Mobiler Wasserstoff aus der Tube

29. April 2020
Anfang März ist das neue HYPOS-Projekt H2PROGRESS für ein neuartiges Brennstoffzellen-Energiespeichersystem gestartet. Das soll besonders dezentrale, mobile und netzunabhängige Anwendungsmöglichkeiten adressieren.

„Für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende sind Technologieoffenheit und breit gefächerte Anwendungsszenarien für die wasserstoffbasierte Erzeugung, Speicherung und Nutzung von Energie von großer Bedeutung“, erklärt Stefan Bergander, Projektmanager beim HYPOS – Hydrogen Power Storage & Solutions East Germany e.V. „Mit dem Projekt H2PROGRESS erforschen wir deshalb eine weitere Option der Wasserstoffbereitstellung, die in bestimmten Bereichen entscheidende Vorteile gegenüber bisherigen Technologien bietet“, so Stefan Bergander weiter.

Foto: Stefan Bergander, Projektmanager des Wasserstoffnetzwerks HYPOS

Ziel des gemeinsamen Projektes der beiden HYPOS-Mitglieder Fraunhofer Institut für Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung (IFAM) aus Dresden und Siemens AG ist die Entwicklung und Erprobung ein neuartigen Brennstoffzellen-Energiespeichersystem mit 1 kW elektrischer Leistung. Das Besondere ist die Form der Energiebereitstellung durch gebundenen Wasserstoff. Dieser wird üblicherweise gasförmig oder sogar tiefgekühlt flüssig bereitgestellt. Im Projekt H2PROGRESS nutzt man dagegen eine patentierte Entwicklung des Fraunhofer IFAM: die sogenannte POWERPASTE. In ihr ist Wasserstoff als Feststoff in Magnesiumhydrid gebunden und kann bedarfsgerecht bei Raumtemperatur freigesetzt werden. Die völlig ungiftige und sichere POWERPASTE zeichnet sich durch eine sehr hohe Energiedichte bezogen auf Gewicht und Volumen sowie durch eine extrem lange Haltbarkeit aus. So beträgt der Energiegehalt mehr als das Zehnfache heutiger Lithium-Ionen-Batterien.

Durch die schnelle Verfügbarkeit großer Energiemengen bei gleichzeitig geringem Gewicht und die Unabhängigkeit vom Stromnetz eignet sich die Technologie insbesondere für dezentrale und mobile Anwendungen. Zu den zukünftig möglichen Einsatzgebieten der Technologie gehören unter anderem Backup- und Notfallenergiesysteme, Tragbare elektronische Geräte und Ladegeräte, Sensoren, Sonden, Bojen und Lichtsignale sowie die Camping- und Outdoorausrüstung. Das Projekt „H2PROGRESS“ läuft bis Ende 2021 und verfügt über ein Gesamtbudget von 1,5 Millionen Euro.  

Der HYPOS e.V. ist ein Netzwerk für alle Interessierten der Wasserstoffwirtschaft. HYPOS kombiniert mit mehr als 100 Mitglieder die Potenziale innovativer KMU mit den Kompetenzen der Industrie so-wie der Expertise von Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Gemeinsam verfolgen alle HYPOS-Mitglieder das Ziel, eine sektorenübergreifende Grüne Wasserstoffwirtschaft zu etablieren. Aktuell erforschen 32 Projektkonsortien Innovationspotenziale von der Strombereitstellung über Herstellung, Speicherung, Verteilung und Nutzung von Grünem Wasserstoff in den Bereichen Chemie, Raffinerie, Mobilität und Energieversorgung. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Vorhaben im Rahmen des Programms „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“ mit 45 Millionen Euro.

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