Veränderung braucht neue Ideen und kluge Köpfe

26. Mai 2023
Die Rolle von Wissenschaft und Forschung für den Strukturwandel in Mitteldeutschland stand am gestrigen Donnerstag im Mittelpunkt der gemeinsamen Jahreskonferenz der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland und des Stifterverbandes in Leipzig. Spitzenforschung, leistungsfähige Hochschulen und innovative Unternehmen sind von zentraler Bedeutung für die Gestaltung der Veränderungsprozesse, so der Tenor unter den rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

„Mitteldeutschland befindet sich inmitten eines komplexen Strukturwandels, vom Kohleausstieg über die Dekarbonisierung der Energie- und Rohstoffbasis der Wirtschaft, den demografischen Wandel bis zur Digitalisierung. Auf diese Herausforderungen gibt es eine grundlegende Antwort: die Fähigkeit und den Willen zu innovativen Lösungen“, erklärt Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland. „Deshalb sind eine leistungsfähige Wissenschaftslandschaft und der schnelle Knowhow-Transfer in die Unternehmen von zentraler Bedeutung für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Region.“ 

„Wenn Wirtschaft und Wissenschaft eng zusammenarbeiten und die Transformation gemeinsam gestalten, dann wird der Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier gelingen“, ergänzt Ulf Heitmüller, Vorsitzender des Vorstandes der VNG AG und Vorsitzender des Landeskuratoriums Mitteldeutschland im Stifterverband. „Die gemeinsame Jahreskonferenz der Europäische Metropolregion Mitteldeutschland und des Stifterverbandes bietet Raum, die notwendigen Akteure aus den Bereichen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und auch Zivilgesellschaft zusammenzubringen, um Brücken für neue Kooperationen zu schaffen.“

Eröffnet wurde die Jahreskonferenz von Ulf Heitmüller und Prof. Dr. Thomas Lenk, Institutsdirektor und Lehrstuhlinhaber der Universität Leipzig, Aufsichtsratsmitglied und Leiter der AG Wissenschaft und Forschung der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland, auf deren Anregung die Idee zur diesjährigen Veranstaltung entstand. In seiner Videobotschaft an die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung unterstrich Carsten Schneider, Beauftragter der Bundesregierung für Ostdeutschland, die besondere Bedeutung von Innovationen für die Strukturentwicklung: “Innovative Regionen sind erfolgreicher. Sie haben eine höhere Wirtschaftskraft, sind wettbewerbsfähiger, schaffen bessere Arbeitsplätze und bieten den Menschen echte Zukunftsperspektiven.“ Deshalb unterstütze die Bundesregierung Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen dabei, regionale Innovationspotenziale zu entwickeln. „Die Metropolregion Mitteldeutschland verfügt über eine besondere Qualität und Vielfalt im Forschungssektor und ist dank der Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg ein Vorbild für andere Regionen“ so Carsten Schneider weiter.

© Tom Schulze

Im Rahmen der Veranstaltung stellten sich zehn wissenschaftliche Einrichtungen und Netzwerke vor, von denen in den kommenden Jahren neue Impulse für den Innovationsstandort ausgehen werden. So präsentierte Prof. Dr. Jan J. Weigand von der TU Dresden die zukünftigen Themenfelder und des Center for the Transformation of Chemistry (CTC). Das neue Großforschungszentrum im Mitteldeutschen Revier soll die Zukunft der Chemischen Industrie durch die Entwicklung einer nachhaltigen Rohstoffbasis sowie den Aufbau alternativer Wertschöpfungsketten sichern und gleichzeitig zum Zentrum internationaler Spitzenforschung werden. In weiteren Pitches präsentierten sich auf der Konferenz:

  • Hydrogen Competence Hub der Hochschule Merseburg
  • KI-Rechenzentrum Leipzig
  • Neubau Technikum des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ)
  • Energiepark Bad Lauchstädt
  • Kompetenzzentrum für Energieeffizienz durch Digitalisierung (KEDi)
  • Nationale Monitoringzentrum zur Biodiversität (NMZB)
  • HySON – Institut für Angewandte Wasserstoffforschung
  • Automotive Netzwerk Transformation Thüringen – ANeTT
  • Kompetenzzentrum für Unbemannte Luftfahrtsysteme in Cochstedt

 

Über die Potenziale neuer wissenschaftlicher Leuchttürme für den Strukturwandel in den Kohleregionen diskutierten anschließend Jörg Huntemann, Beauftragter für Strukturentwicklung des Sächsischen Staatsministeriums für Regionalentwicklung, Dr. Anette Bickmeyer; Geschäftsführerin der Initiativkreis Ruhr GmbH, Dr. Volker Meyer-Guckel, Generalsekretär des Stifterverbandes, Gerald Taraba, Managing Director von Actemium Deutschland und Prof. Dr. Joachim Ragnitz, Stellvertretender Leiter der ifo Niederlassung Dresden.

Der Frage, wie Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gemeinsam den Innovationsstandort Mitteldeutschland stärken können, widmete sich eine zweite Podiumsdiskussion mit Dr. Katja Böhler, Staatssekretärin für Forschung, Innovation und Wirtschaftsförderung im Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft des Freistaats Thüringen, Thomas Kralinski, Staatssekretär für Wirtschaft und Arbeit – Amtschef im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Thomas Wünsch, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt – Amtschef, Prof. Dr. Gesine Grande, Präsidentin der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, Ulf Heitmüller, sowie Jörn-Heinrich Tobaben. Als zentrale Herausforderungen wurden dabei die im Bundesvergleich unterdurchschnittliche F&E-Quote der Unternehmen der Region sowie die Gewinnung und Bindung von Fachkräften für den Bedarf von Wissenschaft und Wirtschaft thematisiert.

Weitere Informationen

AG Wissenschaft und Forschung

Gesamtpräsentation der Jahreskonferenz

Webseite Jahreskonferenz 

Webseite Stifterverband

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