Ostdeutschland frühzeitig positionieren: Neue Plattform für den Umgang mit industriellem CO₂ gestartet

05. Juni 2025
Mit dem heutigen Start der CCUS-Initiative Ostdeutschland in Leuna setzen die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland und das House of Transfer des Fraunhofer IWES ein klares Signal: Ostdeutschland will sich aktiv in den bundesweiten Dialog zur CO₂-Abscheidung, -Transport, -Nutzung und -Speicherung (CCUS) einbringen und dabei eigene Potenziale und Bedarfe sichtbar machen. Die Initiative reagiert auf die wachsende Bedeutung von CCUS in der bundesdeutschen Wirtschafts- und Umweltpolitik. Sie zielt darauf ab, eine Stimme für die Region zu sein, und möchte damit die Grundlagen für spätere Projekte und Vorhaben schaffen. Zu diesem Zweck organisiert die Initiative Austauschformate zwischen Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik, stößt gemeinsam mit ihren Partnern Studien an und fördert den Wissenstransfer. Dabei stehen insbesondere ostdeutsche Industriezweige mit unvermeidbaren, prozessbedingten Emissionen im Mittelpunkt, wie beispielsweise die regionale Kalk-, Zement- und Chemieindustrie.

Der Aufbau einer regionalen CO₂-Wertschöpfungskette wirft zahlreiche Fragen auf, die bereits heute konkret zutage treten. Zu klären sind unter anderem rechtliche und kommerzielle Rahmenbedingungen, die gesellschaftliche Akzeptanz und der Aufbau der Infrastruktur.

„Genau deshalb braucht es eine Initiative wie unsere. Viele dieser Fragen wurden bisher nicht aus ostdeutscher Perspektive durchdekliniert“, sagt Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland. „Hier setzen wir an: mit einer Plattform, die die Kompetenzen aus unserer Region bündelt, regionale Bedarfe sichtbar macht und Raum für gemeinsamen Austausch ostdeutscher Emittenten, Infrastrukturbetreiber und weiterer relevanter Akteure schafft.“ Das Ziel besteht darin, Ostdeutschland frühzeitig auf eine mögliche CO₂-Wertschöpfung vorzubereiten. Dies soll durch eine fundierte Faktenbasis und eine gemeinsame ostdeutsche Kommunikationslinie erreicht werden.

Ein weiterer Schwerpunkt wird der Austausch mit Zivilgesellschaft und Politik sein: „Mit der Initiative wollen wir in den Dialog gehen, gerade bei Themen wie CO₂-Abscheidung und -Nutzung, die mit neuen Infrastrukturen und gleichzeitig zahlreichen Fragen verbunden sind. Wenn wir Wasserstoff und Kohlenstoff gemeinsam denken und diese Kopplung in die Umsetzung bringen wollen, gelingt dies nur miteinander“, sagt Manja Polednia, Projektleiterin des House of Transfer und Gruppenleiterin Stakeholdermanagement am Fraunhofer IWES. „Ziel ist es, zum Erhalt der regionalen Wertschöpfung und einer erfolgreichen Transformation zur Klimaneutralität beizutragen.“

Auch das Land Sachsen-Anhalt sieht in der Initiative einen wichtigen Hebel zur Stärkung der regionalen Industrie. Staatssekretärin Stefanie Pötzsch erklärt dazu: „Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt regionale Initiativen wie die CCUS-Initiative Ostdeutschland ausdrücklich, weil wir uns damit länderübergreifend mit anderen Akteuren entlang der gesamten CO2-Wettschöpfungskette vernetzen. Unser Ziel ist es, der energieintensiven Industrie in unserem Land Zukunftsperspektiven vor Ort zu geben, um gut bezahlte Arbeitsplätze und Wohlstand in der Region weiter zu halten.“

Die Relevanz der Initiative zeigt sich auch in der Industrie. Unternehmen wie die SCHWENK Zement GmbH & Co. KG bringen sich aktiv ein, um die klimafreundliche Transformation in Ostdeutschland mitzugestalten. „Als Familienunternehmen mit einem klaren Bekenntnis zu nachhaltigen Baustofflösungen sehen wir in der CCUS-Initiative Ostdeutschland einen wichtigen Baustein für die klimafreundliche Transformation der Industrie“, erklärt Prof. Dr. Georg Locher, Geschäftsführender Direktor Neue Technologien bei der SCHWENK Zement GmbH & Co. KG. „Die Abscheidung, Nutzung und Speicherung von CO₂ ist für die Zementbranche ein zentraler Hebel zur Erreichung der Klimaziele. SCHWENK engagiert sich daher aktiv in der Entwicklung und Umsetzung innovativer Technologien, um CO₂-Emissionen signifikant zu reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Ostdeutschland zu stärken“, so Prof. Dr. Georg Locher weiter.

Zum Start führt die Initiative eine volkswirtschaftliche und industrieübergreifende Betrachtung der Rahmenbedingungen für den Aufbau eines industriellen CO₂-Sammel-, Verteil- und Inselnetzes in Ostdeutschland durch. Diese Betrachtung bietet eine Faktenbasis zu CO₂-Quellen und -Senken mit Nutzungsoptionen in Ostdeutschland und dient dazu, eine konsistente Bedarfslage Ostdeutschlands zu ermitteln und Standortnachteile vorzubeugen. Dabei werden auch dezentrale CO₂-Quellen berücksichtigt, die bisher wenig beachtet wurden, wie etwa biogene Emissionen aus Müllverbrennungs- oder Biogasanlagen.

„Die Diskussion über CCUS darf sich nicht auf technologische Visionen beschränken. Sie muss auch die tatsächlichen Voraussetzungen und Interessen einer ostdeutschen industriellen Wertschöpfung abbilden”, betont Jörn-Heinrich Tobaben. „Ostdeutschland will nicht zurückfallen, sondern gehört und eingebunden werden, damit wir unsere regionale Wertschöpfung erhalten und weiterentwickeln können.” Ein Anschluss an die Initiative bietet Unternehmen die Chance, ihre eigenen Bedarfe frühzeitig zu adressieren und die Grundlagen für den Aufbau einer CO₂-Wertschöpfung mitzugestalten.

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