Zehn Jahre Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier: Gemeinsam Zukunft gestalten

16. Juni 2026
Vor zehn Jahren begann im Mitteldeutschen Revier ein Transformationsprozess, der die Region bis heute prägt. Was zunächst als Herausforderung durch den bevorstehenden Kohleausstieg wahrgenommen wurde, entwickelte sich zu einem länderübergreifenden Zukunftsprojekt, das neue Perspektiven für Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunen und die Menschen vor Ort eröffnet hat.

Vom Förderprogramm zur Zukunftsstrategie

Von Beginn an setzte das Mitteldeutsche Revier auf Zusammenarbeit über Länder- und Kreisgrenzen hinweg. Die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland schuf gemeinsam mit ihren Partnern eine Plattform für Vernetzung, Strategieentwicklung und gemeinsame Projekte. Einen wichtigen Ausgangspunkt bildete dabei das Förderprogramm UNTERNEHMEN REVIER, das 2017 als erstes und bis heute einziges revierübergreifendes Förderprogramm für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Mitteldeutschen Revier gestartet wurde. Seitdem wurden 81 Projekte mit einem Fördervolumen von rund 11,8 Millionen Euro bewilligt.

Ein weiterer Meilenstein war die Veröffentlichung des REVIERKOMPASS im Jahr 2022. Ihm vorausgegangen war ein mehrjähriger Strategieprozess, den die Gebietskörperschaften des Mitteldeutschen Reviers gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft im Rahmen des Projekts „Innovationsregion Mitteldeutschland“ seit 2018 vorantrieben. Grundlage bildeten 22 Bedarfsuntersuchungen, Machbarkeitsanalysen und regionalwirtschaftliche Studien in fünf Handlungsfeldern, die durch einen breiten Beteiligungsprozess begleitet wurden.

Mit den Zukunftsfeldern Wasserstoff und Grüne Gase, Bioökonomie, Cybersicherheit sowie Lebendige Industriekultur formulierte der REVIERKOMPASS erstmals eine gemeinsame Zukunftsperspektive für das gesamte Mitteldeutsche Revier und stellte länderübergreifende Projekte, Netzwerke und Wertschöpfungsketten in den Mittelpunkt.

„Vor 10 Jahren haben wir uns im Mitteldeutschen Revier gemeinsam mit der Unterstützung der Metropolregion Mitteldeutschland auf den Weg gemacht, den bevorstehenden Strukturwandel anzugehen. „Unternehmen Revier“ war der erste Startpunkt, der uns eine gezielte Förderung von Unternehmen ermöglichte, die später bei dem „Investitionsgesetz Kohleregionen“ so nicht mehr möglich war. Darüber hinaus wissen wir durch die 22 Studien, welche Projekte bei uns realisiert werden können und welche eher nicht. Dies hat uns im Burgenlandkreis bei der Auswahl der Leitprojekte enorm geholfen“, so Landrat Götz Ulrich. 

Menschen gestalten den Wandel mit

Neben wirtschaftlichen und technologischen Zukunftsthemen rückte zunehmend auch die Beteiligung der Menschen vor Ort in den Fokus. Mit dem Ideenwettbewerb REVIERPIONIER unterstützt das Land Sachsen-Anhalt seit 2023 Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Initiativen und Bildungseinrichtungen dabei, eigene Ideen für die Zukunft ihrer Heimatregion umzusetzen. Die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland begleitet den Wettbewerb im Auftrag des Landes Sachsen-Anhalt. Für die Umsetzung der Ideen stehen in jeder Wettbewerbsrunde Preisgelder in Höhe von insgesamt einer Million Euro zur Verfügung.

Der Erfolg des Wettbewerbs spiegelt sich in den steigenden Bewerbungszahlen wider: Während im ersten Wettbewerbsjahr mehr als 300 Projektideen eingereicht wurden, waren es 2026 bereits rund 600 Ideen. Damit hat sich REVIERPIONIER als wichtige Plattform für bürgerschaftliches Engagement und kreative Zukunftsideen im Mitteldeutschen Revier etabliert.

