Metropolregion Mitteldeutschland-Das Bauhaus in Weimar und Dessau

Werkstätten der Moderne: Das Bauhaus in Weimar und Dessau

bauhaus-Schriftzug © 3plusx – fotolia

  • Hintergrund

    1919 ist Walter Gropius mit seinem Bauhaus-Manifest angetreten, um die miefige Lebenswelt von sinnlosem Tand zu befreien, Kunst und Handwerk zu vereinigen und einen „neuen Bau der Zukunft“ zu erdenken.

    Die erste Phase des Bauhauses in Weimar (1919 bis Anfang 1923) – noch vor dem Umzug 1925 nach Dessau – war vor allem gekennzeichnet durch die Konzentration auf neuartige Konzepte in der handwerklich-künstlerischen Ausbildung. Einer Lehre unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Nationalität oder Schulabschluss und in Verzahnung von Wissen und praktischer Umsetzung in den Bauhaus-Werkstätten. In der zweiten Phase ab 1923 und vor allem in der Dessauer Zeit erst begann das heute prägende Bild des Bauhauses als innovative Designschmiede mit ihren progressiven Stil- und Einrichtungsikonen sowie den sichtbaren Zeugnissen der Bauhaus-Architektur.

    Am Ende wirkte doch ein Biedermeier-Produkt am nachhaltigsten in die häusliche Lebenswirklichkeit: Die Tapete. Schon kurz nach der Einführung der „Siedlungstapete“ avancierte sie zum Verkaufsschlager. Neue Formen und Stoffe sollten die Tapete von ihrem bürgerlichen Image befreien und das industriell gefertigte Produkt in neuem Gewand der Avantgarde zuführen – mit Erfolg: Weder der Aschenbecher, noch der Freischwinger trugen so nachhaltig die Ideen des Bauhauses in die Wohnzimmer. Nur 14 Jahre bestand das Bauhaus unter Gropius, Meyer und Mies van der Rohe in Weimar und Dessau, die Impulse wirkten dennoch weit über das Ende des Bauhaus 1933 und Mitteldeutschland hinaus. Künstler wie Lyonel Feininger, Johannes Itten, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Oskar Schlemmer oder László Moholy-Nagy arbeiteten in den Werkstätten. Von hier aus nahm eine Ahnung von einer neuen Zeit plastische Gestalt an: in Architektur, Industrieprodukten, in Malerei, Fotografie, Tanz und auf der Bühne.

  • Vordergrund

    Der zeitweise Anspruch des Bauhausʼ, eine neue Welt ganzheitlich neu zu gestalten, drückt sich exemplarisch in den kubischen Körpern der ehemaligen und heute rekonstruierten Meisterhäuser aus. Sie wurden unter anderem von Ludwig Mies van der Rohe bewohnt. Der Spagat zwischen ästhetischen, erschwinglichen Produkten und weltanschaulichem Anspruch, den das Bauhaus versuchte, wird auch im Handwerk, in der Malerei, in Entwürfen und Objekten deutlich. Sie sind in der Stiftung Bauhaus Dessau zu besichtigen.

    Ganz nach dem Leitspruch des Bauhäuslers Albers „Probieren geht über Studieren“ lädt das Ateliergebäude zum Probeliegen ein. Im sogenannten Prellerhaus kann in historisch rekonstruierten Zimmern genächtigt und dem modernen Minimalismus gefrönt werden. Für's authentische Bauhaus-Gefühl sorgen die Gemeinschaftsduschen.

    Beim Spaziergang durch die Dessauer Innenstadt können Sie die Gropiusallee entlang schlendern, das Umweltbundesamt oder das ehemalige Arbeitsamt, entworfen von Gropius, besichtigen. Die Straßenbahn bringt Sie zur Siedlung Törten, der Absacker wird an der Elbe im Kornhaus getrunken.

    Wer sich sportlich betätigen will, der kann es den beiden Bauhäuslern Schawinsky und Consemüller gleichtun und den „Sprung übers Bauhaus“ wagen. Der Künstler Feininger hielt diesen Sprung vor dem Bauhausgebäude 1927 während eines Fußballspiels mit seiner Plattenkamera fest – unser Tipp für die beste Selfie-Location.

