Die Nutzung von Kläranlagen als Standort für Elektrolyseure bietet zahlreiche Chancen und Herausforderungen für die Abfallwirtschaft und Energiewende. Beispielsweise kann durch die lokale Sauerstoffproduktion die Kommunalabwasser-Richtlinie (KARL) effizient umgesetzt werden. Zudem steigert der Verkauf des bei der Elektrolyse entstehenden Sauerstoffs die Wirtschaftlichkeit von Grünem Wasserstoff, was den Ausbau der Wasserstoffwirtschaft beschleunigt und somit die Energiewende unterstützt.
Tobias Richter: „Wenn für den bei der Wasserelektrolyse entstehenden Sauerstoff ein Absatzmarkt entsteht, kann das die Wirtschaftlichkeit von Wasserstoffprojekten deutlich verbessern. Einen solchen Anwendungsfall bietet die vierte Reinigungsstufe von Kläranlagen, in der Sauerstoff gezielt eingesetzt wird. So werden Kläranlagen zugleich zu attraktiven Standorten und möglichen Treibern für Wasserstoffprojekte.“
Foto: Tobias Richter, Projekt- und Clustermanager des HYPOS e.V.
HYPOS unterstütze mit dieser Workshopreihe seine Mitglieder dabei, solche Potenziale gemeinsam mit weiteren Akteuren zu erschließen und Partnerschaften für konkrete Umsetzungsprojekte zu entwickeln, so Tobias Richter weiter. Darüber hinaus trägt der Einsatz von Grünem Wasserstoff zur Defossilisierung schwer umstellbarer Bereiche sowie zur lokalen Energie- und Wärmeversorgung bei.
Doch Genehmigungsprozesse sind oft langwierig und durch komplexe Zuständigkeiten verschiedener Behörden geprägt. Fehlende klare gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen zudem eine rechtliche Unsicherheit. Auch der Mangel an standardisierten Verfahren sowie hohe Umwelt- und Sicherheitsauflagen erschweren die Planung. Zudem stellen hohe Investitionskosten und lange Amortisationszeiten eine Hürde dar. Förderprogramme sind zwar vorhanden, jedoch oft schwer zugänglich oder nicht exakt auf diese Projektart zugeschnitten.
Das Folgewebinar der HYPOS-Veranstaltungsserie „Chancen der 4. Reinigungsstufe – Kläranlagen als Standort für Elektrolyseure“ beleuchtet deshalb die Themen Finanzierung und Genehmigungsprozesse genauer. Experten aus der Praxis schildern ihre Erfahrungen und teilen Informationen aus der Wirtschaft.
Wann: 21. Mai 2025 | ab 09:45 Uhr Check-In, Programmstart: 10:00 Uhr
Veranstaltungsort: online
Zum Hintergrund
Am 10. April 2024 wurde die Kommunalabwasser-Richtlinie (KARL) vom Europäischen Parlament angenommen und am 5. November 2024 vom EU-Ministerrat verabschiedet. Sie stellt eine überarbeitete Fassung der seit 1991 geltenden Richtlinie dar und zielt darauf ab, die Abwasserreinigung in kommunalen Kläranlagen zu verbessern. Die neuen Anforderungen beinhalten eine schrittweise Verschärfung der Grenzwerte bis 2045, wobei der Fokus auf der Entfernung von Mikroplastik und Mikroschadstoffen aus dem Abwasser liegt. Die Verschärfungen sollen nicht nur die Umweltbelastung reduzieren, sondern auch die Effizienz der Kläranlagen steigern – und das möglichst kostengünstig. Ein zentraler Punkt in der Richtlinie ist die Bedeutung von Sauerstoff in den Reinigungsprozessen, um die verschärften Grenzwerte zu erfüllen. Das führt zu einem steigenden Bedarf von Sauerstoff in den Kläranlagen.
Die HYPOS-Veranstaltungsserie in Kooperation mit der Streicher Anlagenbau GmbH und der KYROS HYDROGEN SOLUTIONS GMBH vermittelt die neuen Anforderungen der KARL, stellt Technologieanbieter vor, beleuchtet Genehmigungsprozesse sowie Finanzierung und bietet eine Exkursion zum praktischen Einsatz vor Ort.
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