Mit rund 3.200 Studierenden, über 30 praxisorientierten Studiengängen und einem breiten Fächerspektrum von Informatik und Technik über Wirtschaft und Soziales bis hin zu Medien und Kultur verbindet die Hochschule akademische Ausbildung mit konkreten Zukunftsthemen. Besondere Spezialisierungen – von Sexologie bis Polymermaterialwissenschaft – machen ihr Profil ebenso vielfältig wie einzigartig.
Im Rahmen unseres Formats „Mitglied des Monats“ haben wir mit der Hochschule Merseburg über ihre Rolle in der Transformation Mitteldeutschlands, aktuelle Forschungsprojekte und ihr Engagement in der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland gesprochen.
Welche Rolle spielt die Hochschule Merseburg für die Entwicklung Mitteldeutschlands – z.B. mit Blick auf Fachkräfte, Innovation und Transformation?
„Mitteldeutschland befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation – wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich. Als Hochschule sehen wir unsere Aufgabe darin, diese Entwicklungen aktiv mitzugestalten.
Wir qualifizieren Fachkräfte für Zukunftsbranchen, wie der Automatisierungstechnik, Chemie und Wirtschaftsinformatik, unterstützen Unternehmen bei Innovationsprozessen und entwickeln gemeinsam mit unseren Partnern Lösungen für die Herausforderungen von Strukturwandel, Digitalisierung und Nachhaltigkeit.
Aktives Mitgestalten meint allerdings mehr: Diese tiefgreifende regionale Transformation ist zugleich ein ganz zentraler Impuls für die Fortentwicklung und Profilierung unserer Hochschule selbst, also ihrer fachlichen Ausrichtung, Schwerpunktsetzung in Forschung und Lehre, Studienangebote, Lehrformen etc.“
Gibt es aktuelle Projekte oder Forschungsthemen, die aus Ihrer Sicht besonders spannend für die Region sind?
„An der Hochschule Merseburg gibt es zahlreiche interessante Forschungsprojekte mit hoher Relevanz für den Strukturwandel und die Transformation Mitteldeutschlands.
Ein spannendes Beispiel ist das Forschungsprojekt „pool-in-loop“. Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie wird hierbei ein innovatives Verfahren für das chemische Recycling von Kunststoffabfällen entwickelt. Ziel des Vorhabens ist es, die bislang überwiegend verbrannten Kunststoffabfälle als wertvolle Rohstoffquelle nutzbar zu machen und so die Grundlage für eine nachhaltige Kohlenstoffkreislaufwirtschaft zu schaffen. Damit leistet das Projekt einen konkreten Beitrag zur Transformation der chemischen Industrie in Mitteldeutschland und trägt dazu bei, dass sich die Region in Anbetracht der endlichen fossilen Ressourcen neu erfinden kann.
Besonders bedeutend ist in diesem Zusammenhang die Ansiedlung des Center for the Transformation of Chemistry (CTC) auf dem Campus der Hochschule Merseburg. Das CTC hat sich zum Ziel gesetzt, die Entwicklung einer klimaneutralen und kreislauforientierten Chemie voranzutreiben. Die enge Verzahnung mit der Hochschule Merseburg und dem Chemiestandort Leuna schafft ideale Voraussetzungen, um Forschungsergebnisse schnell in industrielle Anwendungen zu überführen.
Ebenso zukunftsweisend ist das Projekt NWG@HoMe, in dem drei interdisziplinäre Nachwuchsforschungsgruppen zentrale Herausforderungen des Strukturwandels bearbeiten:
- „Bio-Rohstoffe“
- „Energie: Digital & Dezentral“
- „Zirkuläre Wertschöpfungsprozesse in der Lebensmittelwirtschaft“
Die Gruppe „Bio-Rohstoffe“ untersucht die Potenziale von Nutzhanf als nachhaltigen Rohstoff für neue Produkte und Wertschöpfungsketten. „Energie: Digital & Dezentral“ erforscht die Digitalisierung und Vernetzung zukünftiger Energiesysteme sowie Fragen der Versorgungssicherheit in einer dekarbonisierten Energiewelt. Die Nachwuchsgruppe, „Zirkuläre Wertschöpfungsprozesse in der Lebensmittelwirtschaft“, entwickelt Ansätze zur Vermeidung von Lebensmittelverlusten und zur Etablierung regionaler Kreislaufwirtschaftsmodelle.