    Das Bauhaus-Museum in Weimar beherbergt heute wieder mehr als 1000 Objekte, dessen Grundstock die nach dem Krieg in Kisten vor der Vernichtung durch das NS-Regime versteckte Sammlung der Werkstattarbeiten des Bauhauses bildet und durch zahlreiche Schenkungen nach 1990 ergänzt werden konnte. Das "Haus am Horn", das erste realisierte Bauhaus-Haus überhaupt , ist nicht weit davon, verbunden mit einem kleinen Spaziergang durch den Park an der Ilm zu finden.

  • Auf dem Weg

    Die beiden Bauhausstätten bilden gleichzeitig auch in anderer Hinsicht ein beeindruckendes UNESCO-Cluster, ob mit dem Biosphärenreservat Mittelelbe, in dem westlich von Dessau der Biber ganz andersartige funktionale Bauten errichtet wurden, während östlicher davon ehrwürdige Eichen im UNESCO Welterbe Gartenreich Dessau-Wörlitzer in aufklärererischer Absicht lauben. Oder in Weimar, dessen größere Bekanntheit die Stadt eher dem Stürmen und Drängen einiger klassischer Kunsthandwerker der deutschen Sprache zu verdanken hat und hierfür ebenfalls eine weitere Welterbe-Urkunde sein eigen nennen darf.

    In Weimar wird man zudem noch an der höchsten Erhebung, dem Ettersberg, kaum vorbeikommen. Weniger weil hier Eckermann, ein enger Vertrauter Goethes mit letzterem feinsinnige (später literarisch kolportierte) Gespräche führte, sondern weil auf diesem Höhenzug die weithin sichtbare Gedenkstätte des NS-KZ Buchenwald die Erinnerung an die Todesmaschinerie des Faschismus wachhält.

  • Allgemeinbildung

    • 1919: Gründung des Bauhauses in Weimar durch den Architekten Walter Gropius
    • 1923: Erste Leistungsschau in Weimar mit dem Weimarer "Haus am Horn"
    • 1924: Änderung der politischen Mehrheiten in Thüringen. Die rechts-konservative Regierung streicht drastisch die Haushaltsmittel und veranlasst das staatliche Bauhaus zu Weimar zum Umzug...
    • 1925: ins anhaltische Dessau mit der Neuaufnahme des Lehrbetriebes Ende März des Jahres.
    • 1926: Einweihung der „Ikone der Moderne“: Die Hochschule für Gestaltung in Dessau wurde von Walter Gropius entworfen, der Bau von der Stadt Dessau finanziert.
    • 1928: Nach wiederholten politischen Anfeindungen von rechts überlässt Gropius Hannes Meyer die Direktion. Zwei Jahre später muss dieser aufgrund seiner marxistischen Ansichten und einer radikaler werdenden Studentenschaft das Handtuch werfen.
    • 1930: Der Architekt Ludwig Mies van der Rohe folgt auf Meyer und versucht, den Lehrbetrieb zu entpolitisieren.
    • 30. September 1932: Auf Beschluss der Dessauer Stadtversammlung und der dortigen nationalsozialistischen Mehrheit muss das Dessauer Bauhaus schließen.
    • Als Privatschule siedelt das Bauhaus nach Berlin über, wird jedoch 1933 endgültig geschlossen.
    • Um 1935: Die Weiße Stadt in Tel Aviv entsteht. Von Los Angeles über Stockholm bis nach Taipei – weltweit verbreiten sich die Ideen, Exponate und Produkte des Bauhausʼ.
    • 1976: Das Bauhausgebäude wird rekonstruiert.
    • 1996: Das Bauhaus wird Welterbe.
    • Heute besitzt die Stiftung Bauhaus Dessau über 40.000 Bauhaus-Exponate.
    • Das weit kleinere Bauhaus-Museum Weimar zeigt Exponate der ersten Bauhaus-Meister.

 

Walter Gropius
Gründer des Bauhaus in Weimar

"Bunt ist meine Lieblingsfarbe."

Kontakt

Bauhaus-Museum Weimar
Theaterplatz 1 
99423 Weimar
www.klassik-stiftung.de/einrichtungen/museen/bauhaus-museum-weimar

Stiftung Bauhaus Dessau
Gropiusallee 38
06846 Dessau-Roßlau
service@bauhaus-dessau.de
www.bauhaus-dessau.de