Metropolregion Mitteldeutschland-Wartburg und Umgebung

Wartburg und Umgebung

Die Wartburg © Stadt Eisenach

  • Hintergrund

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert: Wo, wenn nicht auf der Wartburg in Eisenach, lässt sich das nachempfinden? Immerhin vertrieb hier Luther den Teufel mit Tinte.

    Die auf einem 400m hohem Felsplateau thronende Anlage: Sie gilt als Urburg der Deutschen wenn auch versehen mit späterer Verklärungsoptik. Auch urdeutsche Mythen und Geistesgeschichten entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte am einstigen Hort der Thüringer Landgrafen. Als thüringische Landesmutter wurde Elisabeth hier im Hochmittelalter zur Heiligen und – konfessionsübergreifenden – Ikone christlicher Wohltätigkeit und Nächstenliebe. Vorher noch, anno 1206, soll sich auf der Wartburg ein legendärer, ganz weltlicher Wettstreit zugetragen haben, dem in der Spruchsammlung »Sängerkrieg auf der Wartburg« ein Denkmal gesetzt wurde. Sechs sanftstimmige Barden, darunter Popstars wie Walther von der Vogelweide, sollen um die Gunst des Gastgebers gebuhlt haben.

    Als Junker Jörg der kaiserlichen Verfolgung entzogen, übersetzte Luther auf der Burg das neue Testament, ein Text, der als Grundlage einer einheitlichen deutschen Sprache gilt. Hier traf der Reformator den Gehörnten – mit dem Tintenfass. Fama est: In der »Lutherstube« wurde der Fleck, den die Teufelsaustreibung angeblich hinterließ, beständig erneuert. Heute bleibt die exakte Lokalisierung der Imagination überlassen, aber für diese Übung ist die ganze Wartburg ein vortreffliches Ziel.

    Wagner, Klangführer der deutschen Seele, machte die Burg folgerichtig zum Schauplatz seiner »Tannhäuser«-Oper und griff hierbei auf eine entsprechende Volksballade um den sündig lockenden Venusberg zurück.

  • Vordergrund

    Das Burgensemble wird Sie als originelles Amalgam aus Romanik, Gotik, Renaissance und Historismus überraschen. Wesentliche, das Wartburgbild auf den ersten Blick prägende Elemente wie Bergfried und Torhalle, wurden erst im 19. Jahrhundert errichtet und romantisierend mittelalterlich »nachempfunden«. So wurde die Befestigungsanlage zur Trutz- und Museumsburg des deutschen Historismus und diente auch als Vorlage für einen anderen Sehnsuchtsort: Schloss Neuschwanstein.

    Über die Zugbrücke geht es in die Torhalle. Das riesige Tor passieren Sie durch ein Pförtchen namens Nadelöhr, das schon Luther kannte. Dann erreichen Sie Vogtei und Ritterhalle, die wie die Ringmauern, aus dem 14. und 15. Jahrhundert erhalten sind. Die Hofburg mit Palas bilden den Kern der Anlage, der Sie mit reicher Bauzier nicht nur fasziniert, wenn Sie Spezialist für die Spätromanik sind. Der mittelalterlich erhaltene Südturm entlohnt seine Bezwinger mit herrlicher Aussicht auf Eisenach und seine Umgebung.

  • Auf dem Weg

    Besuchen Sie die Burg außerhalb der Saison, idealerweise am 23. Dezember. Das schafft hohe Exklusivität bei den Führungen und Intensität der Atmosphäre, in die Sie sich fast ungestört einfühlen werden.

    Top Selfie-Location: Vom Katzensprung aus haben Sie einen schönen Blick auf die Wartburg. Der nicht überlaufene Aussichtspunkt ist ausgeschildert und Sie erreichen ihn entspannt über die Sängerwiese.

    Wollen Sie Goethes Spürsinn nachfolgen, dann durchstreifen Sie die Hörselberge, die sich vor den Toren Eisenachs erstrecken. Goethe, der auch den Wiederaufbau der ruinösen Wartburg anregte, fand in der Hügelkette erkenntnisreiches Material für seine Naturstudien. Hier kann sich der Wanderer an der Schau ins Land erfreuen und die Eisenacher Mehlbeere bestaunen. Auch der Wagner inspirierende Venusberg wird mit den Hörselbergen identifiziert – seien Sie also vor Verlockungen auf der Hut!

    Vor jenem schwarzen Drachen, der regelmäßig die Stadtbewohner um Jungfrauen erpresste, sind Sie heute außer Gefahr. Das Untier lebte in der nahegelegenen Drachenschlucht. Nur knapp 200 Meter lang ist die Klamm, die den Romantiksuchenden eine andere Welt offenbart. Die engste Stelle des fast unheimlichen Stücks Natur ist gerade 70 Zentimeter breit. In moosbewachsener Enge müssen Sie mitunter über den Weg versperrende Bäume steigen und sich vor die überhängenden Wände hinab laufenden Rinnsalen in Acht nehmen. St. Georg, deshalb auch Eisenacher Schutzpatron und Marktbrunnenfigur, erschlug den Lindwurm der Sage nach. Dazu brauchte der heilige Rittersmann noch das Schwert – die Überlieferung aber besorgte die Feder.

  • Allgemeinbildung

    • 1080: Ersterwähnung in Brunos Buch vom Sachsenkrieg
    • 1130: Die Ära der einflussreichen Thüringer Landgrafen bricht an.
    • 1206: Auf dieses Datum wird der fiktive Sängerkrieg auf der Wartburg datiert.
    • 1211-1228: Die heilige Elisabeth lebt am Landgrafenhof.
    • 1247: Heinrich Rapse, letzte Landgraf von Thüringen und deutscher König, stirbt auf der Wartburg.
    • 1521: Unter Reichsacht gestellt, versteckt sich Martin Luther auf der Wartburg.
    • 1777: Johann Wolfgang Goethe besucht die Burg.
    • 1817: Das Wartburgfest der Burschenschaften gilt als erste bürgerlich-demokratische Versammlung in Deutschland
    • 1838-1890: Wiederherstellung der Burg
    • 1952-1954: Umfangreiche Baumaßnahmen, u.a. findet ein re-romanisierender Teilrückbau des Palais statt
    • 1999: Die Wartburg wird Welterbe.

 

Ludwig Bechstein, Schriftsteller (1801-1860)

"Wo tief in Waldeinsamkeit
Süßklingende Gesänge schallen;
Wo Sagenflüstern, Sagenmund
Gibt hohe Vorzeit-Wunder kund."

aus "Die Wartburgfahrt"

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