Metropolregion Mitteldeutschland-Muskauer Landschaftspark

Muskauer Landschaftspark

Neues Schloss Muskauer Landschaftspark © Ugis Riba, shutterstock

  • Hintergrund

    "...Veränderung, Neues bedarf meine Natur in gewissen Intervallen wie die Luft zum Leben." Mit diesem Motto eines Rastlosen hielt Hermann Fürst von Pückler-Muskau so einiges in Atem, seine Leser, seine Geliebte(n), seine Untertanen, vor allem aber die Natur, die mit großer Geste zu formen zeitlebens seine Leidenschaft war. Anschauung und Expertise hinsichtlich seiner Vorstellungen zeitgemäßer Gartenkunst verschaffte er sich im Mutterland des "begehbaren Landschaftsgemäldes" in England. Die als parallele Mission angestrebte Beschaffung immenser Geldbeträge mittels strategischer Einheiratung in die englische Gentry zur Verwirklichung seiner Ideen im heimatlichen Muskau schlug allerdings fehl. Dennoch verhalf ihm das Kollateralprodukt dieser langjährigen Reise: ein patina-freies, herrlich süffisant verfasstes, lebensfrohes Tagebuch zum Durchbruch als Schriftsteller und der notorisch klammen, fürstlichen Schatulle zu einem erfreulichen Pegelstand.

    Das Konzept des "Englischen Gartens" als Gegenmodell zum streng geometrischen Barockgarten in der Tradition feudal-autoritärer Herrschaftsinszenierung war für einen aufgeklärten Adligen wie Pückler "alternativlos", a la mode und Ausweis beneidenswerter Lebenskultur. Idealisiertes Naturgefühl und eine von der Malerei beeinflusste Naturimitation gelten im Landschaftsgarten des 19. Jahrhunderts als Ausdruck fortschrittlichen, liberalen Denkens und als romantisch-zeitgeistlicher Empfindungsort.

  • Vordergrund

    Zunächst einmal ist der Pücklersche Landschaftspark Muskau beeindruckend: aufgrund seiner Vielfalt und Größe – über acht Quadratkilometer in Deutschland und Polen –, zum anderen wegen der gewaltigen Leistung derer, die nach all den Zerstörungen durch Krieg und Vernachlässigung in einer Rekordzeit ab 1995 Gebäude und Anlagen des Muskauer Parks instandgesetzt haben. Eingebettet in eine natürliche Auen- und Hügellandschaft, durchzogen von der Lausitzer Neiße, bietet die Natur für die teils vehementen Eingriffe des Gartenschöpfers die perfekte "Leinwand". Sichtachsen ist das Zauberwort der englischen Gartenarchitektur, so auch hier, gelenkt von Baumgruppen, architektonischen Landmarken und großzügigen Rasenflächen, unterbrochen von mäandernden Bächen und stillen Seen. Verschlungene Pfade führen im Tal durch lichte Laubwäldchen und Blumenkompositionen, auf der "wilderen" Ostseite, auf den Hängen oberhalb des Neißetals verbinden veritable Waldwanderwege die Goldene Höhe mit der Mausoleumsterasse und immer wieder mächtigen historischen Eichen. Auf der Westseite mit Altem und Neuen Schloss, Kavaliershaus, Orangerie und Schlosspark überwiegt hingegen das "arkadische" Element des fürstlichen Naturdesigns. Hier findet sich denn auch die Top-Selfie-Location an den beiden lässigen Bronzelöwen vor dem Neuen Schloss, ob als gesichtsrahmender Vordergrund für die Schlosskulisse oder schweifwärts in die freie Landschaft von der Schlossterasse aus.

