialer Ausgewogenheit gleichermaßen gewährleistet werden können.“

⁞⁞⁞ Foto: Prof. Andreas Berkner, Leiter der Verbandsverwaltung beim Regionalen Planungsverband Leipzig-Westsachsen ⁞⁞⁞

Braunkohlenutzung mit erneuerbaren Energien verknüpfen

Eines der Kernthemen der Konferenz war die Auseinandersetzung mit neuen Strategien für Innovation und Wertschöpfung für die betroffenen Teilräume, die die Endlichkeit der Braunkohleförderung notwendig macht. Dabei wurde besprochen, wo sich vorhandene Strukturen für die Themen der Zukunft nutzen lassen und welche Rolle alternative Energien und die stoffliche Nutzung der Braunkohle spielen können. Die Teilnehmer betonen, dass hier auch die soziale und kulturelle Infrastruktur berücksichtigt werden müsse. Einig war man sich darin, dass politische Weichenstellung für die weiteren Schritte entscheidend sei.

Industriekultur als Schlüssel für die soziale Transformation

Im Panel „Industriekultur“ der Konferenz stand die Frage nach der regionalen Arbeits- und Lebenskultur in Mitteldeutschland im Jahr 2040 im Fokus. Dies wurde vor dem Hintergrund der voranschreitenden Urbanisierung und der demografischen Entwicklung diskutiert, wobei letztere gerade im ländlichen Raum enorme Auswirkungen hat. Industriekultur zu gestalten heißt auch, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, so die einhellige Meinung der Teilnehmer. Einig waren sich Redner und Teilnehmer auch darin, dass die Bevölkerung der Region die Veränderungsprozesse aktiv mitgestalten müsse. Eine Chance für die Teilhabe sehe man in der digitalen Vernetzung. Voraussetzung hierfür sei eine gesicherte Breitbandversorgung im ländlichen Raum. Bei einem starken Wandel der Region müssen ebenso die Ängste und Sorgen der Bürger im Blick behalten werden, unter anderem die Frage nach zukünftigen Arbeitsplätzen. Daher gelte es, die Menschen mit einzubeziehen, Bildung und Aufklärung in den Vordergrund zu stellen.

Der Region ein neues Gesicht geben

Einen weiteren Themenbereich der Konferenz stellte die landschaftliche Folgenutzung in den ehemaligen mitteldeutschen Tagebaugebieten dar. Im Panel „Landschaft“ ging es um Impulse für die Wertschöpfung in und mit der neuen Topografie. Ergebnis der Diskussionen war unter anderem, dass man nur mit einer gemeinsamen Vermarktung der einzelnen Teilräume die gewünschte Wahrnehmung erreicht. Auch das Hinterland der bereits neu entstandenen künstlichen Gewässer sollte man das Augenmerk stärker richten. Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass die länderübergreifende Zusammenarbeit schon gut funktioniere, dass es zukünftig aber auch klarer, realistischer und terminierter Ziele bedarf. Bei allen Entwicklungsschritten solle die Zivilgesellschaft stärker mit einbezogen werden. Zudem müsse die Verkehrsinfrastruktur und die finanziellen Rahmenbedingungen in den drei mitteldeutschen Bundesländern einander angeglichen werden. Gefordert wurde, dass die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland eine stärkere Rolle bei der Vermittlung der Inhalte an die Öffentlichkeit spielen solle.

Zitate

Frank Bannert, Landkreis Saalekreis

"Als Landkreis ist es oft allein schwierig, überregional oder gar international in Erscheinung zu treten. Deshalb ist der Saalekreis als wirtschaftsstärkster Landkreis Sachsen-Anhalts Mitglied der Metropolregion Mitteldeutschland. Wir wollen zeigen, was die Region zu bieten hat und neue Impulse setzen."

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