Ziel der Studie ist es, Bedarfe, Infrastrukturentwicklung und Erzeugungsperspektiven systematisch zusammenzuführen und daraus eine abgestimmte Infrastrukturperspektive für Ostdeutschland abzuleiten. Interessierte Organisationen sind eingeladen, ihre Perspektiven, Planungen und Anforderungen einzubringen und so die Grundlage für zukünftige Investitions- und Standortentscheidungen mitzugestalten.
„Mit der Gemeinschaftsstudie schaffen wir einen gemeinsamen Rahmen für Ostdeutschland, um eine Wasserstoff-Verteilnetzinfrastruktur gemeinsam zu planen. Unser Anspruch ist es, Akteure aus Wirtschaft und öffentlicher Hand zusammenzubringen und regionale Perspektiven über Ländergrenzen hinweg zu bündeln. So legen wir die Grundlage dafür, dass die Energiewende auch ein Standortfaktor für Ostdeutschland wird“, erklärt Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland.
Die Beteiligungsphase folgt auf ein großes Interesse beim Auftaktmeeting Ende Februar 2026, an dem rund 220 Teilnehmer vor Ort und im Livestream teilnahmen. Die inhaltliche Ausgestaltung der Studie wurde auf Basis der dort eingebrachten Hinweise weiter geschärft. So wurde unter anderem ein zusätzliches Arbeitspaket zur Bewertung von Stromnetz- und Systemeffekten aufgenommen sowie bestehende Initiativen – etwa im Kontext von H₂vorOrt – stärker integriert. Ziel ist eine fachlich belastbare und zugleich praxisnahe Grundlage für zukünftige Infrastrukturentscheidungen.
Die aktuelle Rückmeldephase dient der unverbindlichen Beteiligung und inhaltlichen Abstimmung. Eine rechtskräftige Beteiligung an der Studie erfolgt erst im Anschluss im Rahmen der Vertragsphase durch die Unterzeichnung des finalisierten Kooperationsvertrags. Rückmeldungen zu den Entwürfen (Kooperationsvertrag und Leistungsverzeichnis) können per Mail an h2netzost@dbi-gruppe.de bis zum 17. April 2026 erfolgen.
„Viele Unternehmen beschäftigen sich derzeit sehr konkret mit der Frage, ob Wasserstoff perspektivisch für sie verfügbar sein kann. Für diese Entscheidungen braucht es Transparenz über mögliche Anschlussräume und zeitliche Entwicklungen. H₂-Netz OST eröffnet die Chance, Bedarfe aus Industrie und Wirtschaft sichtbar zu machen und frühzeitig in einen gemeinsamen Zusammenhang zu stellen“, betont Dr. Ulf Kreienbrock, Geschäftsführer der VIONTA GmbH.
„Auf Verteilnetzebene geht es jetzt nicht um einzelne Ausbauprojekte, sondern um überregional abgestimmte Entwicklungspfade bis 2045. Dafür brauchen wir eine gemeinsame methodische Grundlage und einen umsetzungsorientierten ordnungspolitischen Rahmen, der Planungssicherheit schafft und Investitionen ermöglicht. Die Gemeinschaftsstudie bündelt erstmals eine länderübergreifende ostdeutsche Perspektive und integriert Nachfrage, Bereitstellung, Infrastruktur und Rechtsrahmen in einem konsistenten Gesamtkonzept. Sie unterstützt bestehende Instrumente wie die Langfristprognose 2.0, harmonisiert Annahmen und schafft Transparenz über tragfähige Optionen unter regional unterschiedlichen Bedingungen. Damit entsteht ein belastbarer Orientierungsrahmen für Netzbetreiber, Industrie und Politik gleichermaßen“, ergänzt Gert Müller-Syring, Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsleitung der DBI Gas- und Umwelttechnik GmbH.
Die geplante Gemeinschaftsstudie H2-Netz OST folgt auf die Studie „Wasserstoffnetz Mitteldeutschland 2.0“ aus dem Jahr 2024, die einen wichtigen Grundstein für ein zukünftiges Wasserstoffverteilnetz in Mitteldeutschland gelegt hat. Im Auftrag von 54 privatwirtschaftlichen und öffentlichen Partnern wurde aufgezeigt, wie groß das Potenzial und der Bedarf einer gemeinsamen Wasserstoffinfrastruktur sind.
Seitdem haben sich die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen weiterentwickelt. Neue gesetzliche Vorgaben auf europäischer und nationaler Ebene sowie die Anforderungen aus Gasnetzgebietstransformationsplänen und Langfristprognosen erhöhen den Bedarf an frühzeitiger Abstimmung und koordinierten Herangehensweisen. Der Betrachtungsraum wird nun erstmals länderübergreifend auf ganz Ostdeutschland erweitert. H2-Netz OST nimmt damit eine gebündelte ostdeutsche Perspektive ein und ist aktuell das einzige Infrastrukturvorhaben auf Verteilnetzebene in dieser Größenordnung in Deutschland.
Die Gemeinschaftsstudie H2-Netz OST wird gemeinsam von der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland, der DBI Gas- und Umwelttechnik GmbH und der VIONTA GmbH durchgeführt. Initiativpartner sind die ONTRAS Gastransport GmbH, das Wasserstoffnetzwerk HYPOS, der Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW e.V.) sowie die Initiative für Wasserstoff in Ostdeutschland (IWO).