Nie wieder Industrie-Roboter im Funkloch

01. Oktober 2021
Die Dresdner Meshmerize GmbH optimiert die WLAN-Versorgung in der Industrie grundlegend. Mit dem weltweit ersten dynamischen Netzwerk, das von mobilen Robotern selbst aufgebaut wird und durch die hohe Anzahl an Verbindungen ausfallsicher ist, hat das StartUp den Clusterpreis Informationstechnologie des diesjährigen IQ Innovationspreis Mitteldeutschland gewonnen. Dieser Beitrag bildet den Abschluss unserer Serie „IQ-Preisträger 2021 im Portrait“.

In immer mehr Fabriken oder Lagerhallen kommen mobile Roboter und Drohnen zum Einsatz, die Dinge von A nach B transportieren. Dabei werden bislang festinstallierte WLAN-Router verwendet, um die Geräte über WLAN oder 5G zu steuern. Bewegt sich der Roboter durch den Raum, wird er folglich von einem WLAN-Router zum nächsten übergeben und mit Netz versorgt. Diese Architektur ist allerdings nicht für schnelle Bewegungen gemacht, was zu Verbindungsabbrüchen und Funklöchern führt. Die Meshmerize GmbH hat sich des Problems angenommen und eine einfache sowie kostengünstige Lösung gefunden: Mesh-Netzwerke. Dabei handelt es sich um WLAN-Netzwerke, die von mobilen Robotern ohne zusätzliche Infrastruktur aufgebaut werden.

„Der Schlüssel unserer Innovation ist eine Software, mit der die Roboter direkt miteinander kommunizieren. Wie ein Spinnennetz bilden sie ein eigenes stabiles Netzwerk, das sich mit den Geräten mitbewegt“, erklärt Frank Gabriel, Technischer Geschäftsführer der Meshmerize GmbH. „Durch die große Anzahl an Verbindungen zwischen den Robotern ist das Netz gegen Ausfall gesichert. Mehr Geräte bedeutete bisher ein langsameres und instabileres WLAN. Mit der neuen Lösung wird dieser Effekt umgekehrt: Je mehr Geräte sich im Netz bewegen, desto stabiler wird es“, so Frank Gabriel weiter.  

Dabei sind Mesh-Netzwerke nichts Neues. „Die Technologie ist schon mehr als 40 Jahre alt. Bisher wurde sie jedoch vor allem dafür genutzt, fest installierte Geräte kabellos zu verbinden. Als vor etwa fünf Jahren neue Forschungserkenntnisse und Methoden hinzugekommen sind, haben wir die Idee entwickelt, Mesh-Netzwerke zu verbessern und sie für neue Anwendungen mit mobilen Robotern einzusetzen“, erläutert Frank Gabriel. Somit können zukünftig auch überall dort stabile Netzwerke entstehen, wo bisher die Infrastruktur fehlt: in großen Industrieanlagen, in der automatisierten Landwirtschaft, bei Rettungseinsätzen und der Rohstoffförderung in abgelegenen Gebieten.

iq-gewinner-2021

Auf dem Weg dorthin hat das StartUp bereits mit zahlreichen namhaften internationalen Instituten zusammengearbeitet, darunter das Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. „In unserem Fachgebiet ist die internationale Zusammenarbeit von großer Bedeutung. Sie fördert insbesondere die Kreativität enorm“, so Frank Gabriel weiter. „Daher achten wir bei der Zusammensetzung unseres Teams auch sehr stark auf Internationalität.“

Dresden sei u.a. aufgrund des guten Rufs der TU Dresden als Exzellenzuniversität als Standort für internationale IT-Talente sehr attraktiv. Die beiden jüngsten Neuzugänge im Team kommen aus Kanada und Tunesien. Der Arbeitsort sei nicht remote, sondern direkt im Team in Dresden, betont Frank Gabriel.

Aktuell konzentriert sich die Meshmerize GmbH, die im vergangenen Jahr aus dem Lehrstuhl für Kommunikationsnetze der TU Dresden ausgegründet wurde, auf die Durchführung diverser Pilotprojekte. So bietet das StartUp beispielsweise Unternehmen „Evaluation Kits“ an, um die Technologie zu testen. Finanzielle Unterstützung bieten dabei Venture Capital-Gesellschaften. Zu den Geldgebern zählt seit Kurzem der Berliner VC Atlantic Labs, der rund eine Million Euro investiert hat. Das langfristige Ziel besteht darin, über Softwarelizenzen Einnahmen zu generieren.

Der Gewinn des Clusterpreis Informationstechnologie beim diesjährigen IQ Innovationspreis Mitteldeutschland hat dem Unternehmen und seinen Mesh-Netzwerken viel Aufmerksamkeit gebracht. „Dank des IQ-Wettbewerbs haben wir deutlich an Bekanntheit gewonnen. Direkt im Nachgang an die Preisverleihung sind Journalistinnen und Journalisten auf uns zugekommen, um über unsere Innovation zu berichten. Durch die positive Berichterstattung konnten wir gleichzeitig das Interesse bei potentiellen Kunden wecken“, freut sich Frank Gabriel.

Die Innovation wird im Video vorgestellt.

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