„Der Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier hat in den vergangenen zehn Jahren gezeigt, was möglich ist, wenn eine Region Herausforderungen nicht verwaltet, sondern aktiv gestaltet. Schon früh haben die Akteure des Reviers ihr Schicksal selbst in die Hand genommen und über Länder- und Kreisgrenzen hinweg zusammengearbeitet. Mit UNTERNEHMEN REVIER, dem REVIERKOMPASS und Initiativen wie REVIERPIONIER sind daraus Strukturen entstanden, die weit über einzelne Förderperioden hinauswirken und die Entwicklung der Region nachhaltig prägen“, sagt Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland.

Auch zehn Jahre nach dem Start des Strukturwandels bleibt die Transformation eine langfristige Aufgabe. Gleichzeitig bestehen wichtige Voraussetzungen, um den eingeschlagenen Weg fortzusetzen: Das Förderprogramm UNTERNEHMEN REVIER läuft mindestens bis Ende 2027 weiter, der Ideenwettbewerb REVIERPIONIER wurde bis Ende 2029 verlängert. Gemeinsam mit zahlreichen Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Kommunen und engagierten Bürgerinnen und Bürgern wird die Region den Wandel auch künftig aktiv gestalten.

Hintergrund

Das Mitteldeutsche Revier umfasst Regionen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland begleitet den Strukturwandel seit vielen Jahren als Plattform für länderübergreifende Zusammenarbeit.

Ein wichtiger Baustein war dabei das Projekt „Innovationsregion Mitteldeutschland“. Gemeinsam mit den Landkreisen Altenburger Land, Anhalt-Bitterfeld, Burgenlandkreis, Leipzig, Mansfeld-Südharz, Nordsachsen und Saalekreis sowie den Städten Halle (Saale) und Leipzig entwickelte die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland neue Strategien und Projekte für den Strukturwandel in der Region. Das Vorhaben wurde im Rahmen der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) durch den Bund, den Freistaat Sachsen, das Land Sachsen-Anhalt und den Freistaat Thüringen gefördert.

Zu den zentralen Ergebnissen zählt der 2022 veröffentlichte REVIERKOMPASS, die erste länderübergreifende Strukturwandelstrategie des Mitteldeutschen Reviers. Heute begleiten Programme und Initiativen wie UNTERNEHMEN REVIER und REVIERPIONIER weiterhin die wirtschaftliche, gesellschaftliche und innovative Entwicklung der Region.

Weitere Informationen

Webseite Transformationsregion Mitteldeutschland

REVIERKOMPASS (PDF)

Webseite REVIERPIONIER

Webseite UNTERNEHMEN REVIER

Mehr News

UR connect: Neue Plattform für Vernetzung, Austausch und regionale Wertschöpfung

Mit UR connect startet im Rahmen des Bundesmodellvorhabens UNTERNEHMEN REVIER eine neue Veranstaltungsreihe, die die geförderten Projekte noch stärker miteinander vernetzt und den Austausch über Reviergrenzen hinweg fördert. Ziel ist es, bestehende Kontakte auszubauen, neue Kooperationen anzustoßen und die regionale Wertschöpfung nachhaltig zu stärken.

Mobilität als Standortfaktor: Jahreskonferenz 2026 diskutiert die Zukunft des Pendelns in Mitteldeutschland

Wie kann länderübergreifende Mobilität in Mitteldeutschland weiterhin leistungsfähig und verlässlich gestaltet werden, um das tägliche Pendeln zum Arbeitsplatz oder zur Ausbildung mit dem öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) noch attraktiver zu machen? Diese Frage und vor allem auch der Blick auf die Finanzierung standen im Mittelpunkt der Jahreskonferenz der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland gemeinsam mit dem Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) in der Red Bull Arena Leipzig. Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Verkehrsbranche und Kommunen diskutierten über die Weiterentwicklung regionaler Mobilitätsangebote, die Anforderungen einer starken Pendlerregion sowie die Rolle des Nahverkehrs als Wirtschafts- und Standortfaktor.