Wasserstoff als Schlüssel zur nachhaltigen Aluminiumherstellung

30. November 2023
Die HMT Höfer Metall Technik GmbH & Co. KG mit Sitz in Hettstedt will mit dem Einsatz eines Wasserstoff-Brenners die Aluminium-Industrie voranbringen. Nachdem ein Schlüsselbaustein für das Vorhaben durch die Förderung über UNTERNEHMEN REVIER umgesetzt wurde, arbeitet das Unternehmen derzeit an zwei weiteren Projekten.

Aluminium zählt mit seinen zahlreichen Einsatzgebieten in der Fahrzeug- und Verpackungsindustrie sowie dem klassischen Maschinen- und Gebäudebau zu den wichtigsten metallischen Werkstoffen. Dabei ist die Aluminiumproduktion durch den Einsatz von Erdgas ein sehr energieintensiver Prozess und mit hohen Kosten verbunden. HMT Höfer Metall Technik hat sich dieser Problematik im Rahmen der Gewinnung von Sekundäraluminium, das aus recyceltem Aluminium besteht, angenommen und eine innovative Lösung unter Einsatz erneuerbarer Energien gefunden.

„Nachhaltigkeit spielt bei uns und unseren Kunden eine große Rolle. Wir versuchen kontinuierlich unsere Energiebilanz durch entsprechende Investitionen und Maßnahmen in ressourcensparenden Projekten zu verbessern“, erklärt Christian Schwarz, Geschäftsführer der HMT Höfer Metall Technik GmbH & Co. KG. „Um dem gerecht zu werden, haben wir im Rahmen des Projekts ‚Wasserstoff-Brenner für die Aluminium-Industrie‘ die Vorbereitung der technologischen Umrüstung eines Erdgasbrenners in unserer Gießerei auf Wasserstoff getroffen. Damit werden wir zukünftig unseren CO2-Abdruck auf unter 0,7 Kilogramm CO2 pro Kilogramm hergestellter Aluminiumbolzen reduzieren“, so Christian Schwarz weiter.

Ermöglicht wurde das Projekt durch die erfolgreiche Bewerbung beim 2. Ideenwettbewerb für das Bundesmodellvorhaben „UNTERNEHMEN REVIER“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Im Rahmen des Förderprogramms, das gemeinsam durch die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland und den Burgenlandkreis im Mitteldeutschen Revier koordiniert wird, stehen jährlich 1,6 Millionen Euro für innovative Strukturwandelprojekte zur Verfügung. „Die Förderung über UNTERNEHMEN REVIER in Höhe von 200.000 Euro war die Initialzündung für die Durchführung des Projekts. Inzwischen sind daraus die beiden Projekte H2-Alu und HyAlu hervorgegangen, auf die wir uns aktuell konzentrieren“, sagt Christian Schwarz.

So untersucht H2-Alu die Auswirkungen der Wasserstoffnutzung auf die Qualität bei der Sekundär-Aluminiumherstellung. In Laborversuchen konnte nun gezeigt werden, dass sauber verbrannter Wasserstoff nicht in geschmolzenem Aluminium diffundiert. Auswirkungen auf die Produktqualität der zu fertigenden Aluminium-Bolzen sind somit auszuschließen. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 659.000 Euro geförderte Projekt läuft bis Ende 2023. Parallel dazu hat das Unternehmen das Projekt HyAlu ins Leben gerufen, das unmittelbar daran anknüpft. Nach Erhalt des Zuwendungsbescheids soll innerhalb von drei Jahren ein Brenner entwickelt werden, der mit Wasserstoff-Anreicherung von 30 bis 45 Prozent in einem Produktionsofen eingesetzt werden kann. In Langzeitversuchen sollen auch Einflüsse auf Feuerfestigkeit, Abgassystem, Messtechnik und Prozesstechnik ermittelt werden. Die Förderung erfolgt über das Bundeswirtschaftsministerium.

Brennofen; Bildnachweis: HMT Höfer Metall Technik GmbH & Co. KG
Außenansicht der Gießerei; Bildnachweis: HMT Höfer Metall Technik GmbH & Co. KG

Eine große Herausforderung besteht im nächsten Schritt in der Beschaffung des grünen Wasserstoffs. „Perspektivisch bieten sich uns mehrere Möglichkeiten, den Wasserstoff zu beziehen, für die wir grundsätzlich offen sind: im Rahmen der dezentralen Wasserstofferzeugung über einen mittelgroßen Elektrolyseur, der in Helbra im Rahmen des Projekts MSH2 entsteht oder über das Leitungsnetz“, erklärt Christian Schwarz. So engagiert sich HMT Höfer Metall Technik im Netzwerk „Green Power MSH2“, das grünen Wasserstoff im Landkreis Mansfeld-Südharz produzieren und einsetzen will. Dazu sollen Photovoltaik- und Windanlagen ausgebaut und ein Elektrolyseur zur Wasserstoffherstellung sowie Pipelines für den Wasserstofftransport zu den Unternehmen der Region errichtet werden.

Darüber hinaus unterstützt HMT Höfer Metall Technik die Studie „Wasserstoffnetz Mitteldeutschland 2.0“, in deren Rahmen ein bis zu 1.000 Kilometer langes Wasserstoff-Verteilnetz in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen untersucht werden soll. Die gemeinsam von der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland, dem Wasserstoff-Netzwerk HYPOS, der DBI Gas- und Umwelttechnik GmbH sowie der INFRACON Infrastruktur Service GmbH & Co. KG initiierte Studie wird im Auftrag von insgesamt 54 regionalen Partnern aus Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung durchgeführt.

Über die HMT Höfer Metall Technik GmbH & Co. KG

Die HMT Höfer Metall Technik GmbH & Co. KG aus Hettstedt produziert mit rund 270 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jährlich etwa 12.000 Tonnen Aluminiumprofile und Baugruppen. Das Unternehmen zählt zu den modernsten Strangpressbetrieben Deutschlands und bietet ein breites Spektrum an stranggepressten Qualitätsprofile inklusive der entsprechend vielseitigen Weiterbearbeitung.

Über das Modellvorhaben UNTERNEHMEN REVIER

Mit dem Bundesmodellvorhaben UNTERNEHMEN REVIER leistet das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gemeinsam mit regionalen Partnern seit 2017 einen aktiven Beitrag für den Strukturwandel in den vier deutschen Braunkohleregionen. Mit den zur Verfügung stehenden Fördermitteln sollen innovative und umsetzungsorientierte Projekte zur Gestaltung des Strukturwandels gefördert werden. Für die Umsetzung im Mitteldeutschen Revier sind als Regionalpartner die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland und als Abwicklungspartner der Burgenlandkreis und das Aufbauwerk Region Leipzig verantwortlich.

Weitere Informationen

Webseite HMT Höfer Metall Technik GmbH & Co. KG

Webseite UNTERNEHMEN REVIER

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