Der Blick unter die Oberfläche: KI-Bodenradar aus Altenburg

27. März 2026
Was verbirgt sich unter der Erde? Für die erfolgreiche Umsetzung von Bauprojekten und Infrastrukturmaßnahmen ist diese Frage entscheidend. Eine innovative Antwort darauf entwickelt derzeit das Unternehmen OKM in Altenburg: ein neuartiges Bodenradarsystem, das mithilfe künstlicher Intelligenz unterirdische Strukturen sichtbar macht und automatisch auswertet. Das Projekt wird im Rahmen von UNTERNEHMEN REVIER gefördert.

Wie Bodenradar funktioniert

Grundlage des Projekts ist ein modernes SFCW-Bodenradarsystem (Stepped Frequency Continuous Wave). Diese Technologie sendet kontinuierliche Signale über verschiedene Frequenzstufen hinweg in den Boden. Treffen die Hochfrequenzwellen auf unterschiedliche Materialien oder Strukturen, werden sie reflektiert. Aus diesen Reflexionen entsteht ein sogenanntes Radargramm. Dies ist eine visuelle Darstellung, was sich unter der Oberfläche befindet. Die Auswertung der Bilder war bislang aufwendig und erforderte viel Erfahrung.

Der entscheidende Fortschritt des Altenburger Projekts liegt in der automatisierten Auswertung dieser Daten. Während die Interpretation der Radargramme bislang viel Erfahrung und Zeit erforderte, übernehmen nun spezialisierte, KI-gestützte Algorithmen diese Aufgabe.

„Zum einen entwickeln wir ein fortschrittliches Bodenradarsystem und zum anderen bauen wir spezielle Algorithmen, damit diese Radargramme – die visuellen Darstellungen – automatisch analysiert werden können“, erklärt Stephan Grund, Managing Director bei OKM.

Radargramm von Sand | Foto: OKM GmbH

Ein konkretes Praxisbeispiel: Auf Baustellen kann das System direkt vor Ort auswerten, in welcher Tiefe sich z.B. Leitungen, Hohlräume oder andere Strukturen befinden. Die KI unterstützt dabei, Ergebnisse schneller und präziser zu interpretieren. Das spart Zeit, erleichtert Entscheidungen und ermöglicht einen effizienteren Einsatz von Fachwissen.

Das Projekt profitiert stark von den rasanten Fortschritten in der Halbleitertechnologie und im Bereich künstlicher Intelligenz. Gerade der Chipmarkt hat sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt.

„Es gab in den letzten zwei Jahren – unter anderem durch KI – massive Entwicklungen in unserem Fachbereich. Das hat uns positiv überrascht, denn jetzt können wir teilweise Dinge umsetzen, über die wir vor zwei Jahren, als wir den Projektantrag geschrieben haben, überhaupt nicht nachdenken konnten“, berichtet Stephan Grund, Managing Director bei OKM.

Das Ergebnis: neue technische Möglichkeiten und deutlich leistungsfähigere Analyseverfahren für Radardaten.

Herausforderungen bei der Chipbeschaffung

Die schnelle technologische Entwicklung bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Leistungsfähige Chips sind weltweit stark nachgefragt. Außerdem sorgen technologische Fortschritte in dem Fachbereich dafür, dass sich die Chips immer weiterentwickeln.

Für das Projekt bedeutet das: Die Elektronik muss so entwickelt werden, dass auch zukünftige Chipgenerationen integriert werden können, ohne das gesamte System neu konstruieren zu müssen.

Starkes Interesse aus Wirtschaft und Wissenschaft

Bereits während der Entwicklungsphase stößt die Technologie auf großes Interesse. Nicht zuletzt, weil ein vergleichbares System auf dem Weltmarkt bislang nicht verfügbar ist.

Zu den interessierten Partnern gehören unter anderem Ingenieurkammern, die prüfen, wie Ingenieurinnen und Ingenieure die Technologie künftig einsetzen können. Auch Hochschulen suchen den Austausch mit dem Unternehmen.

Für Praxistests arbeitet OKM mit mehreren Partnern zusammen:

  • der Stadt Meuselwitz
  • einem Tiefbauunternehmen aus Wandlitz
  • sowie einem Tiefbauunternehmen aus dem Altenburger Land

 

Gemeinsam testen sie das System direkt auf Baustellen und entwickeln es anhand praktischer Erfahrungen weiter.

Das Bodenradarsystem im Einsatz | Foto: OKM GmbH

Hightech-Arbeitsplätze für die Region

Neben der technologischen Innovation hat das Projekt auch eine wichtige wirtschaftliche Dimension. Produktion und Vertrieb sollen langfristig am Standort Altenburg erfolgen – und damit neue Perspektiven in einer Region schaffen, die sich im Strukturwandel befindet.

„Es ist ganz wichtig, attraktive Jobs in der Region zu schaffen. Wir ziehen Leute aus der Leipziger Region, aus der Region Chemnitz oder der Zwickauer Region zu uns nach Altenburg. Ich halte es für entscheidend für den Strukturwandel, dass wir zeigen, dass wir auch in Altenburg an modernsten Dingen arbeiten und es hier auch High-Tech Jobs gibt“, betont Stephan Grund.

Neue Fachkräfte, innovative Technologien und neue Kundinnen und Kunden stärken damit nicht nur das Unternehmen selbst, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region.

Fest steht: Projekte wie das KI-gestützte Bodenradar zeigen, wie Hightech-Innovation und Strukturwandel zusammenwirken können – und dass auch kleinere Standorte eine wichtige Rolle bei Zukunftstechnologien spielen.

Förderung und Hintergrund

Das Projekt Bodenradar mir Radargramm wird im Rahmen des Bundesmodellvorhabens UNTERNEHMEN REVIER mit einer Fördersumme von 194.140 Euro gefördert. Mit dem Bundesmodellvorhaben leistet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gemeinsam mit regionalen Partnern einen aktiven Beitrag zum Strukturwandel in den deutschen Braunkohleregionen. Im Mitteldeutschen Revier übernehmen der Burgenlandkreis und die Aufbauwerk Region Leipzig GmbH als Abwicklungspartner in enger Zusammenarbeit mit der Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH als Regionalpartner eine zentrale Rolle bei der Umsetzung des Förderprogramms.

Weitere Informationen

Projektsteckbrief Bodenradar mit Radargramm

Webseite UNTERNEHMEN REVIER

Webseite OKM GmbH

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