  • Auf dem Weg

    Unmittelbar an das Städtchen Muskau grenzt eine weiterere, seit 2015 ausgezeichnete, UNESCO-Preziose mit dem Geopark Muskauer Faltenbogen / Łuk Mużakowa. Eine hufeisenförmige eiszeitliche Stauchendmoräne – dort also wo den gewaltigen Gletschern die Puste ausging –, kommen Liebhaber geologischer Ausnahmeerscheinungen voll auf ihre Kosten. Ein bisschen weiter im Westen wird das industrielle Kontrastprogramm zur arkadischen Beschaulichkeit. Der Name ist hier Programm: Schwarze Pumpe! Das Kraftwerk nebst Industriepark bietet Sichtachsen ganz anderer Dimension, nicht unbedingt die erfreulichsten, aber Bestandteile dieses Landstriches. Ein anderer, leider meist verdrängter "Bestandteil" der Lausitz ist seine sorbische Bevölkerung, die zwar als nationale Minderheit anerkannt ist, aber doch im wesentlichen als (überflüssige) Folklore, auch schon von Pückler oder der preußischen Minderheitenpolitik, betrachtet wird. Zwischen der Stadt Bautzen, heimliche Hauptstadt der Sorben und auf alle Fälle einen Besuch wert, findet sich eine einzigartige Kulturlandschaft, die sich neben den industriellen Zerstörungen durch den Braunkohleabbau behauptet und bewahrt hat und sich ebenfalls mit einem UNESCO-Titel schmücken darf: Dem Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft – auf jeder Landkarte sofort erkennbar durch den unüberschaubaren Flickenteppich blauer Rechtecke.

  • Allgemeinbildung

    • Der Fürst-Pückler-Park Bad Muskau ist mit Gesamtfläche von 830 Hektar der größte Landschaftspark Zentraleuropas im englischen Stil. Er liegt zu etwa einem Drittel bei Bad Muskau, der größere Teil des Parks östlich der Lausitzer Neiße und nördlich der Stadt Łęknica (Lugknitz) in Polen.
    • 1815 ruft Pückler die Bürger von Muskau zur Anlage eines Landschaftsparks auf. Er erwirbt Grundstücke zur Schaffung eines geschlossenen Parkareals.
    • 1819 tritt Pückler in Kontakt zu Karl Friedrich Schinkel, der Planungen für Parkarchitekturen zeichnet.
    • 1820-1844 nimmt der Park Gestalt an: Wege, Bäche,Seen und Inseln werden angelegt, Brücken, Auffahrten gebaut, Gebäude errichtet, umgestaltet und abgerissen, bis zu 40 Jahre alte Bäume gepflanzt, die Parkanlage beständig erweitert.
    • 1845: Pückler muss Muskau aufgrund finanzieller Engpässe verkaufen. Er zieht mit seiner Frau Lucie auf den Erbbesitz Branitz, welchen er ebenfalls in einen Landschaftspark verwandelt. Seine Nachfolger erweitern beständig das Muskauer Parkareal.
    • 1931 werden 241 Hektar des Hauptparks zum Naturschutzgebiet "Muskauer Park" deklariert.
    • 1945 erklärt das Potsdamer Abkommen die Lausitzer Neiße zur Grenze zwischen Polen und Deutschland. Wenige Tage nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird das Neue Schloss geplündert und brennt bis auf die Grundmauern nieder.
    • 1965 beginnen die Maßnahmen zum Wiederaufbau des Alten Schlosses, welches im Zweiten Weltkrieg beschädigt wurde.
    • 1989 wird im Dezember ein Vertrag zur Pflege des gesamten Pückler-Parks zwischen dem polnischen Ministerium für Kultur und Kunst und dem Institut für Denkmalpflege Berlin unterzeichnet.
    • 1995 wird die "Stiftung Fürst-Pückler-Park" gegründet – Sanierungsbeginn.
    • 2004 erhält der Muskauer Park/Park Mużakowski die Anerkennung als UNESCO-Welterbestätte.

 

Fürst Hermann von Pückler-Muskau

"Ein Garten ist ein Gegenstand der Kunst allein."

Kontakt

Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau"
Tourismuszentrum Muskauer Park
Neues Schloss
02953 Bad Muskau
T. 03 57 71 / 6 31 00
F. 03 57 71 / 6 31 09
info@muskauer-park.de
www.muskauer-park.de