Ergänzend dazu engagiert sich die Hochschule Merseburg in der Innovationsregion für die digitale Transformation von Pflege und Gesundheit (TPG). Das Verbundvorhaben ist als Modellregion für das Mitteldeutsche Revier in Sachsen-Anhalt angelegt und verfolgt das Ziel, digitale Innovationen für Pflege und Gesundheitsversorgung gemeinsam mit Wissenschaft, Wirtschaft, Versorgungseinrichtungen und Zivilgesellschaft zu entwickeln und in die Praxis zu überführen. Mit dem an der Hochschule Merseburg angesiedelten Maker- & Education LAB (MEL) werden insbesondere Themen wie assistive Technologien, Robotik und digitale Gesundheitslösungen vorangetrieben.
Die genannten Projekte zeigen, dass sich die Hochschule nicht nur mit der Erforschung von Industrie und Energie befasst, sondern auch mit Zukunftsthemen wie Gesundheit und Pflege beschäftigt und dabei die Untersuchung gesellschaftlicher Akzeptanz durch deren Teilhabe berücksichtigt. Durch die Verknüpfung von Forschung, Innovation und Wissenstransfer entstehen konkrete Lösungen für die wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Transformation der Region.“
Wie nutzen Sie die Mitgliedschaft in der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland und welche Projekte/Themen bringen Sie aktiv in den Verein ein?
„Die Metropolregion Mitteldeutschland ist für uns ein wichtiges Netzwerk, um Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammenzubringen. Die Mitgliedschaft und die Beteiligung an verschiedenen Arbeitsgruppen ermöglicht einen wertvollen Austausch über Zukunftsthemen und regionale Entwicklungsstrategien.
Als Hochschule bringen wir insbesondere unsere Expertise in den Bereichen Fachkräftesicherung, Innovation, Wissenstransfer, Strukturwandel und nachhaltige Transformation ein. Ganz maßgeblich sind wir an der AG Wissenschaft und Forschung der Metropolregion beteiligt, in der die HoMe gemeinsam mit der Universität Leipzig den Vorsitz innehat. Hier wirken wir strategisch auf die gute Vernetzung vornehmlich der Wissenschaftsakteure Mitteldeutschlands hin, um bspw. in zentralen Transformationsthemen wie Chemie und Kreislaufwirtschaft oder Umwelt, Klima und Energie wissenschaftlich und praktisch gestaltend zusammenzuarbeiten. Zudem soll die Sichtbarkeit der Wissenschaft Mitteldeutschlands verbessert werden, nicht zuletzt auch, um die hier ganz praktischen Beiträge zur regionalen Transformation für die Gesellschaft und die Bürger aufzuzeigen.“
Hat sich durch die Mitgliedschaft etwas konkret verändert – etwa neue Kooperationen, Kontakte oder Perspektiven?
„Die Mitgliedschaft stärkt unsere regionale Vernetzung und eröffnet neue Perspektiven für die Zusammenarbeit über institutionelle Grenzen hinweg. Der regelmäßige Austausch mit Partnern aus unterschiedlichen Bereichen schafft Verständnis für gemeinsame Herausforderungen und erleichtert die Entwicklung neuer Kooperationen.
Gerade für uns als Hochschule für Angewandte Wissenschaften sind solche Praxisnetzwerke von großer Bedeutung. Innovationen entstehen heute häufig an den Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.“
Was wünschen Sie sich für die Zukunft Mitteldeutschlands und welche Perspektiven sehen Sie dabei für die Zusammenarbeit innerhalb der Metropolregion Mitteldeutschland – insbesondere aus Sicht einer Hochschule?
„Als Hochschule befördern wir, dass Mitteldeutschland seine Stärken als weltoffene und lebenswerte Innovations-, Wissenschafts- und Wirtschaftsregion weiter ausbaut und die Chancen der aktuellen Transformationsprozesse entschlossen nutzt. Nach unserer tiefsten Überzeugung liegen die Stärken der Region in der vertrauensvollen, offenen Kooperation über Landes- und Sektorgrenzen hinweg.“
„Die anstehenden Aufgaben – von der nachhaltigen Industrie über die Fachkräftesicherung bis hin zur Digitalisierung – lassen sich nur gemeinsam gestalten und lösen. Die Metropolregion bietet hierfür hervorragende Voraussetzungen. Unsere Hochschule und auch die weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen der Region können dabei als Orte des Wissens, der Innovation und des Dialogs wichtige Brücken zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft bauen.“
Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß, Kommissarischer Rektor der Hochschule Merseburg | Quelle: Hochschule Merseburg
Wir danken der Hochschule Merseburg für die spannenden Einblicke sowie ihr langjähriges Engagement in der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland seit 2015.
Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit und darauf, gemeinsam die Wissenschafts- und Innovationsregion Mitteldeutschland weiter zu stärken.