Von grünem Hoffnungsträger zur industriellen Realität: Mitteldeutschland diskutiert aktuellen Stand beim Aufbau seiner Wasserstoffwirtschaft

16. September 2022
Mehr als 500 Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung kamen am heutigen Freitag auf dem 2. Mitteldeutschen Wasserstoffkongress zusammen. Im Mittelpunkt der gemeinsamen Netzwerkveranstaltung der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland und des HYPOS e.V. standen die industrielle Wertschöpfung rund um grünen Wasserstoff in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und der geplante Aufbau des mitteldeutschen Wasserstoffnetzes.

„Seit der Premiere des Mitteldeutschen Wasserstoffkongresses im November 2021 verzeichnen wir beim Aufbau der mitteldeutschen Wasserstoffwirtschaft eine neue Dynamik. Das betrifft sowohl die industrielle Wertschöpfung, etwa im Anlagenbau als auch den Aufbau einer länderübergreifenden Infrastruktur für Erzeugung, Transport und Speicherung von grünem Wasserstoff“, erklärt Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland. „Zum anderen stellt sich seit dem russischen Überfall auf die Ukraine die Frage nach einer klimafreundlichen und sicheren Energieversorgung unserer Wirtschaft und Gesellschaft in neuer Dringlichkeit. Klimaschutz, innovative Wertschöpfung und Versorgungssicherheit für die Region sind mittel- und langfristig nicht ohne grünen Wasserstoff denkbar“, so Jörn-Heinrich Tobaben weiter.

„Damit der Schritt von der Forschung in die industrielle Anwendung gelingt, braucht es jetzt klare und sichere Rahmenbedingungen. Dazu gehören ein konsequenter und technologieoffener Ausbau der erneuerbaren Energien zur Wasserstofferzeugung, wirtschaftliche Sicherheit für private Investitionen sowie der Aus- und Umbau der vorhandenen Gasinfrastruktur zu einem nationalen Wasserstoffnetz im Rahmen einer gemeinsamen Bund-Länder-Aufgabe“, betont Dr. Joachim Wicke, Vorstandsvorsitzender des Hydrogen Power Storage & Solutions East Germany e.V. (HYPOS).

Im Rahmen der zentralen Wasserstoff-Veranstaltung der Region auf dem Flughafen Leipzig/Halle, die über 170 Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung vor Ort und weitere 350 per Livestream verfolgten, präsentierten sich Infrastrukturprojekte in den Bereichen Erzeugung, Transport und Speicherung von Wasserstoff sowie industrielle Anwendungsvorhaben als Teil regionaler Wasserstoff-Wertschöpfungsketten. Zu den vortragenden 15 Unternehmen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gehörten unter anderem BMW, DHL, Linde, Sunfire, Wacker Chemie, TotalEnergies, VNG, LEAG, MITNETZ GAS, TEAG und Maximator Hydrogen.

 

Foto: Tom Schulze

Metropolregions-Geschäftsführer Jörn-Heinrich Tobaben stellte den Teilnehmern und Teilnehmerinnen des Kongresses den gemeinsam mit HYPOS initiierten und mit zwölf industriellen und kommunalen Partnern abgestimmten Ausbauplan zum Wasserstoffnetz Mitteldeutschland vor. Das bis zu 339 km lange Netz soll zukünftig Erzeuger und industrielle Verbraucher von grünem Wasserstoff im Raum Leipzig-Halle-Bitterfeld-Leuna-Zeitz-Chemnitz miteinander verbinden und die Region darüber hinaus an den „European Hydrogen Backbone“, das geplante Europäisches Wasserstoffverbundnetz anbinden.

Auch der Ukraine-Krieg und die Auswirkungen der aktuellen Energiekrise auf den Wirtschaftsstandort Mitteldeutschland waren Thema auf dem 2. Mitteldeutschen Wasserstoffkongress. So diskutierten Wolfgang Tiefensee, Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft des Freistaates Thüringen, Dr. Gerd Lippold, Staatssekretär für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft des Freistaats Sachsen und Dr. Jürgen Ude, Staatssekretär für Strukturwandel und Großansiedlungen in der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt mit Dr. Stephan Lowis, Vorstandsvorsitzender der envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM) und Dr. Joachim Wicke, Vorstandsvorsitzender des HYPOS e.V. über die Bedeutung von Wasserstoff für eine sichere Energieversorgung, die geplanten LNG-Terminals zur kurzfristigen Gasversorgung sowie den notwendigen Ausbau der Erneuerbarer Energien.

Anlässlich der Veranstaltung legte die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland eine aktualisierte Auflage des Mitteldeutschen Wasserstoffatlas vor, der mit 65 Projekten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen einen umfassenden Überblick zu den aktuellen Wasserstoffaktivitäten in der Region gibt. Darüber hinaus veröffentlichte das Wasserstoffnetzwerk HYPOS die Abschlusspublikation der insgesamt 34 Forschungsprojekte, die seit 2013 im Rahmen der Förderinitiative „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurden.

Der 2. Mitteldeutsche Wasserstoffkongress wurde durch das LHyVE-Konsortium powered by Leipziger Gruppe, EDL und ONTRAS, die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Gas mbH (MITNETZ GAS), die Sächsische Agentur für Strukturentwicklung (SAS) und die Mitteldeutsche Flughafen AG als Premiumpartner unterstützt. Der Videomitschnitt der Veranstaltung ist über den YouTube-Kanal der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland abrufbar.

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