„Wir haben damals gesehen, dass es in der Region Handlungsbedarf gibt – gerade in der Verbindung von Tourismus, Gastronomie und regionaler Erzeugung“, erinnert sich Dr. Dieter Heider, Mitinitiator des Projekts und landwirtschaftlicher Unternehmensberater.
Foto: Dr. Dieter Heider
Gefördert durch das Modellvorhaben UNTERNEHMEN REVIER, lief von 2021 bis 2022 eine Projektphase, in der Heimatgenuss Mitteldeutschland e.V. ein flächendeckendes, länderübergreifendes „Genusstourismus-Konzept“ entwickelte. Damit entstanden neue Netzwerke zwischen Gastronomen, Einzelhändlern, regionalen Genussanbietern und Manufakturen – mit dem Ziel, die Attraktivität des Mitteldeutschen Reviers zu stärken und Fachkräfte in der Region zu halten.
Schon zu Beginn war die Resonanz groß: „Die Begeisterung war überall spürbar – bei Erzeugern, Gastronomen, Touristikern“, erklärt Christine Klauder, Vorsitzende des Vereins, Projektleiterin und Herausgeberin des Mitteldeutschen Genussführers. Auch nach dem Förderende 2022 blieb das Netzwerk lebendig: Die Mitgliederzahl verdoppelte sich und neue Formate entstanden aus Ideen der Regionen selbst.
Foto: Christine Klauder
„Wenn man die mitteldeutsche Unternehmen Revier Region mit einem Garten vergleicht, so haben wir in allen Regionen Samen für eine stärkere länderübergreifende Genusswahrnehmung und -Ausrichrung gelegt. Und bis heute kommen immer wieder neue gemeinsame Pflanzen dazu-Aktuelles Beispiel war die tolle Präsentation der Welterberegion als Heimatregion 2025 bei dem von uns und Slow Food mit veranstalteten Koch Kunst Fest Leipzig von Domenik Brähler mit 14 Spitzenköchen aus nicht nur Leipzig und sondern jetzt auch Mitteldeutschland. Um die „Gärtner & Branchen“ in der Unternehmen Revier-Region noch stärker zu unterstützen präsentierten wir beim Festival auch erstmals unsere www.gastrohelden.team Expertenplattform mit Gastrospezialisten und „unterstützenden Helden“ aus ganz Mitteldeutschland“, beschreibt Christine Klauder bildhaft.
Vielfalt auf dem Teller – Formate mit Geschmack
Ob „HeimatMenü“, das Genussfestival in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, bei dem ausgewählte Restaurants kreative Qualitätsküche mit mindestens fünf regionalen Zutaten präsentieren, die „Picknick-Safaris“ als kulinarische Entdeckungsreisen, die „HeimatSchaufenster“ als kulinarische Erkundungstour zu heimischen Produkten, Heimatgenuss-Lounges auf Messen oder Brainstormingtreffen mit Erzeugern – die Formate sind vielfältig und immer regional verankert. Sie bringen regionale Produkte in den Alltag, in die Schaufenster und auf die Teller. Besonders beliebt: die „Heimatgenuss-Kisten“ und die Heimatgenuss-Getränkekarten die Spezialitäten aus sechs Regionen direkt nach Hause oder zum Lieblingsgastgeber bringen.
Mit inzwischen über 43 teilnehmenden Unternehmen beim Heimatmenü, 260 beim Genussradar und mehr als 100 bei der Picknick-Safari erreicht der Verein eine wachsende Zahl von Menschen in der Region. „Das ist für uns alle eine ganz große Freude, weil wir seit fast drei Jahren mit ungebremster Power mit unserem engagiertem Vereinsteam und vielen begeisterten Partnern ausschließlich ehrenamtlich arbeiten“, so Christine Klauder.
Strukturwandel mit Geschmack
Doch die Herausforderungen bleiben, betont Dr. Dieter Heider: „Alle Akteure – Handel, Gastronomie, Erzeuger – stehen unter hohem Kostendruck. Energie- und Personalkosten steigen, Umsätze stagnieren. Der Fachkräftemangel, vor allem in der Gastronomie, ist gravierend. Und die Bürokratie hemmt zusätzlich. Viele Betriebe berichten, wie langwierig Genehmigungen sind und wie oft sie kontrolliert werden – das macht es schwer, selbstständig zu bleiben.“
Genau hier setzt Heimatgenuss an: durch persönliche Kontakte, gemeinsames Lernen und praktische Lösungen. Die wirtschaftliche Wirkung ist spürbar – neue Partnerschaften zwischen Handel, Gastronomie und Produzenten stärken die regionale Wertschöpfung.
„Das Projekt wirkt identitätsstiftend – gerade in den Braunkohleregionen, wo es oft an positiver Selbstwahrnehmung fehlt“, ergänzt Dr. Dieter Heider.
Genuss als Türöffner
Auch überregional stößt Heimatgenuss auf Interesse: Ministerien, Stadtmarketinginitiativen und Einzelhandelsverbände suchen den Austausch. Besonders stolz ist der Verein auf die Einladung in eine Arbeitsgemeinschaft der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). „Wir werden oft als Impulsgeber gesehen – das ist eine große Wertschätzung“, berichtet Christine Klauder. Ein Beispiel: Beim Kochkunstfest Leipzig trat Heimatgenuss gemeinsam mit Slow Food Leipzig-Halle als Hauptpartner auf – ein weiterer Beweis, dass Genuss verbindet: „Projekte wie Heimatgenuss, Unternehmen Revier und die Arbeit der Metropolregion Mitteldeutschland haben geholfen, Gräben zu überwinden – zwischen Stadt und Land, Generationen und politischen Haltungen“, erklärt Christine Klauder. Heimatgenuss wirkt identitätsstiftend, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Es zeigt: Wo Genuss ist, ist auch Gemeinschaft. Zum 5-jährigem Geburtstag werden am 1.12. unter dem Motto „7 auf einen Streich“ um 17 Uhr im Cafe Wagner startend und weiter 18 Uhr im Cafe Arnold gleich 7 neue Projekte wie z.B. die Leipziger FrauenGenussRoute, Heimat-Weinkarte, Arnolds Heimatschaufenster & Heimatfrühstück u.v.m. vorgestellt. Genussinteressierte können sich unter info@heimatgenuss.org anmelden.
Zum Hintergrund
Mit dem Bundesmodellvorhaben UNTERNEHMEN REVIER leistet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gemeinsam mit regionalen Partnern seit 2017 einen aktiven Beitrag für den Strukturwandel in den vier deutschen Braunkohleregionen. Mit den direkt für Unternehmen zur Verfügung stehenden Fördermitteln sollen innovative und umsetzungsorientierte Projekte zur Gestaltung des Strukturwandels gefördert werden. Ziel ist es, die Regionen bereits jetzt attraktiv für alternative Wertschöpfungsketten zu machen und die Wirtschaftskraft zu stärken. Bei der Umsetzung des Förderprogramms UNTERNEHMEN REVIER haben der Burgenlandkreis und das Aufbauwerk Leipzig GmbH als Abwicklungspartner in enger Zusammenarbeit mit der Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH als Regionalpartner eine Schlüsselrolle für das Mitteldeutsche Revier inne.
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